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Während wir uns Sorgen darüber machen, wie sich Krieg und Inflation auf unsere Familien und Nationen auswirken werden, starren Anleihehändler*innen auf die Zahlen ihrer Bildschirme und berechnen, was mit ihren undurchsichtigen Finanzinstrumenten geschehen könnte. Ihre Aufgabe ist es, den Reichtum der Wohlhabenden zu schützen. In den letzten fünfzig Jahren beruhte die relative Stabilität des US-Dollars – vor allem in Form von US-Staatsanleihen – zum Teil auf dem sogenannten Petrodollar-System.
Vijay Prashad ist seit 2017 Geschäftsführer des Tricontinental Institute for Social Research. Zuvor lehrte er Südasiatische Geschichte und Internationale Studien am Trinity College in Hartford, Connecticut.
Wenn die Ölpreise relativ stabil sind, lassen sich die Produktions- und Transportkosten besser vorhersagen, die Inflation lässt sich leichter eindämmen, und die Kurse von Anleihen und anderen Finanzanlagen schwanken weniger stark. Unter solchen Bedingungen können die Reichen ihr Papiervermögen mit größerer Zuversicht vermehren. Trotz des seit 1960 bestehenden Kartells der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bestimmen die Vereinigten Staaten weiterhin die Bedingungen, zu denen ein Großteil des weltweiten Erdöls transportiert, bepreist und bezahlt wird – durch ihr Gewaltmonopol: indem sie mit ihren Stützpunkten und Flotten wichtige Engpässe und Klientelstaaten sichern und durch den Einsatz von Sanktionen, die den Verkauf von Öl durch bestimmte Staaten oder Firmen in puncto Versicherung, Finanzierung, Transport und finanzielle Abwicklung erschweren. Staatsstreiche und Kriege dienen zudem dazu, Staaten zu disziplinieren, die zu viel Kontrolle über ihre eigenen Ressourcen anstreben oder aus dieser dollarzentrierten Ordnung ausbrechen wollen.
Die Rolle der Inflation
Inflation – ein über einen längeren Zeitraum anhaltender Preisanstieg – ist der Feind des finanziellen Vermögens, da sie die Kaufkraft von Finanzanlagen mindert. Da die Weltwirtschaft von Erdöl-Energie abhängig ist, führt ein Anstieg der Ölpreise zu einem Anstieg der Preise aller anderen Rohstoffe sowie der Gesamtkosten für Produktion und Transport, was den Wert von Anleihen und anderen Finanzanlagen mindert, die auf eine niedrige Inflation angewiesen sind. Inhaber*innen von Finanzvermögen bevorzugen daher tendenziell Maßnahmen, die die Inflation durch Sparmaßnahmen, restriktive Fiskalpolitik und die Senkung der Ölpreise – und damit der Produktionskosten, einschließlich der Löhne – eindämmen. Die Vermögenden ziehen es vor, Vermögenswerte zu halten, die im Verhältnis zu den Rohstoffpreisen und Löhnen stabil sind, weshalb der US-Dollar ihre bevorzugte Währung für die Vermögenshaltung und die Denominierung großer Schulden und Verträge ist. Durch die Verlagerung der Produktion in ärmere Länder haben die USA das Lohnniveau und die Inflation im eigenen Land niedrig gehalten und die Kaufkraft des US-Dollars gewahrt. Obwohl es Krisenmomente gab, ist es keiner anderen Währung gelungen, die Vorrangstellung des US-Dollars auch nur annähernd abzulösen, da kein anderer Staat die militärische Reichweite, die Sanktionsmacht, die Bündnisnetzwerke und die Finanztiefe (also die entsprechende Größe des Finanzsektors im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung – d. Red.) vereint, die zur Preisgestaltung bei Schlüsselrohstoffen wie Öl erforderlich sind.
Finanzmärkte sind konzeptionell einfach, aber operativ komplex und wirken oft undurchsichtig, weil sie mit Fachjargon gespickt sind und spezialisierte Akteur*innen scheinbar auf der Grundlage abstrakter Erwartungen und Beziehungen interpretieren und handeln.
Anleihehändler*innen und ihre Kund*innen befürchten nun, dass der Iran, wie er bereits gezeigt hat, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus einschränken und damit Washingtons Fähigkeit in Frage stellen könnte, den Öltransport durch diesen Engpass – mehr als ein Fünftel der weltweiten Gesamtmenge – zu kontrollieren. Im Jahr 2025 passierten täglich rund 21 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) die Meerenge zu einem Durchschnittspreis von 69 Dollar pro Barrel, was einem Gesamtwert von etwa 530 Milliarden Dollar pro Jahr entspricht. Der weltweite Ölmarkt hat ein Volumen von zwei bis drei Billionen Dollar pro Jahr. Ein erheblicher Teil dieser enormen Summe wurde traditionell in US-Staatsanleihen und Dollar-basierte Finanzanlagen reinvestiert. Wenn Washington die Bedingungen, unter denen dieses Öl transportiert wird, nicht mehr garantieren kann, und, schlimmer noch, wenn ein größerer Teil der Erlöse in Nicht-Dollar-Währungen gehalten wird (wie beispielsweise dem chinesischen Yuan, der vom Iran bevorzugten Abrechnungswährung), wird dies große Turbulenzen auf dem Markt für auf Dollar lautende Anleihen auslösen, der das Herzstück des globalen Finanzsystems bildet.
Diejenigen unter euch, die keine Expert*innen auf diesem Gebiet sind, fragen sich vielleicht: Was genau ist „der Anleihemarkt“? Was ist eine „dollarbasierte Anleihe“? Was ist der „Petrodollar“ oder gar der „Petroyuan“? Wie funktioniert dieses gesamte System? Finanzmärkte sind konzeptionell einfach, aber operativ komplex und wirken oft undurchsichtig, weil sie mit Fachjargon gespickt sind und spezialisierte Akteur*innen scheinbar auf der Grundlage abstrakter Erwartungen und Beziehungen interpretieren und handeln.
Dieser Beitrag bietet eine Einführung in einige der Schlüsselkonzepte, die zum Verständnis des globalen Finanzsystems im Kontext des von den USA und Israel gegen den Iran geführten illegalen Krieges erforderlich sind. Für Fachleute mögen die Antworten auf die folgenden Fragen zu vereinfachend sein, während für nicht mit der Thematik vertraute Leser*innen einige konzeptionelle Fragen möglicherweise nicht vollständig beantwortet werden. Das ist die Grenze jeder Einführung, daher bitte ich im Voraus um Nachsicht.
Anleihen und Anleihemarkt
Was sind Anleihen? Anleihen sind eine Kategorie von Schuldtiteln – ein handelbares Finanzinstrument. Eine Anleihe lässt sich am besten als Anspruch (oder Schuldschein) auf einen zukünftigen Zahlungsstrom verstehen. Bei der Erstemission einer Anleihe handelt es sich um ein Darlehen, das ein Investor einem Kreditnehmer, in der Regel einer Regierung oder einem Unternehmen, gewährt. Im Gegenzug verspricht der Kreditnehmer, in regelmäßigen Abständen Zinsen (sogenannte Kupons) zu zahlen und den ursprünglichen Betrag (den sogenannten Kapitalbetrag) zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft (der sogenannten Fälligkeit) zurückzuzahlen. Wenn beispielsweise eine Regierung eine zehnjährige Anleihe über 1.000 Dollar zu vier Prozent Zinsen emittiert, zahlt der Käufer der Regierung im Voraus 1.000 Dollar, erhält jährlich 40 Dollar an Zinsen und bekommt die 1.000 Dollar nach zehn Jahren zurück. Wenn der Anleihegläubiger nicht bis zum Ende warten möchte, kann er die Anleihe auf einem Sekundärmarkt an jemand anderen verkaufen. Einfach ausgedrückt: Anleihen sind eine Form von verzinslichem oder fiktivem Kapital; es sind gesetzliche Ansprüche auf zukünftige Gewinne oder Steuereinnahmen statt Eigentumsrechte an produktiven Vermögenswerten selbst.
Im Gegensatz zu Anleihen stellen Aktien Eigentumsanteile an einem Unternehmen dar. Aktionär*innen können Dividenden erhalten (die nicht garantiert sind), und der Wert ihrer Aktien kann je nach der Unternehmensleistung steigen oder fallen und möglicherweise wertlos werden. Anleihen bieten in der Regel geringere Renditen, aber bei geringerem Risiko als Aktien, während Aktien ein höheres Risiko, aber auch ein größeres Renditepotenzial bergen.
Ein erheblicher Teil der globalen Dollar-Überschüsse wurde in der Vergangenheit in US-Staatsanleihen reinvestiert. Dieser Mechanismus trägt dazu bei, die Schulden der US-Regierung zu finanzieren.
Was ist der Anleihemarkt? Auf dem Anleihemarkt geben Regierungen und Unternehmen Anleihen aus und handeln mit ihnen. Es gibt keinen zentralen Marktplatz, da der Anleihemarkt dezentralisiert ist. Die meisten Anleihen werden direkt zwischen Banken, institutionellen Anlegern und Privatanleger*innen über große Finanzzentren wie New York, London, Tokio, Hongkong und Frankfurt gehandelt. Der Dollar-Anleihemarkt besteht aus Anleihen, die in US-Dollar ausgegeben werden – hauptsächlich US-Staatsanleihen und andere auf Dollar lautende Anleihen, die von Unternehmen und Regierungen außerhalb der Vereinigten Staaten aufgelegt werden. US-Staatsanleihen sind Anleihen, die von der US-Regierung emittiert werden. Dazu gehören Schatzwechsel (kurzfristige Schuldtitel mit einer Laufzeit von unter einem Jahr), Schatzanweisungen (mittelfristige Schuldtitel mit einer Laufzeit von zwei bis zehn Jahren) und Anleihen (langfristige Schuldtitel mit einer Laufzeit von zwanzig oder dreißig Jahren). Zentralbanken, Geschäftsbanken, Pensionsfonds, Versicherer, Unternehmen und andere Investor*innen halten diese Anleihen, da sie zu den liquidesten und weltweit am meisten akzeptierten Finanzanlagen gehören. Ein erheblicher Teil der globalen Dollar-Überschüsse – einschließlich einiger Öl-Exportüberschüsse, auf die wir noch zu sprechen kommen – wurde in der Vergangenheit in diese Anleihen reinvestiert. Dieser Mechanismus trägt dazu bei, die Schulden der US-Regierung (derzeit annähernd 39 Billionen Dollar) durch den Kauf von US-Staatsanleihen zu finanzieren und gleichzeitig die weltweite Nachfrage nach dem US-Dollar als Weltreservewährung zu stärken – der weltweit am meisten akzeptierten Währung für die Abrechnung von Handelsgeschäften, die Begleichung von Zahlungen sowie das Halten von Reserven und Vermögen.
Der Öl-Dollar-Wall-Street-Komplex
Was ist das Petrodollar-System? Wie bereits erwähnt, beläuft sich der weltweite Ölmarkt auf etwa zwei bis drei Billionen Dollar pro Jahr. Wohin fließen also die Gewinne aus all diesen Ölverkäufen? Nach der Ölkrise von 1973–1974 und insbesondere durch die Vereinbarungen, die Washington mit Saudi-Arabien und anderen Golfmonarchien traf, wurde der Großteil des weltweiten Ölhandels in Dollar abgerechnet und beglichen. Das bedeutete, dass Öl importierende Länder Dollar benötigten, um Öl zu kaufen, während Öl exportierende Länder große Dollarüberschüsse anhäuften. Öl exportierende Staaten, Zentralbanken und Staatsfonds reinvestierten dann einen erheblichen Teil dieser Überschüsse in auf Dollar lautende Vermögenswerte. Diese Rückführung von Öleinnahmen in dollarbasierte Finanzinstrumente verbindet die Energiemärkte mit den Finanzmärkten, stützt die Nachfrage nach auf Dollar lautenden Anleihen, trägt dazu bei, die Kreditkosten der USA niedriger zu halten, als sie es sonst wären, und stärkt den Status des US-Dollars als Weltreservewährung. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Prozesses ist der Eurodollar-Markt – der Offshore-Markt für US-Dollar, auf dem Dollar außerhalb der USA hinterlegt und verliehen werden –, der dazu beigetragen hat, Ölüberschüsse in die globalen Finanzmärkte zu leiten. Dieses gesamte System könnte als „Öl-Dollar-Wall-Street-Komplex“ bezeichnet werden.
Wenn Öleinnahmen nicht mehr in auf Dollar lautenden Vermögenswerten gehalten werden, könnte dies die Kreditkosten der USA erhöhen und die Rolle des Dollars als Weltreservewährung schwächen. Dies wäre jedoch kein einfacher oder sofortiger Prozess.
Die USA haben das Petrodollar-System als Waffe eingesetzt, um Länder zu sanktionieren, die aus politischen Gründen nicht mit der US-Außenpolitik kooperieren. Das US-Finanzministerium hat für die entsprechenden Länder den Zugang zu dollarbasierten Finanzmitteln eingeschränkt und sie damit zur Anpassung an die von den USA dominierten Märkte gezwungen. Länder, die sich widersetzen, wie der Iran, haben nach Alternativen zum Ölhandel in Dollar gesucht; deshalb hat der Iran erklärt, dass Länder, die in chinesischen Yuan bezahlen, die Straße von Hormus sicher passieren können. Der Öl-Dollar-Wall-Street-Komplex stützt die Macht der USA (mithilfe von Sanktionen), während er Länder gleichzeitig dazu drängt, Diversifizierung, Risikomanagement und alternative Währungsvereinbarungen anzustreben.
Hätte es Auswirkungen auf den Dollar-Anleihemarkt, wenn Ölgewinne nicht mehr in Dollar gehalten werden? Wenn Öleinnahmen nicht mehr in auf Dollar lautenden Vermögenswerten gehalten werden, könnte die weltweite Nachfrage nach Dollar-Vermögenswerten – insbesondere nach US-Staatsanleihen – zurückgehen. Das könnte ausländische Käufe von US-Staatsanleihen verringern, die Kreditkosten der USA erhöhen, den Wert des US-Dollars mindern und die Rolle des Dollars als Weltreservewährung schwächen. Dies wäre jedoch kein einfacher oder sofortiger Prozess. Die Gesamtauswirkungen eines solchen Prozesses hängen davon ab, wie schnell und in welchem Umfang alternative Währungen den Dollar im internationalen Ölhandel ersetzen. Kurzfristig wird es eher zu Störungen kommen als zu einem reibungslosen Übergang oder einem sofortigen Zusammenbruch der Dominanz des Dollars.
Vom Petrodollar zum Petroyuan?
Was ist der Petroyuan? Der Petroyuan bezeichnet den Ölhandel, bei dem die Preise in US-Dollar angegeben und die Zahlungen in chinesischen Yuan abgewickelt werden. Er entstand 2018, als die Shanghai International Energy Exchange ihren auf dem Yuan basierenden Rohöl-Terminmarkt einführte. Der Petroyuan macht nur einen geringen Anteil – schätzungsweise nicht mehr als fünf Prozent – des weltweiten Ölhandels aus.
Fest verankerte Finanzsysteme, geopolitische Allianzen und globale Institutionen begünstigen nach wie vor den US-Dollar, was einen groß angelegten Übergang zu einem auf dem Yuan basierenden Ölhandel verlangsamt und einschränkt.
Trotz des Aufkommens des Petroyuan kann dieser den Petrodollar nicht ablösen, da der Yuan nicht vollständig konvertierbar ist. Aufgrund staatlicher Vorschriften in China kann der Yuan nicht frei zu Marktkursen in andere Währungen umgetauscht werden, was seine Verwendung in globalen Transaktionen einschränkt. Die US-Finanzmärkte sind liquider – das heißt, Dollar-Vermögenswerte lassen sich leicht in Bargeld umwandeln –, da die US-Regierung ein hohes Defizit in Kauf nimmt, um den Fluss von Dollars in die Weltwirtschaft sicherzustellen. Fest verankerte Finanzsysteme, geopolitische Allianzen und globale Institutionen begünstigen nach wie vor den US-Dollar, was einen groß angelegten Übergang zu einem auf dem Yuan basierenden Ölhandel verlangsamt und einschränkt. Zwar haben viele Länder der Belt and Road Initiative (der „neuen Seidenstraße“) den Yuan für ihre Transaktionen eingeführt, doch ist die chinesische Regierung in erster Linie daran interessiert, ihre Währung zur Unterstützung des inländischen Wirtschaftswachstums und zur Erleichterung des Handels einzusetzen. China ist weder daran interessiert, internationalen Finanziers eine stabile und liquide Wertanlage zu bieten, noch wünscht es sich die Deindustrialisierung und die innen- und außenpolitische Polarisierung, die eine vollständige Währungskonvertibilität mit sich bringen würde.
Ich hoffe, dass die obige Einführung dazu beiträgt, einige der eher undurchsichtigen Aspekte der aktuellen Lage zu erläutern. Es ist wichtig, diese Konzepte und Abläufe zu verstehen, da der Iran den auf Yuan lautenden Ölhandel mit der sicheren Durchfahrt durch die Straße von Hormus verknüpft hat, um damit Druck auf die USA auszuüben. Durch die Kontrolle dieses Engpasses, über den ein Großteil der weltweiten Ölströme fließt, kann der Iran Sanktionen umgehen, das Petrodollar-System untergraben und seine Beziehungen zu China stärken. Auch wenn dies an sich das Petrodollar-System nicht zu zerstören vermag, verursacht es den USA doch erhebliche Kosten für ihre mangelnde Bereitschaft, einen umfassenden Kompromiss zu schließen und einen fast fünfzigjährigen Konflikt zu beenden.
Der Beitrag wurde ins Deutsche übersetzt vom Zetkin-Forum. Wir danken für die freundliche Genehmigung. Die Zwischenüberschriften wurden redaktionell hinzugefügt.

