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Die 2017 von Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten eingereichte WM-Bewerbung wirkt heute wie ein Dokument aus einer anderen Zeit, wenn nicht gar aus einer anderen Welt. So viel hat sich verändert, seit die Verantwortlichen der Bewerbung „United 2026“ der FIFA gelobten, mit ihrer Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft „die Kraft der Einheit, das Versprechen von Sicherheit und das Potenzial zu außergewöhnlichen Chancen“ zu bieten und „die Kraft des Fußballs zu nutzen, um durch ein gemeinsames Engagement für die Menschenrechte die Welt nachhaltig zu verändern“.
Jules Boykoff ist Autor von Red Card:The 2026 World Cup, Sportswashing, and the FIFA Greed Machine (2026) und Kicking (2026), einer Autobiografie über sein Leben als Profifußballer und seine heutige Tätigkeit als kritischer Sportwissenschaftler. Boykoff lehrt Politikwissenschaft an der Pacific University in Oregon.
Dave Zirin ist Sportredakteur der Wochenzeitung The Nation. Er hat mehrere Bücher über Sportpolitik verfasst, darunter zuletzt The Kaepernick Effect (2021). Er ist Co-Produzent, Autor und Sprecher des Dokumentarfilms Behind the Shield: The Power and Politics of the NFL (2022). Außerdem hostet er den Podcast Edge of Sports von The Nation und ist Co-Moderator von The Collison im Hörfunksender WPFW.
Dieser Beitrag ist Teil des Dossiers „Wem gehört der Fußball?“.
Seit jenen berauschenden Tagen des von PR-Maßnahmen durchtränkten Optimismus haben die FIFA und US-Präsident Donald Trump Hand in Hand daran gearbeitet, der Weltmeisterschaft jede Freude zu nehmen. Gemeinsam haben sie die WM 2026 in eine gnadenlose Geldmaschine verwandelt, die darauf abzielt, den Gastgebergemeinden und Stadionzuschauer*innen den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen und Trumps diktatorischen Ambitionen eine Bühne zu bieten.
Das extrem ausbeuterische Geschäftsmodell der FIFA – die Öffentlichkeit zahlt mit Steuergeldern und private, der FIFA nahestehende Unternehmen profitieren – zeigt sich bei der Weltmeisterschaft 2026 ganz unverhohlen. Während die FIFA durch Ticketverkäufe, Übertragungsrechte und Unternehmenssponsoring Geld scheffelt, tragen die lokalen Verwaltungen einen Großteil der Sicherheitskosten und sind für die Bereitstellung medizinischen Personals an den Austragungsorten verantwortlich.
Wir haben die verheerenden Folgen dieses Vorgehens aus erster Hand miterlebt. Dave Zirin war als investigativer Journalist bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und im Vorfeld des Turniers 2014 in Brasilien. Jules Boykoff hielt sich im Herbst 2015 in Rio de Janeiro auf, um die Nachwirkungen dort zu verfolgen. Unsere Erfahrungen haben uns in der Überzeugung bestärkt, dass die FIFA, der Weltfußballverband, nicht nur eine korrupte, skrupellose Organisation ist, sondern zudem diktatorische Tendenzen unterstützt und demokratische Prozesse behindert. Der derzeitige FIFA-Präsident, Gianni Infantino, hat den inneren Zerfall durch extreme Gier noch verschärft und verwandelte die FIFA dadurch in eine marode Hülle, die von ethisch fragwürdigen, autoritär eingestellten Wichteln geführt wird. Dabei hat er die FIFA um einiges undemokratischer gemacht.
Nicht willkommen
Die Trump-Regierung hat laut dem amtierenden Leiter der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) längst deutlich gemacht, dass diese eine „Schlüsselrolle“ bei der Sicherheit der Weltmeisterschaft spielen wird. Kürzlich bestätigte Markwayne Mullin, der Heimatschutzminister, dass ICE in den WM-Stadien im Einsatz sein werde, und wollte auch Festnahmen von Immigrant*innen nicht ausschließen. Mit anderen Worten: Sicherheitsbeamte in schusssicheren Westen, die wie Verbrecher maskiert sind, könnten bei der diesjährigen Weltmeisterschaft ein alltäglicher Anblick sein. Nicht gerade ein Willkommensgruß an die Welt.
Zuvor hatte Vizepräsident JD Vance peinliche Witze darüber gemacht, dass ICE zur Fußball-WM anreisende Tourist*innen festnehmen könne. Bei einer Pressekonferenz im Mai 2025 sagte er: „Ich weiß, dass wir wahrscheinlich Besucher aus fast 100 Ländern haben werden. Wir möchten, dass sie kommen. Wir möchten, dass sie feiern. Wir möchten, dass sie sich die Spiele ansehen. Aber wenn die Zeit um ist, müssen sie nach Hause gehen. Andernfalls kriegen sie es mit [der damaligen Ministerin für innere Sicherheit] Kristi Noem zu tun.“ Vances Worte, die eher wie eine unterschwellige Drohung und nicht wie eine witzige Bemerkung wirkten, sollten WM-Besucher*innen Anlass zur Sorge geben.
Unterdessen hat die Trump-Regierung dem Iran, einem der teilnehmenden Länder dieser Weltmeisterschaft, mit Kriegsverbrechen gedroht, Drohnenangriffe auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote in der Karibik angeordnet, den Internationalen Strafgerichtshof mit Sanktionen belegt, sich bei brutalen Diktatoren eingeschmeichelt und den israelischen Völkermord im Gazastreifen bewaffnet. Diese internationalen Aggressionen – allesamt angeführt von Donald Trump, dem „Gewinner“ des gänzlich irreführenden „FIFA-Friedenspreises“ – sind in Verbindung mit der Terrorkampagne von ICE im Inland, bei der maskierte ICE-Beamte marodierend durch eine Stadt nach der anderen ziehen, ein Beleg für das, was Nikhil Pal Singh im Equator als „Homeland Empire“ bezeichnet: den Prozess, mit dem das Trump-Regime „auswärtige und innerstaatliche“ Formen von Krieg und Unterdrückung gleichermaßen unter Straffreiheit stellt. Dieser Freibrief ist weit entfernt vom idealen Umfeld für die Ausrichtung eines Sportereignisses, das die Welt eigentlich zusammenbringen soll.
Gnadenlos überteuert
Gleichzeitig läuft die Profitmaschine der FIFA auf Hochtouren. Der Verband hat in den USA ein „dynamisches Preissystem“ eingeführt. Das klingt zunächst harmlos, bedeutet aber schlicht, dass den Ticketkäufer*innen mithilfe von Algorithmen auch noch der letzte Cent aus der Tasche gezogen wird. Eine Eintrittskarte für das WM-Finale war auf dem Sekundärmarkt für satte 11,5 Millionen US-Dollar zu finden. Da die FIFA hier sowohl von Verkäufer*innen als auch von Käufer*innen 15 Prozent einzieht, kann sie allein für diese Eintrittskarte 3,45 Millionen US-Dollar einstreichen. Die Preise für WM-Tickets scheinen derzeit zumindest für einige Spiele zu sinken. Für die arbeitende Bevölkerung in den Austragungsstädten bleiben sie jedoch weiterhin unerschwinglich.
Der New Yorker Bürgermeister, Zohran Mamdani, ergriff eine Gelegenheit, gegen die Profitsucht vorzugehen. Durch öffentlichen Druck gelang es ihm, der FIFA 1.000 Karten zum Preis von 50 US-Dollar abzuknöpfen, die er über ein Losverfahren an New Yorker Bürger*innen verteilen wird. Andere Austragungsorte haben die Ticketpreise der FIFA jedoch bislang nicht ins Visier genommen, und astronomische Ticketpreise sind die Regel. Die teuerste Karte für das WM-Finale auf der offiziellen Plattform der FIFA kostet 10.990 US-Dollar, gegenüber 1.600 USD für das Finale in Katar 2022 vor nur vier Jahren. Das günstigste Ticket für das Finale kostet 5.785 USD. Für Normalverdiener*innen ist das unbezahlbar.
Im Vergleich dazu stellen Sean Jacobs und Anna Olimpia de Moura Leite in 11 Named People fest: „Bei vergangenen Weltmeisterschaften bemühte sich die FIFA, die Eintrittskarten für lokale Fans erschwinglich zu halten, beispielsweise durch die Einführung spezieller, kostengünstiger Tickets (‚Kategorie 4‘), die ausschließlich für Einwohner*innen des Gastgeberlandes reserviert waren. Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika entfielen etwa 15 Prozent der Tickets auf diese Kategorie, mit Preisen ab etwa 20 US-Dollar. In Brasilien wurden 2014 400.000 Tickets reserviert, deren Preise bei 30 USD begannen, wobei es zusätzliche Rabatte (weitere 50 Prozent!) für Studierende, Senior*innen und Sozialhilfeempfänger*innen gab. In Katar verzichtete die FIFA zwar auf gestaffelte Ticketpreise, wandte jedoch eine Preisgestaltung für Einwohner*innen und gestaffelte Verkaufsphasen an, um den Kartenverkauf zu steuern.“
Auf die Frage nach den horrend hohen Ticketpreisen erklärte FIFA-Präsident Infantino bei der glamourösen Weltkonferenz des Milken Institute in Beverly Hills: „Wir müssen uns nach dem Markt richten – wir befinden uns auf dem am weitesten entwickelten Unterhaltungsmarkt der Welt. Da müssen wir marktübliche Preise ansetzen.“ Dann setzte er noch eins drauf und verstieg sich zu der Behauptung: „In den USA kann man sich kein College-Spiel für weniger als 300 US-Dollar ansehen – ganz zu schweigen von einem Profispiel einer bestimmten Liga. Und hier geht es um die Weltmeisterschaft.“
Schluss mit lustig
Die Frage der Ticketpreise ist nur ein besonders eindringliches Beispiel dafür, was die FIFA den Austragungsstädten beschert. Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft führt in der Regel zu Verschuldung, Vertreibung und zur Militarisierung des öffentlichen Raums. Die Unterschiede – ob es nun um Durban, Rio oder Doha ging – lagen lediglich in den Formulierungen, mit denen die Korruptionsskandale beschönigt und erklärt wurden.
Und doch gab es trotz alledem auch eine vierte Komponente: Freude. Deshalb nehmen die Menschen die Unannehmlichkeiten, Korruption und Repressionen in Kauf: aus Liebe zum Spektakel und zur Schönheit des Spiels. Tatsächlich waren die Menschen in diesen Ländern großzügige und begeisterte Gastgeber*innen. In Bars wurde gefeiert. Aus den Feiern wurden rauschende Feste, und aus den rauschenden Festen Public-Viewing-Partys, bei denen die Menschen ausgelassen feierten und zu gespannter Aufmerksamkeit wechselten, sobald das Spiel begann.
Ein weiterer Unterschied zwischen dieser Weltmeisterschaft und denen vergangener Jahre ist die Abwesenheit jeglicher Vorfreude, obwohl der Anpfiff kurz bevorsteht. Eine feierliche Stimmung, wie sie gewöhnlicherweise den Auftakt zu den Festlichkeiten begleitet, ist nicht zu spüren.
In vielen Austragungsstädten gibt es kaum öffentliche Hinweise, die auf das Turnier aufmerksam machen, geschweige denn Begeisterung wecken würden. In den USA werden wir zweifellos ein finanzielles Chaos erleben, dessen Folgen die Austragungsstädte zu tragen haben. Es wird Angst vor Vertreibung herrschen (wovon Obdachlose früherer Austragungsstädte berichten können), und ein hypermilitarisiertes Polizeivorgehen ist zu erwarten.
Selbst die Hotelbetreiber*innen sind eher pessimistisch, ungeachtet des Mantras der FIFA, wonach die Weltmeisterschaft 2026 wirtschaftliche Impulse in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar auslösen werde. Laut der American Hotel & Lodging Association (AHLA), dem größten Verband der Hotelbranche in den USA, gaben 80 Prozent der befragten Mitglieder in den WM-Austragungsstädten an, dass ihre Buchungszahlen hinter den anfänglich optimistischen Prognosen zurückblieben. Zu den am stärksten betroffenen Städten gehören Kansas City, Los Angeles, Houston, Dallas und New York. Die Erhebung der AHLA ergab zudem, dass „65–70 Prozent der Befragten aus verschiedenen Zweigen der Branche angeben, dass Visabarrieren und allgemeine geopolitische Bedenken die internationale Nachfrage erheblich dämpften. Diese Faktoren werden durchweg als das größte Hindernis für WM-bedingte Reisen genannt.“ Die weltweite Freude wird durch einen finsteren rechten Nationalismus getrübt.
Doch auch die FIFA selbst spielte keine geringe Rolle in dem sich abzeichnenden wirtschaftlichen Debakel, da sie ihrerseits zahlreiche Buchungen stornierte. Die AHLA erklärte, dass „die Überbuchung durch die FIFA ein vorzeitiges künstliches Signal für eine hohe Nachfrage abgab, das sich inzwischen wieder normalisiert hat, wobei etwa die Hälfte der Befragten in den Austragungsorten von einer erheblichen Anzahl freigewordener Zimmer berichtet.“
Die geopolitische Lage der Welt und die Rolle der Vereinigten Staaten darin dürfen ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Für viele sind die USA ein Schurkenstaat, der alles daransetzt, Israels Krieg gegen das palästinensische und libanesische Volk sowie seinen eigenen imperialistischen Krieg gegen das iranische Volk voranzutreiben. Trumps ungeschickte Beiträge in den sozialen Medien verschlimmern die Lage nur noch weiter – so beispielsweise, als er die iranische Mannschaft bedrohte, die sich ihren Platz auf der großen Bühne hart erkämpft hatte. Er schrieb: „Die iranische Fußballnationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft willkommen, aber ich halte es wirklich nicht für angemessen, dass sie dort sind, im Hinblick auf ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Präsident DONALD J. TRUMP.“ Als ob wir noch weitere Beweise dafür bräuchten, dass der „FIFA-Friedenspreis“, den Infantino unserem senilen Präsidenten verliehen hat, sich von einer erbärmlichen Gefälligkeit in schreckliche Ironie verwandelt hat.
Sollte die iranische Mannschaft sich gezwungen sehen, dem Turnier fernzubleiben, wäre dies der erste Fall seit 75 Jahren, in dem eine Mannschaft freiwillig – oder unfreiwillig – ausscheidet. Würde das Weiße Haus unter Trump strategisch denken, würde es eine Teilnahme Irans befürworten. Schließlich haben Spieler der Mannschaft bei den jüngsten Länderspielen im Ausland darauf verzichtet, die Nationalhymne ihres Landes zu singen, und damit ihren Widerstand gegen die iranische Regierung zum Ausdruck gebracht. Zwei Spielerinnen der Frauenmannschaft beantragten kürzlich während der Asienmeisterschaft in Australien politisches Asyl. Solche Gesten wären bei der Weltmeisterschaft 2026 eine Propaganda-Goldgrube für Trump und Netanjahu. Stattdessen spottete Trump öffentlich über die mögliche Nichtteilnahme Irans. „Das ist mir wirklich egal“, sagte er gegenüber Politico, „ich denke, Iran ist ein Land, das eine schwere Niederlage erlitten hat. Sie sind am Ende ihrer Kräfte.“ Bei einem WM-Vorbereitungsspiel im März trugen die Spieler der iranischen Herrenmannschaft Rucksäcke, um an die US-amerikanisch-israelischen Angriffe zu erinnern, zu denen auch die Bombardierung der Shajareh-Tayyebeh-Schule gehörte, bei der laut Angaben der iranischen Regierung 175 Menschen getötet wurden, darunter Schulkinder und Lehrer*innen.
Doch es ist nicht nur der Krieg gegen Iran, der einen Schatten auf die diesjährige Weltmeisterschaft wirft. Normalerweise veranstalten die Austragungsorte „Fanfeste“. So können tausende Fans, die sich keine Eintrittskarten leisten können, die Spiele gemeinsam auf großen Bildschirmen im Freien verfolgen und die ausgelassene Stimmung genießen. In diesem Jahr wurden alle US-Fanfeste, die in sechs Städten stattfinden sollten, eingeschränkt oder ganz abgesagt. Den Städten fehlen die für die Durchführung erforderlichen Bundesmittel, was die Republikaner auf Verzögerungen bei der (im Kongress umstrittenen) Freigabe von Geldern für das Heimatschutzministerium zurückführen. In New York/New Jersey brach man unterdessen mit der Tradition und verkaufte Karten für eine Veranstaltung, die eigentlich – wie immer – kostenlos sein sollte, nur um sie schließlich ganz abzusagen.
Wenn man an die „Fanfeste“ in Rio zurückdenkt, die genauso viel Spaß machten – manchmal sogar mehr – als die Spiele selbst, dann erscheint die ursprünglich geplante, aber schlussendlich abgesagte Veranstaltung in New York/New Jersey wie ein Sinnbild dafür, wie trostlos das Leben in den Vereinigten Staaten unter dem autoritären Einfluss des derzeitigen Regimes geworden ist und wie erbärmlich sich diese Weltmeisterschaft zu entwickeln scheint. Wer außer diesen Leuten hätte es je schaffen können, einer WM jeden Funken Freude zu nehmen?
Dennoch passt das zu einem Land, das von Chaos und Angst beherrscht wird. Selbst der Fußball ist nicht immun gegen Trumps umgekehrten Midas-Effekt. Und die FIFA erntet schließlich nur, was sie gesät hat.
Übersetzung von Camilla Elle und Sabine Voß für Gegensatz Translation Collective.


