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Es ist eine kleine Runde ehrenamtlich Engagierter, die sich Ende März dieses Jahres im Salon am Franz-Mehring-Platz in Berlin trifft. Frauen und Männer aus verschiedenen Teilen Deutschlands sind zusammengekommen, um sich über Projekte auf dem afrikanischen Kontinent auszutauschen. Projekte, die auf Solidarität, Bildung und die Förderung von Chancengerechtigkeit für Mädchen und Frauen zielen – und auf ein partnerschaftliches Miteinander.
Harald Breuer, Jahrgang 1942, heute ein weißhaariger Mann und Gründer der Stiftung, berichtet von den Anfängen. Er spricht von globalen Ungleichheiten, von Menschen, die unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen leben, und davon, dass diese Zahlen für ihn nie bloße Statistik waren, sondern konkrete Erfahrung. Als Arzt und Toxikologe lernte er bei seinen Aufenthalten in verschiedenen Ländern Afrikas Lebensrealitäten kennen, die ihn nachhaltig prägten.
Diese Erfahrungen führten zu dem Entschluss, sich langfristig zu engagieren – gemeinsam mit Menschen vor Ort und mit Unterstützerinnen und Unterstützern hier. So investierte er ein ihm zugefallenes Erbe in das Startkapital der Harald-Breuer-Stiftung. Das war im Jahr 2006 – vor inzwischen zwanzig Jahren.
Was hat sich seither getan? Einige Beispiele aus der Arbeit:
Christa Müller berichtet von den Anfängen und der Entwicklung der Initiative (I)NTACT – Internationale Aktion gegen Beschneidung von Mädchen und Frauen. Sie war das erste Projekt, das von der Breuer-Stiftung unterstützt wurde. Seit über 30 Jahren engagiert sich die Initiative in verschiedenen Ländern Afrikas für Aufklärung und Dialog rund um das Thema weibliche Genitalbeschneidung – in enger Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften.
Im Mittelpunkt stehen Gespräche, Information und langfristige Vertrauensarbeit – mit Frauen und Männern, Familien, traditionellen Autoritäten und lokalen Fachkräften. Ziel ist es, ein Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken und die Rechte von Mädchen zu schaffen und gemeinsam Alternativen zu entwickeln. Die Erfolge sind beeindruckend: In Benin und Togo ist die Praxis in vielen Regionen deutlich zurückgegangen, für Ghana wird ein ähnlicher Wandel bis 2030 angestrebt. Projekte in Guinea-Bissau, Burkina Faso und Senegal werden kontinuierlich fortgeführt. Diese Entwicklungen sind auch Ergebnis verlässlicher Partnerschaften – zu denen die Breuer-Stiftung seit vielen Jahren beiträgt.
Godula Kosack, Projektkoordinatorin für „Selbstbestimmung durch Bildung“, berichtet aus Nordkamerun. Dort setzen sich Frauen – unter anderem aus der Mafa-Gemeinschaft – zunehmend dafür ein, dass ihre Töchter Zugang zu Bildung erhalten. Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützt das Projekt gezielt Schülerinnen auf unterschiedlichen Bildungswegen: von der Grundschule über weiterführende Schulen bis hin zu beruflicher Ausbildung und Studium. Aktuell werden über 50 junge Frauen begleitet – oft über viele Jahre hinweg. Bildung eröffnet ihnen neue Perspektiven und stärkt zugleich ihre Rolle in ihren Gemeinschaften.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Solidaritätsdienst International (SODI) zeigt konkrete Wirkung. Thilo Schäfer berichtet von Projekten, die seit 2011 im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Berlin-Lichtenberg und KaMubukwana in Maputo entstanden sind. Dazu gehören Sportinitiativen, die Jugendlichen Gemeinschaft und Teilhabe ermöglichen, ebenso wie landwirtschaftliche Programme, in denen Kleinbäuerinnen und -bauern gemeinsam mit Fachkräften nachhaltige Anbaumethoden weiterentwickeln. Ein neues, auf drei Jahre angelegtes Projekt setzt auf Photovoltaik an Schulen: Es verbessert die Energie- und Wasserversorgung und schafft zugleich Möglichkeiten für praxisnahes Lernen, etwa durch Schulgärten.
Ein künstlerisches Schlaglicht setzt das Projekt „Talking Objects“ von Isabell Raabe. Alltagsgegenstände werden hier zu Trägern von Geschichten und Erfahrungen und eröffnen einen persönlichen Zugang zu unterschiedlichen Lebenswelten.
Das Projekt verfolgt dabei auch einen dekolonialen Ansatz: Es geht darum, Perspektiven aus den Ländern selbst sichtbar zu machen und ihnen Raum zu geben. Nicht der Blick von außen steht im Mittelpunkt, sondern die Stimmen der Menschen vor Ort. So entstehen Erzählungen aus eigener Erfahrung, die weder vereinfacht noch von außen bewertet werden. Auf diese Weise hinterfragt „Talking Objects“ gewohnte Sichtweisen und fördert eine Darstellung auf Augenhöhe.
Das alles sind Initiativen, Projekte und ein langjähriges Miteinander auf Augenhöhe in den 20 Jahren Engagement Harald Breuer Stiftung. Sie fördert auch Filmproduktionen, Kunst- und Kulturaustausch, Ausstellungen, Literatur.
Die Stiftung steht für Wissensvermittlung, Aufklärung, Respekt. Von Beginn an war die Gesellschaftswissenschaftlerin Evelin Wittich die Vorstandsvorsitzende. In der Feierstunde wurde sie mit rührenden, wertschätzenden und herzlichen Worten verabschiedet. Den Staffelstab übernahm Hildegard Kiel, Mitarbeiterin der RLS aus dem Afrika Referat, und die bisherige Stellvertreterin, mit dem Versprechen: Wir machen weiter! Solidarisch!

