Nachricht | GK Geschichte B. Faulenbach: Das sozialdemokratische Jahrzehnt, Bonn 2011

"eine lesenswerte Gesamtdarstellung", aber "letztlich aber doch eher eine SPD-Parteigeschichte, die vor allem einen Wert für die interne Selbstverständigung und Traditionsbildung hat"

Jan Hansen, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität Berlin, rezensiert für H-Soz-u-Kult

Faulenbach, Bernd: Das sozialdemokratische Jahrzehnt. Von der Reformeuphorie zur neuen Unübersichtlichkeit. Die SPD 1969-1982 (= Die deutsche Sozialdemokratie nach 1945, Bd. 3). Bonn: Verlag  J.H.W. Dietz 2011. ISBN 978-3-8012-5035-5; 819 S.; EUR 48,00.

Er schreibt: "Auch wenn die Regierungszeit der sozial-liberalen Koalition (1969-1982) noch nicht zu denjenigen Abschnitten deutscher Nachkriegsgeschichte gehört, die durch archivgestützte und quellennahe Einzeluntersuchungen befriedigend ausgedeutet worden sind, gibt es bereits etliche Gesamtdarstellungen und Syntheseversuche. Bernd Faulenbach, als Vorsitzender der Historischen Kommission beim SPD-Parteivorstand gewissermaßen der "Chef-Historiker" der Sozialdemokraten, hat den geschichtswissenschaftlichen "Meistererzählungen" über diese Zeit nun seine eigene Interpretation hinzugefügt, die ihre - durchaus provokante - These gleich im Titel trägt: Mit "Das sozialdemokratische Jahrzehnt" liegt eine seiten- und meinungsstarke Darstellung über die Entwicklung der Partei und ihrer Politik vor.
Faulenbach gliedert seinen Untersuchungszeitraum in fünf Abschnitte. Auf die Zeit der inneren Reformen und der Ost-Verträge der SPD/FDP-Koalition (1969-1972) lässt er eine Phase der ökonomisch-politischen Krise folgen (1973/74), auf die Konsolidierung (1974-1976) die Ära Schmidt (1976-1980) und eine zweijährige Niedergangsphase der Koalition (1980-1982). Auch die konkrete Einteilung der insgesamt 17 Kapitel erscheint plausibel. Während Faulenbach sich chronologisch an den Kanzlerschaften Willy Brandts und Helmut Schmidts orientiert, differenziert er diese beiden Phasen jeweils in ihre außen- und innenpolitische Dimension. Daran anschließend untersucht er die innerparteiliche Entwicklung der SPD, ihr Personal und ihre Wahlkampfführung."

Abschließend urteilt er: "Faulenbach (hat) eine lesenswerte Gesamtdarstellung der Geschichte der SPD während der Zeit der sozial-liberalen Koalition geschrieben. Dass das Werk so umfänglich geraten ist und in der Perspektive gänzlich westdeutsch bleibt, ohne europäische Wandlungsprozesse der Sozialdemokratie und des Politischen insgesamt stärker zu reflektieren, macht aus dem Buch letztlich aber doch eher eine SPD-Parteigeschichte, die vor allem einen Wert für die interne Selbstverständigung und Traditionsbildung hat."