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Nachricht , : Kann Astana in fünf Jahren eine Gartenstadt werden?

Landschaftsbau in der Hauptstadt Kasachstans: Die Auswirkungen des grünen Gürtels um die Stadt, die Hindernisse bei der Begrünung und die Aussichten der Verwandlung Astanas in eine Gartenstadt.

Details

Fotos: Altair Umirbekov

Kasachstans Hauptstadt Astana soll eine „Gartenstadt“ werden – dieses Konzept und die Probleme, die bei seiner Umsetzung auftreten, sind seit bald drei Jahren ein zentrales Thema in der Stadtpolitik. Im Juli 2023 äußerte Kasachstans Präsident Kassim-Schomart Tokajew bei einem Treffen zur Entwicklung der Hauptstadt scharfe Kritik an den bisherigen Bemühungen der Stadt. Exakt ein Jahr gab er Bürgermeister Schengis Qassymbek, um die Situation zu verbessern. Tokajews Rüge veranlasste das Akimat (die Stadtverwaltung) zu konkreten Maßnahmen, wodurch die Stadt (etwas) grüner wurde. Zumindest sagt das die Statistik.

Nach Angaben der Abteilung für Umweltschutz und Naturmanagement der Stadt Astana wurden im Jahr 2023 im Großraum Astana etwa eine Million Grünpflanzen gepflanzt, 528.000 davon innerhalb der Stadtgrenzen und 456.591 im künstlich angelegten „Grüngürtel“. Im selben Jahr wurden – nach dem Vorbild etablierter „grüner Städte“ weltweit – beträchtliche Vorhaben angestoßen, um Astana binnen fünf Jahren in eine „Gartenstadt“ zu verwandeln.

Der Bepflanzungsplan für 2024 war ebenso ehrgeizig: über 1,1 Millionen neue Grünpflanzen, davon 889.000 innerhalb der Stadt und 200.000 im Grüngürtel. Mitte 2024 gab es in der Hauptstadt über 300.000 Grünflächen, und die Begrünung sollte im Herbst weitergehen.

Derzeit kommen in Astana auf jede*n Einwohner*in 14 Quadratmeter Grünfläche. Die Stadtverwaltung plant, diese Zahl gemäß gesundheitsamtlicher Vorgaben auf 19 Quadratmeter zu erhöhen. Zum Vergleich: Die Stadtverwaltung der früheren Hauptstadt Almaty setzte sich im vergangenen Jahr das Ziel, 12,3 Quadratmeter pro Einwohner*in zu erreichen.

Auf Anfrage teilte das hauptstädtische Amt für Umweltschutz und Naturmanagement mit, dass „im aktualisierten Haushalt der Stadt Astana 16.840,6 Millionen Tenge [rund 32,5 Millionen Euro] für eine umfassende Stadtentwicklung, einschließlich Landschaftsbau, Instandsetzung und Sanierung, vorgesehen sind“.

Das Akimat von Astana hat erklärt, mehrere Träger seien an der Begrünung der Stadt beteiligt. Tatsächlich ist die Astana-Zelenstroy LLP (im Folgenden: „Zelenstroy“) für mehr als 70 Prozent der städtischen Landschaftsbauprojekte verantwortlich. Nach deren Angaben liegt die Überlebensrate von Laubbäumen in Astana bei bis zu 85 Prozent, die von Nadelbäumen bei 70 Prozent. Auch 75 bis 85 Prozent der Sträucher, Blumen und Ziersträucher überleben. Setzlinge, die nicht anwachsen, werden von den Auftragnehmern auf eigene Kosten ersetzt.

Es fehlt an Baumschulen

Der erfahrene Landschaftsgärtner Bolat Musabekov hält diese Darstellung für zu glatt. „Astana steht vor derselben Herausforderung wie ganz Nordkasachstan, wo die klimatischen und Bodenverhältnisse ähnlich sind: Es fehlt an Baumschulen. Zelenstroy betreibt eine eigene Großanlage, die jedoch nur den Unternehmensbedarf deckt, sie verkaufen nicht an Dritte. Das Unternehmen hat sich zu einem schwerfälligen Monstrum entwickelt“, so Musabekov. „Nehmen wir eine beliebige Ausschreibung für Begrünungsarbeiten in Astana, dann sehen wir, dass praktisch alle Anforderungen auf Zelenstroy zugeschnitten sind. Zelenstroy agiert auf dem Markt für Landschaftsbau in Astana seit mittlerweile 25 Jahren.“

Musabekov lehnt den Status quo nicht gänzlich ab, glaubt aber, eine etwas marktwirtschaftlichere Haltung und etwas mehr Wettbewerb würden nicht schaden.

„Zelenstroy ist im Grunde ein verkappter Monopolist, der anderen Anbietern nur kleine Ausschreibungen oder etwa die sporadische Begrünung von Neubauten überlässt. Außerdem importiert das Unternehmen minderwertige Pflanzen aus Europa, unabhängig davon, wie gut diese akklimatisiert oder überhaupt für unser Klima geeignet sind“, so Musabekov weiter.

Der Landschaftsgärtner beschreibt auch Fälle, in denen Fachleute aus anderen Städten (wie Almaty) an Begrünungsmaßnahmen in Astana mitgewirkt und dabei Pflanzen verwendet haben, die zwar im Süden des Landes gut wachsen, für die nördlichen Regionen jedoch ungeeignet sind.

Der Experte merkt an, dass aus Südkasachstan oder Europa eingeführtes Pflanzgut für das Klima in Astana nicht zwingend ungeeignet ist: Der Großteil der Pflanzen sei von „hoher Qualität und passt sich gut an“. Rispenhortensien, Spiersträucher, Physiocarpus alternans und Fasanenspiere sowie andere Ziersträucher fühlen sich in Astana durchaus wohl.

„Die Winterlinde hat sich bewährt und wächst hier ganz gut. Einer der Träger hat, glaube ich, recht teure Lindenbäume aus Deutschland importiert. Es ist von neuen Pflanzverfahren die Rede. Laut dem Lieferanten werden die Bäume gut anwachsen… Aber ich würde sagen, das ist erstmal nur ein Experiment. Mal sehen, wie die Bäume über den Winter kommen und was im Frühjahr aus ihnen wird. Andererseits”, so schließt Musabekov, „fördern solche Versuche natürlich die Pflanzenvielfalt, den Farbenreichtum und die Attraktivität der Stadt.“

Einjährige Pflanzen: Ein Luxus?

Nicht einverstanden ist Musabekov mit der Entscheidung der letztjährigen Sitzung zur Entwicklung Astanas, einjährige Pflanzen als Luxus abzulehnen und stattdessen auf Stauden zu setzen. Bislang finden sich Stauden nur auf 10 Prozent der hauptstädtischen Grünflächen.

„Staudenbeete sind fünf- bis zehnmal teurer als Beete mit einjährigen Pflanzen! Dass eine Pflanze mehrjährig ist, bedeutet nicht automatisch, dass sie 50 Jahre oder länger wächst. Manchmal sind Umpflanzungen erforderlich. Unter Umständen muss aufgrund von nachlassender Zierwirkung usw. sogar völlig neu bepflanzt werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Verhältnis 50:50 sein sollte. Tatsache ist: Fast 90 Prozent der einjährigen Pflanzen stammen aus Kasachstan, während das gesamte Geld für Stauden nach Europa (Niederlande, Belgien, Polen) und nach Russland fließt“, so Musabekov. „Wir finanzieren also die Landschaftsbauindustrie dieser Länder. In wirtschaftlicher Hinsicht ist das für uns nicht die beste Lösung.“

Der Mangel an Baumschulen sei eine Herausforderung, betont der Experte. Zelenstroy verfüge zwar über gute Fachkräfte, aber seine Baumschule sei die einzige im Land – und eine sei so gut wie keine. 

„Was ist die Grundlage des Baumschulgeschäfts? Zugang zu langfristigem, günstigem Kapital. Unsere Landwirtschaft genießt staatliche Unterstützung, die Baumschulbranche ist allerdings vernachlässigt worden“, so der Landschaftsgärtner. „Das Budget mag enorm wirken, doch das ganze Geld fließt nach Europa, um das Pflanzmaterial zu beschaffen.“

Musabekov ist überzeugt, dass Kasachstan private Baumschulen wie in Polen braucht.

„Die polnischen Baumschulen gibt es seit 30 Jahren und ihr Pflanzgut hat unseren Markt regelrecht überschwemmt. Wir brauchen ein eigenes Programm und staatliche Unterstützung. Das sollte unsere Priorität sein“, erklärt der Landschaftsgärtner. „Ich habe in dieser Angelegenheit wiederholt bei der Atameken, der Nationalen Unternehmerkammer, vorgesprochen… ohne Erfolg. Vielleicht braucht es in Kasachstan einen Verband der Landschaftsgärtner*innen. Mit einer solchen Organisation im Rücken wäre es wohl einfacher, von der Unternehmerkammer ernstgenommen zu werden.“

Am 17. Juni berichtete die Antikorruptionsbehörde Kasachstans über ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Generaldirektor von Zelenstroy. Diesem werden Betrug sowie Anstiftung zur Bestechung vorgeworfen. Er soll die Auszahlung eines Bestechungsgelds in Höhe von 15 Millionen Tenge (rund 28.000 Euro) veranlasst haben, um Polizeibeamte zur Einstellung des Verfahrens zu bewegen. Der ehemalige Zelenstroy-Direktor steht zudem im Verdacht, für die Anpflanzung mehrjähriger Sträucher überhöhte Kosten veranschlagt zu haben.

Die Kehrseite des großstädtischen Landschaftsbaus

Eine staatliche Prüfung hat Mängel bei der Grünflächenpflege in Astana aufgezeigt. Beispielsweise seien Bepflanzungsmaßnahmen nicht mit der erforderlichen dendrologischen Planung einhergegangen. Zu den aufgrund der Prüfungsergebnisse formulierten Empfehlungen gehören die Einführung eines Grünflächenregisters und die zwingende Erweiterung der Grünflächenpflege um Bestandsaufnahmen und forstpathologische Untersuchungen. Aizhan Skakova, Ökologin und Mitglied der Maschilis, des Unterhauses des kasachischen Parlaments, widmet diesem Thema viel Zeit.

„Dem Bürgermeister zufolge hat die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr eine Garten- und Landschaftsbau-Charta für die Hauptstadt verabschiedet“, sagt Skakova. „Diese sieht eine dreijährige Gewährleistungspflicht für Grünflächenpflanzungen vor und legt den Schwerpunkt auf großwüchsige Bäume und mehrjährige Pflanzen.“

Die Stadtverwaltung betont, die Charta basiere auf internationalen Erfahrungen und sei unter Einbeziehung von Landschaftsforscher*innen, Stadtplaner*innen und Einwohner*innen der Metropole sowie in Übereinstimmung mit dem „2035 Astana Development Plan“ erarbeitet worden. 

Die Charta enthält zwar Vorschriften, die einen Großteil der ortsspezifischen Begrünungsthematik abdecken. Daneben finden sich jedoch auch problematische Formulierungen, die mit vordergründig banalen Angelegenheiten wie Pflanzverfahren und Baumpflege zusammenhängen.

„Wir leiden unter mangelnder Fachkompetenz seitens der Auftraggeber“, erklärt Landschaftsplaner Musabekov. „Die bezirklichen Akimats haben mit einer erheblichen Personalfluktuation zu kämpfen. Diese betrifft insbesondere die jungen Fachkräfte, die für den Landschaftsbau zuständig sind.“

Der Experte geht davon aus, dass die unabhängige Prüfung von Landschaftsbau- und Begrünungsprojekten sowie die Pflege von Grünflächen nur zu gewährleisten sei, wenn dafür ein eigenes Budget verabschiedet werde. 

„Sagen wir, ein Unternehmen gewinnt eine Bauausschreibung. Da ist es doch absolut sinnvoll, die Qualität der Arbeiten von einem zweiten Unternehmen überwachen zu lassen, oder? Das bedeutet, dass man Fachorganisationen wie das Kasachische Forschungsinstitut für Pflanzenschutz und -quarantäne, das Forschungsinstitut für Bodenkunde und Agrochemie, das Forschungsinstitut für Forstwirtschaft und Agroforstwirtschaft oder den Gartenbauverband hinzuziehen sollte, um eine solide Qualitätskontrolle zu gewährleisten. Das sind nur einige der vielen einheimischen Einrichtungen mit echtem Fachwissen. Außerdem hat, soweit ich mich erinnere, der Maslikhat [Stadtrat] von Astana die Vorschriften zur Schaffung, Pflege und zum Schutz von Grünflächen in der Stadt gebilligt.“ Musabekov betont: „Hierbei handelt es sich um eines der wichtigsten Instrumente, das bisher vernachlässigt worden ist.“

Auch andere, meist von Regierungsbehörden geförderte Organisationen können sich an Ausschreibungen im Bereich Landschaftsbau beteiligen. Musabekov erklärt, dass in diesem Fall etwas andere Regeln gelten. Vieles werde von Organisationen übernommen, die für die Interessen von Menschen mit Behinderungen eintreten. 

„Diese Organisationen bekommen in der Regel den Zuschlag. Früher ging es darum, Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. Heute übernehmen die Organisationen den Großteil der Landschaftsbauprojekte. Dabei sind 70 bis 80 Prozent dieser Menschen körperlich nicht in der Lage, die erforderlichen Arbeiten auszuführen. In Wirklichkeit steht also hinter jeder Organisation, die an einer Ausschreibung teilnimmt und den Zuschlag erhält, eine andere Firma, die die Arbeiten tatsächlich ausführt. Kein Wissen, keine Kompetenz! Aber die Bäume müssen so oder so gepflanzt werden. Letztendlich verdienen die Menschen mit Behinderungen selbst nicht daran. Ich habe Atameken [die Nationale Unternehmerkammer] mehrfach darauf aufmerksam gemacht. Damit Menschen mit Behinderungen von solchen Projekten profitieren können, braucht es neue Gesetze“, argumentiert Musabekov.

Widerstandsfähige Bäume für die Steppenbedingungen

Der Landschaftsbauer räumt ein, dass man den Zustand der kasachischen Grünflächen nicht allein auf Fehler bei der Bepflanzung oder Pflege zurückführen kann. Viele Pflanzenkrankheiten werden zusammen mit ausländischem Pflanzmaterial importiert.

„Wir haben zwar die Aufsichtsbehörde – die Pflanzenschutzbehörde –, die Quarantänebescheinigungen ausstellt. Ich bin mir nicht sicher, ob deren Inkompetenz das Problem ist oder ob ihnen einfach die Ausrüstung für ordnungsgemäße Pathogenitätstests fehlt. In Almaty sterben die Nadelbäume seit vorletztem Jahr. Davor waren es die Eichen und davor die Apfelbäume. Es ist eine Epidemie“, erklärt Musabekov. „In Astana ist die Situation ähnlich. Sie haben in beiden Städten wahrscheinlich schon Bäume ohne Blätter gesehen. Das bedeutet, dass diese Bäume entweder krank sind, unsachgemäß gepflanzt wurden oder aus einer anderen Klimazone stammen, beispielsweise aus der Stadt Schymkent, aus Usbekistan oder aus Kirgisistan.“

Die Ökologin Aizhan Skakova teilt Musabekovs Ansicht, dass man zunächst von den klimatischen und bodenkundlichen Bedingungen eines Gebiets ausgehen muss. Astana beispielsweise liegt in einer Trockenzone. Die Wasserressourcen sind dort begrenzt. 

„Die natürlichen und klimatischen Bedingungen in und im Umfeld der Hauptstadt sind ziemlich kompliziert. Das Stadtgebiet liegt in der trockenen Steppenzone, die im Sommer von trockenen Winden und im Winter von heftigen Schneestürmen geprägt ist. Für manche Baum- und Straucharten sind das ziemlich belastende Bedingungen“, erklärt die Umweltexpertin.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Pflege und den Erhalt von Grünflächen zusätzlich erschwert, ist der Herbst- und Frühjahrsfrost. Laut Skakova ist es unerlässlich, Arten auszuwählen, die an dem Standort gut gedeihen können.

Ein Faktor, der die Pflege und den Erhalt von Grünflächen erschwert, ist der Herbst- und Frühjahrsfrost. Laut Ökologin Skakova ist es unerlässlich, Arten auszuwählen, die an dem Standort gut gedeihen können.

„Es gibt etwa 15 Arten, die den örtlichen Bedingungen standhalten, darunter die widerstandsfähigsten Bäume und Sträucher überhaupt. Zu diesen 15 Arten zählen Kiefer, Birke, Apfelbaum, Pappel, Weide, Ölbaum, Ulme und Vogelkirsche“, fährt Skakova fort. „Wenn man durch die Region Akmola fährt, sieht man unweigerlich diese unscheinbaren Pflanzen, die lange Zeit als ‚zonentypisch‘ galten. Sie bedürfen keiner aufwändigen Pflege, sind weniger anfällig für Krankheiten und weisen eine gute Überlebensrate auf. Im Durchschnitt liegt die Rate bei 65 bis 70 Prozent, bei Pappel, Ahorn und Ulme sogar höher.“

Beim Landschaftsbau unter Steppenbedingungen ist es ausschlaggebend, die Bodentypen und deren Eigenschaften bereits vor Pflanzungsbeginn zu berücksichtigen. Wie geeignet ist der Boden für ein Aufforstungsvorhaben? Wie verhalten sich seine Eigenschaften zum Pflanzzweck (Landschaftsbau, Steigerung der Trockenresistenz oder Salztoleranz)? Wie ist der zu erwartende Pflegeaufwand? Laut Skakova fallen die Oberböden in der kasachischen Hauptstadt und ihrer Umgebung in folgende Kategorien: Schwarzboden, brauner Auenboden, sumpfiger Auenboden, Sumpfboden, schwarzer Alkaliboden, salziger Auenboden. Alle diese Böden gefrieren im Winter tief. 

„Je nach Bodenart gehören zu den wertvollen Baumarten, die in und um Astana gut wachsen können, Birke, Weide, Kiefer, Ahorn, Fichte, Linde und Pappel“, sagt Skakova. „Von den Straucharten gedeiht der Weißdorn hier hervorragend. Im grünen Gürtel der Hauptstadt finden sich außerdem Eschenahorn, Hybridpappel, Baumweide, Vogelkirsche, Kirschapfel, Felsenbirne, Robinie, Goldjohannisbeere und der amerikanische Ölbaum.“ 

Die spezifischen Verfahren zur Bestimmung der Bodenbeschaffenheit, des am besten geeigneten Pflanzmaterials und des Grundwasserspiegels, die unter widrigen klimatischen Bedingungen zum Einsatz kommen, tragen ebenfalls dazu bei, die Überlebensfähigkeit der Pflanzen zu verbessern.

Innovative Wassernutzung

Auch der Wassermangel, der nicht allein auf den Wasserbedarf der Pflanzen zurückgeht, beschäftigt die Begrünungsexperten. 

„Gibt es genug Wasser und in welcher Qualität? Beides ist gleichermaßen wichtig. Dieses Problem wird immer dringlicher“, warnt Musabekov. „Tatsache ist, dass wir uns stärker mit der Qualität des Wassers befassen sollten, das wir für die Begrünung verwenden.“

Er erinnert daran, dass die Grünflächen der Hauptstadt noch vor zehn Jahren 90 Prozent ihres Wassers aus dem Ischim-Fluss bezogen.

„Dieses Wasser ist in Ordnung und gut geeignet. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als der heutige Nurzhol-Boulevard, damals als der Wassergrüne Boulevard bekannt, mit Trinkwasser aus dem Ischim versorgt wurde. Der Boulevard ist inzwischen saniert worden, aber es gibt noch andere Wasserquellen“, bemerkt der Landschaftsgärtner.

Astana und die angrenzenden Gebiete seien durch oberflächennahes Grundwasser geprägt, was zu Staunässe führe, erklärt Marat Koshumbayev, Doktor an der Kasachischen Agrartechnischen Säken-Seifullin-Universität und Mitglied der Internationalen Akademie für Informationsmanagement (IAIM).

„Entwässerungsprojekte können hilfreich sein“, sagt Koshumbayev. „Wie Sie vielleicht wissen, ist der Taldykol-See durch Wasserfiltration entstanden. Das verweist auf einen natürlichen Weg, um das Grundwasser tiefer in den Boden zu drängen. Denn im Winter gefriert das Grundwasser und zerschneidet Baumwurzeln. Mit anderen Worten: Ein hoher Grundwasserspiegel wirkt sich nachteilig auf städtische Grünanlagen aus. Für den Landschaftsbau wäre es förderlich, für tieferes Grundwasser zu sorgen und die Bodenqualität zu verbessern.“

Nachdem er auf die Bedeutung der Grundwassertiefe aufmerksam gemacht hat, kommt Koshumbayev auf die Frage zu sprechen, welches Wasser für den Landschaftsbau verwendet werden sollte. Seine Antwort ist eindeutig: ausschließlich Brauchwasser. 

„Dafür sollten wir mehrere Schwerkraftkanäle durch die Stadt bauen, die dem natürlichen Gefälle folgen. So ließe sich Brauchwasser sammeln und nutzen“, schlägt er vor. „Mit Windenergie ließe sich die Wasserzirkulation aufrechterhalten. Diese Kanäle könnten auch für den Gütertransport genutzt werden und damit den Verkehr entlasten. Die Trennung von Brauch- und Trinkwasser würde die Qualität des Wassers, das an Unternehmen und die Öffentlichkeit geliefert wird, definitiv verbessern.“

Koshumbayev sieht auch eine weitere Option: die Nutzung von gereinigtem Grundwasser. Das würde in Astana jedoch den Bau mehrerer Grundwasserbrunnen erfordern, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssten, die künstlichen Kanäle könnten als Wasserspeicher dienen.

Die Qualität des aus Kläranlagen stammenden Wassers wird mitunter moniert. Koshumbayev sieht die Ursachen des Problems in unzureichender Finanzierung, mangelnder Kompetenz und dem Fehlen einheimischer, an die örtlichen Gegebenheiten angepasster Technologien.

„Eine effiziente Wasserregulierung und -bewirtschaftung setzt klare, für alle verständliche Rechtsvorgaben voraus, außerdem eine moderne Wasserinfrastruktur, einschließlich wassertechnischer Anlagen für verschiedene Zwecke“, sagt Koshumbayev.

Astanas Grüngürtel – ein Erfolg

Das Projekt zur Schaffung eines Grüngürtels um Astana wurde 1996 vom damaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew initiiert: Durch Anpflanzungen rund um die Stadt sollte die Temperatur in der Gegend reguliert werden.

Das Projekt begann 1997 und bestand aus zwei Phasen.

In der ersten Phase, von 1998 bis 2004, lag der Schwerpunkt auf der Gestaltung des Grüngürtels. Bis 2004 wurden über 9,6 Millionen Bäume und etwa 1,8 Millionen Sträucher gepflanzt. Bei den Bäumen handelte es sich hauptsächlich um Laubbäume (98,2 Prozent), es wurden aber auch einige Nadelbäume gepflanzt (1,8 Prozent).

In der zweiten, 2009 begonnenen Phase besteht das Hauptziel darin, vorhandene Forstschutzstreifen in einen genuinen Wald umzuwandeln. Um dies zu erreichen, hat das Akimat von Astana sechs Projekte zur Aufwertung der bestehenden Pflanzungen und zur Anpflanzung neuer Baumarten initiiert. In den 13 Jahren seit 2012 hat die Astana Ormany LLP auf einer Fläche von 4.265,63 Hektar über 4,9 Millionen Baumsetzlinge gepflanzt. Davon sind 27,5 Prozent Nadelbäume und 72,5 Prozent Laubbäume.

Den Grüngürtel von Astana bilden derzeit 34 Baum- und Straucharten. Es handelt sich vor allem um Laubbäume (Birke, Ulme, Ahorn, Pappel, Esche und Eiche), Nadelbäume (Kiefer und Fichte) sowie Sträucher (vor allem Johannisbeere, Akazie und Geißblatt).

„Wenn ich mich nicht täusche, beträgt die derzeitige Gesamtfläche des Grüngürtels etwa 78.000 Hektar, was in etwa der Fläche von drei staatlichen Agrarbetrieben entspricht. Das Projekt hat zweifellos einen enormen Einfluss auf die Stadt gehabt. Ich erinnere mich noch an die Staubstürme meiner Kindheit“, so Musabekov. „Heute gibt es solche Stürme nicht mehr! Die Pflanzungen rund um die Hauptstadt haben auch die Windgeschwindigkeit der Schneestürme verringert. Und der Grüngürtel ist zu einem vollwertigen Ökosystem geworden. Die Menschen gehen dorthin, um die Natur zu genießen. Der Grüngürtel hat verschiedenste Tiere angezogen. Es ist zu einer echten Symbiose von Flora und Fauna gekommen. Man kann die Vorteile dieses Projekts eigentlich nicht überbewerten“, sagt er.

Derzeit beträgt die innerstädtische Fläche des Grüngürtels 14.827 Hektar, davon entfallen 11.502,2 Hektar auf Waldpflanzungen. Seit 2010 blieb die Fläche des Grüngürtels unverändert.

Die Stadtverwaltung von Astana erklärt, sie habe eine Machbarkeitsstudie zur kontinuierlichen Stadtbegrünung (Grünkeile) in Auftrag gegeben. Darin seien alle notwendigen Schritte hin zu weiteren Waldpflanzungen aufgeführt. Der endgültige Termin für den Abschluss des Projekts werde im Rahmen eines detaillierten Aktionsplans festgelegt. Man rechne mit einem Abschluss der Pflanzungsarbeiten bis 2030.

Hindernis Flächenmangel

Das Projekt des Grüngürtels hat auch mit Hindernissen zu kämpfen. Hauptproblem ist der Mangel an geeigneten Aufforstungsflächen.

Wie die Abteilung für Umweltschutz und Naturmanagement der Hauptstadt berichtet: „Bei 24,55 Prozent der insgesamt 14.827 Hektar Fläche handelt es sich um ungeeignete Böden. Deren Eigenschaften stehen einem erfolgreichen Waldanbau entgegen. Beispielsweise enthalten sie leicht lösliche Oberflächensalze in schädlichen und toxischen Mengen. Die Mehrheit der auf solchen Böden gepflanzten Setzlinge geht entweder nach wenigen Jahren ein oder kann keine Wurzeln schlagen. Die Erfahrungen anderer Länder mit unproduktiven Böden zeigen, dass die Anlage neuer Wälder auf solchen Böden erst nach Durchführung grundlegender Meliorationsmaßnahmen möglich ist, die die Bodenfruchtbarkeit und seinen Zustand verbessern. Konkret geht es dabei um die Rekultivierung der erforderlichen schwarzen Alkaliböden.“

Die Umweltbehörde ermittelt derzeit in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Bodenkunde und Agrochemie sowie dem Forschungsinstitut für Forstwirtschaft und Agroforstwirtschaft die Kosten für die Entwicklung wirksamer, auf drei Jahre terminierter Verfahren zur Rekultivierung schwarzer Alkaliböden im Grüngürtel. Das Akimat rechnet damit, bald über eine hochmoderne Bodensanierungstechnologie zu verfügen, die auf die lokalen, für die Bewirtschaftung ungeeigneten salzhaltigen Böden zugeschnitten ist und zur Vorbereitung neuer Pflanzungen genutzt werden kann. 

Unterdessen hat die nationale hydrometeorologische Behörde Kazhydromet die durchschnittliche jährliche Windgeschwindigkeit in der Hauptstadt gemessen und ermittelt, dass diese von 3,6 auf 2,8 Meter pro Sekunde zurückgegangen ist.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der windstillen Tage in der Hauptstadt von 18 auf 25 pro Jahr erhöht, was dem Grüngürtel sowie beträchtlichen Stadtentwicklungsmaßnahmen zugeschrieben wird. Kazhydromet weist jedoch auch darauf hin, dass die Pflanzungen rund um die Hauptstadt noch nicht lang genug existieren, um deren Einfluss auf das lokale Klima endgültig zu bestimmen.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der windstillen Tage in der Hauptstadt von 18 auf 25 pro Jahr erhöht, was dem Grüngürtel sowie beträchtlichen Stadtentwicklungsmaßnahmen zugeschrieben wird. 

„Jedenfalls liegt es auf der Hand, dass Waldflächen die Rauheit der Oberböden erhöhen, was zur Verlangsamung des Bodenwinds sowie zur Schneerückhaltung beiträgt. Perspektivisch könnte dies die Häufigkeit und Stärke von Winterstürmen verringern. Zudem fördern die Anpflanzungen die Bodenstabilisierung, was voraussichtlich zu einer Milderung der sommerlichen Staubstürme führen wird.“

Unterdessen ist die Luftverschmutzung in Astana in den letzten 20 Jahren von einem niedrigen auf ein hohes Niveau gestiegen: Während die Stadt im Jahr 2023 auf dem Luftverschmutzungsindex den Wert „hoch“ erreichte, stieg dieser im ersten Quartal 2024 auf „sehr hoch“. In diesem Quartal lag die Luftverschmutzung in der Stadtatmosphäre zwischen dem 1,4- und 5,7-fachen der zulässigen Höchstkonzentration. Dies wurde auf Emissionen von Wärmekraftwerken und privaten Haushalten, die wachsende Zahl von Fahrzeugen sowie die städtische Bautätigkeit zurückgeführt.

Ein Garten in der Steppe

„Ich habe einige Pflanzen, über die unsere Gärtner kaum etwas wissen“, sagt Togzhan Ghani, eine Einwohnerin von Astana, als sie uns in ihren Garten einlädt. „Ich liebe Ziergräser, zum Beispiel dieses hier. Man nennt es Süßgras. Dieser Strauch ist noch recht jung, aber er kann bis zu zwei Meter hoch werden“, fährt die Gärtnerin begeistert fort. „Und hier ist noch ein Ziergras… durchsichtig und einfach wunderschön. Es heißt Molinia oder Pfeifengras. Leider pflanzen unsere Gärtner nur selten diese Gräser. Das hier sind Geranien, und das dort drüben, das wie Kamille aussieht, ist Echinacea oder Sonnenhut. Es sieht hübsch aus und verfügt zudem über Heilkräfte."

In Togzhan Ghanis Garten meint man, gleichzeitig auf der Prärie und den weiten Steppen Kasachstans zu sein. 

Ghani erläutert die Überlegungen, die ihrem Garten zugrundeliegen. Erstens handelt es sich um einen Naturgarten.

„Das bedeutet, dass man hier keine der traditionellen Blumen findet, die unsere Großmütter früher gepflanzt haben, wie Iris, Lilien, Taglilien, Pfingstrosen oder Rosen. Ich habe zwar einige, aber nicht viele“, sagt sie.

In ihrem Garten meint man, gleichzeitig auf der Prärie und den weiten Steppen Kasachstans zu sein. 

Zweitens bepflanzt sie ihren Garten ausschließlich mit den „trendigsten“ Pflanzen aus aller Welt.

„Ich kaufe meist solche, die aus Prärien, Steppen und Wiesen stammen, vor allem Zierpflanzen. Wir haben einige dieser Pflanzen in unseren Steppen, aber dort bleiben sie klein, weil sich niemand um sie kümmert. Zum Beispiel das Fieberkraut, auch bekannt als Schlangenwurz. In freier Natur ist es eine winzige Pflanze, aber im Garten wird sie größer. Die Blutweiderich ist eine weitere Steppenpflanze mit Heilkräften. Diese kleinen Kugeln hier sind ihre Blüten“, fährt Ghani fort.

Was meint sie mit „trendig“? Ghani erklärt, es gehe nicht um Trends im Sinne kurzlebiger Vorlieben, sondern um Notwendigkeiten. Mit anderen Worten: Die verwendeten Pflanzen benötigen nur wenig Dünger, Wasser und Schädlingsbekämpfung. Sie müssen im Winter nicht abgedeckt werden und sind meist anspruchslos.

„Das ist das wichtigste Prinzip bei der Gestaltung von Grünanlagen: Umweltfreundlichkeit. Mein Garten ist umweltfreundlich, und ich verwende keinerlei Chemikalien. Ich glaube, dass mein Garten in gewisser Weise dazu beiträgt, die Umwelt in Astana zu verbessern“, sagt die Gärtnerin lächelnd.

Als professionelle Journalistin verbringt sie ihre Freizeit mit der Gartenarbeit. Ghani geht diesem Hobby seit etwa vier Jahren nach. Der älteste Baum in ihrem Garten ist ein fünfjähriger Holunder. Die übrigen sind zwei bis vier Jahre alt.

„Die ausgewachsenen Bäume wurden von meinem Schwiegervater gepflanzt. Ich habe nach meiner Heirat mit dem Gärtnern angefangen. Vorher wuchsen hier nur Bäume und ein paar Kartoffeln. Die ersten Pflanzen, die ich gesetzt habe, waren Ringelblumen. Ich war überrascht und begeistert, als ich sah, wie sich aus meinen kleinen Samen die ersten Blüten entwickelten. So begann meine Leidenschaft für die Gartenarbeit“, erinnert sich Ghani. 

Auf ihrem Weg zum „Naturgarten“ durchlief Ghani mehrere Phasen der sogenannten „Gärtnerkrankheit“.

„Am Anfang war es ‚Rosomanie‘. Ich hatte gut hundert Rosen aus Deutschland, Belgien und England. Sie sahen sehr edel aus, aber bei unserem Klima sind sie sehr pflegeintensiv. Dann kam die Phase, in der ich alle Pflanzen kaufte, die ich sah“, lacht sie.

Dennoch hat Ghani einige dieser exotischen Pflanzen behalten, beispielsweise den Lebensbaum.

„Das ist mein ‚Kleinod aus dem Süden‘. Ich nenne es so, weil es in unserem Klima äußerst selten vorkommt. Der Trompetenbaum ist mein zweites Kleinod. Er ist jetzt im zweiten Jahr. Ich hoffe, dass das Mikroklima des Gartens diesen Schönheiten aus dem Süden hilft, zu überleben.“

Laut Ghani ziehen die Pflanzen in ihrem Garten viele Schmetterlinge, Bienen und Vögel an. Ein Grund dafür ist ihr Verzicht auf chemische Hilfsmittel.

„Es stellt sich also heraus, dass der Garten in der Lage ist, sich selbst zu erhalten. Wie Sie vielleicht wissen, ist die Bienenpopulation in letzter Zeit geschrumpft. Wenn sie vollständig verschwindet, werden wir einen Großteil unserer Ernten und Blumen verlieren“, sagt Ghani.

Die Gärtnerin setzt derzeit auf Pflanzen, die für das Klima Astana geeignet sind. Dabei handelt es sich um besonders trockenheitsresistente Pflanzen, die strenge Winter und heiße, trockene Sommer mit sengender Sonne aushalten.

„Ich bin mit Landschaftsarchitekten aus Moskau und St. Petersburg befreundet. Dort regnet es ständig, und alles wächst wunderbar. Im Gegensatz dazu muss ich meinen Garten händisch mit einem Schlauch bewässern, da ich kein automatisches Bewässerungssystem habe. Die sind ziemlich teuer. Die Installation eines Systems für ein kleines Grundstück kostet mehrere Millionen Tenge“, erklärt sie.

Der Garten verschlingt fast das gesamte Gehalt von Ghani, auch weil es in Astana keine Gärtnereien gibt.

„Die Händler importieren Pflanzen aus Russland und Europa und verkaufen sie uns zum dreifachen Preis. Gartenarbeit ist teuer. Ein gutes Landschaftsbauprojekt kann genauso viel kosten wie ein Hausbau“, sagt Ghani.

Um die Kunst der Gartenarbeit zu meistern, hat Ghani Kurse führender Landschaftsbauer*innen aus Russland, der Ukraine und Belarus besucht. So hat sie ihre Kenntnisse der Dendrologie, Botanik, Biologie und sogar des Ingenieurwesens erweitert.

„Es liegt mir am Herzen. Es fühlt sich überhaupt nicht wie eine Last an, weil ich meinen Garten so sehr liebe. Es ist ganz einfach. Hier finde ich meinen Frieden. Es fühlt sich an, als wäre ich irgendwo auf dem Land und nicht von Autos und Gebäuden umgeben. Das ist mein Rückzugsort, ein Ort, an dem ich mein wahres Ich vernehmen kann. Vor allem spüre ich, dass die Pflanzen lebendig sind, ich spüre ihre Energie“, erklärt sie.

Laut Ghani nehmen die Menschen in der Gegend alle Pflanzen als homogene grüne Masse wahr. Dieses Phänomen wird als „Pflanzenblindheit“ bezeichnet. Glaubt man der Gärtnerin, haben in Kasachstan nur die Wenigsten von diesem Begriff gehört, im Ausland hingegen sei das Phänomen bereits umfassend erforscht.

„Die Menschen interessieren sich mehr für Tiere als für Pflanzen. Ein buntes Blumenbeet mag ihre Aufmerksamkeit fesseln. Ansonsten denkt niemand darüber nach, was um sie herum wächst. Es ist fast so, als würde man Pflanzen vernachlässigen und verachten. Die Menschen nehmen die Vorteile, die sie von Pflanzen haben, als selbstverständlich hin und kümmern sich nicht wirklich darum, welche Rolle Pflanzen in ihrem Leben spielen. Grob gesagt scheint es, als würde man hier nur zwei Pflanzenarten kennen: Tannen und Birken“, sagt sie bedauernd. 

Ihrer Meinung nach sollten die Menschen bereits von klein auf lernen, mit Pflanzen zu leben, sie sollten Familienausflüge in botanische Gärten unternehmen und sich früh mit der Pflanzenwelt beschäftigen.

„Das würde in unserer Kultur viel verändern. Bislang ist das leider nicht Teil unserer Mentalität. Selbst hier, umgeben von Einfamilienhäusern, haben nur sehr wenige meiner Nachbar*innen Gärten, obwohl ihre Grundstücke recht groß sind. Wenn ich ihre Hinterhöfe sehe, kommen mir die Tränen – Haufen von Bauschutt, Geröll, Kohle und vor allem: keinerlei Sinn für Ästhetik. Fragt man sie, wie sie unter der sengenden Sonne aushalten, sagen sie, sie hätten ein Vordach. Ein Vordach, das das gesamte Gelände rund um das Haus bedeckt. Asphalt auf dem Boden, von Zaun zu Zaun. Gemüsegärten und höchstens ein paar Apfelbäume, das war’s. Niemand will Blumen oder Sträucher. Natürlich hat diese Einstellung viel damit zu tun, dass man sich auf das Nötigste konzentriert. Sobald die Menschen in Kasachstan ihre Grundbedürfnisse befriedigen können, kommt vielleicht auch das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Schönheit“, mutmaßt Ghani.

Astana, die Gartenstadt: Realität oder Utopie?

Landschaftsbauer Bolat Musabekov bejaht die Frage, ob Astana eine Gartenstadt werden könne.

„Was ist eine Gartenstadt? Almaty ist eine Gartenstadt, Schymkent ebenfalls. Das Ausmaß der Begrünungsmaßnahmen in Astana ist gigantisch. Ich bin 2004 in den Landschaftsbau eingestiegen und habe seitdem große Veränderungen erlebt. Früher schickte die Geschäftsführung von Zelenstroy ihre Landschaftsbauer*innen zu großen Messen, um sich mit den neuesten Trends vertraut zu machen. Was einst als Unkraut galt, ist heute Zierpflanze. Als Gartenschmuck in Mode kam, konnte eine einfache Studienreise in die USA das gesamte Stadtentwicklungskonzept verändern“, erinnert er sich.

Musabekov erklärt, er habe eher zufällig in die Branche gefunden. Von Haus aus Maschinenbauingenieur, gehörte er dennoch zu den Ersten, die an der Gestaltung eines neuen Gartenplatzes in Astana mitwirkten.

„Es war ein kleiner Park an der Abylai-Khan-Allee. Ich war etwa drei Monate nach Abschluss des Projekts dort und sah Frauen mit Kinderwägen, Großmütter und Kinder spazieren gingen. Das motivierte mich zusätzlich. Mir wurde bewusst, dass dies eine Tätigkeit, die mich innerlich befriedigt“, so der Landschaftsbauer.

Musabekov hat die Gestaltung zahlreicher Stadtparks in ganz Kasachstan und auch in der Hauptstadt Astana betreut.

„Mein aktueller Favorit ist der Arai-Park. Das großartige Konzept, die kleinen architektonischen Formen, die Bäume, Rasenflächen und Sträucher schaffen eine wahrhaft märchenhafte Atmosphäre. Die Planer haben dort gute Arbeit geleistet.“

Nicht vergessen werden sollte, dass Bäume Städte vor Hitze schützen. Kirill Pavlov, Agraranalyst und Experte für Klimawandel, verdeutlicht anhand von Wärmekarten die Bedeutung der Stadtbegrünung.

Die Wärmekarte jeder Großstadt zeigt deutlich, dass die Temperatur innerhalb der Stadtgrenzen und in der Umgebung um mehrere Grad variieren kann, wobei ein direkter Zusammenhang zwischen der Menge an Grünflächen und der Lufttemperatur besteht: Je mehr Grünflächen, umso niedriger die Temperatur. Das liegt daran, dass sich Asphalt, Beton und Dächer in der Sonne stärker aufheizen als Bäume. Dieses Phänomen wird als „städtischer Wärmeinseleffekt“ bezeichnet.

Dieser Bericht erschien 2024 im unabhängigen Medienunternehmen Vlast.

Übersetzung ins Englische von Sergey Medvetsky. Übersetzung ins Deutsche von Max Henninger und Andreas G. Förster für Gegensatz Translation Collective.

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