Details

Während mehr als 80 Prozent der Anbauflächen im Gazastreifen beschädigt oder vollständig zerstört sind und die Region von einer Hungersnot heimgesucht wird, versucht ein Netzwerk aus Landwirt*innen und Saatgutbewahrer*innen zu erhalten, was von der palästinensischen Ernährungssouveränität geblieben ist. Nach jahrzehntelangen systematischen Versuchen, lokales Wissen auszulöschen, gewinnt dieses im Überlebenskampf angesichts des Völkermords wieder an Bedeutung: Welche Nahrungspflanzen widerstehen dem Eisregen im Februar? Wie lässt sich Mehl mit gesammelten Kräutern strecken? Und wie können einheimische Saatgutsorten ohne Kühlung aufbewahrt werden?
Für das im Gazastreifen dominante Agrarmodell spielte dieses Wissen bis Oktober 2023 kaum eine Rolle. Gaza verfügte über eine halbwegs funktionierende, wenn auch stark eingeschränkte, Lebensmittelwirtschaft, die aus lokalen Märkten, kommerziellem Anbau und sehr begrenzten Importwegen bestand. Wie auch anderswo fanden sich Ansätze zur Ernährungssouveränität vereinzelt bei kleinen Organisationen wie der „Gaza Urban and Peri-Urban Agriculture Platform“ (Palästinensische Plattform für urbane und peri-urbane Landwirtschaft, GUPAP) oder bei älteren Landwirt*innen, die Saatgut aufbewahrten, sowie in den Überlieferungen von Gemeinschaften, die bereits die Enteignungen von 1948 und 1967 überstanden hatten.
2007 verhängte Israel eine Land-, Luft- und Seeblockade, die den Verkehr von Personen, Gütern und landwirtschaftlichen Betriebsmitteln einschränkte. Diese Belagerung wurde zur Ausgangsbedingung für alles, was danach folgte. In den Jahren 2008–2009, 2012, 2014 und 2021 gab es schwere militärische Auseinandersetzungen, und 2023 begann der Völkermord. Jeder Krieg zerstörte Infrastruktur, und bis zum nächsten Angriff wurde sie nie vollständig wieder aufgebaut. 2022 erreichte die Armutsquote 65 Prozent und über die Hälfte der Bevölkerung war von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Seit Mitte 2025 haben UN-Gremien, internationale Rechtswissenschaftler*innen und Genozidforscher*innen festgestellt, dass die aktuellen Ereignisse die Voraussetzungen für die Einstufung als Völkermord erfüllen. Dazu zählt insbesondere die vorsätzliche Zerstörung der Lebensgrundlagen, die für das Überleben einer Gruppe notwendig sind. Im August 2025 stufte das Famine Review Committee die Lage im Gazastreifen als IPC-Phase 5 ein – die höchste Stufe einer Hungersnot. Die Zahl der Todesfälle infolge von Unterernährung steigt weiter an. Mit anderen Worten: Menschen verhungern.
Die Zerstörung der palästinensischen Landwirtschaft
Die Vernichtung der Landwirtschaft ist ein zentrales Element bei der Auslöschung der lokalen Bevölkerung im Gazastreifen. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO und UNOSAT wurden mit 12.537 von insgesamt 15.053 Hektar 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Gaza beschädigt oder zerstört. Eigene Erhebungen von GUPAP kamen Mitte 2025 sogar auf 86 Prozent. Demnach galten nur noch 1,5 Prozent der Anbauflächen als zugleich zugänglich und unbeschädigt.[i]
Die israelische Armee greift nicht nur Ackerland an. Auch landwirtschaftliche Hochschulen, Saatgutlager, Genbanken, Bewässerungsstrukturen, Gewächshausanlagen und Fischereifahrzeuge werden zerstört – all jene Strukturen, auf denen ein funktionierendes Ernährungssystem beruht. Die Al-Qarara Saatgutbank in Khan Younis, eines der bedeutendsten gemeinschaftlichen Saatgutdepots im Gazastreifen, wurde im Dezember 2023 zerstört. Damit gingen auch Sorten verloren, die bei keinem Lieferanten mehr nachbestellt werden können. Die Erhebung von GUPAP im August 2025 bestätigte, was viele Landwirt*innen bereits wussten: 88 Prozent der bäuerlichen Familienbetriebe sind nicht in der Lage, lokales Saatgut zu beschaffen. 55 Prozent der Befragten gaben an, dass die ursprünglichen Sorten vollständig verschwunden seien. Das Saatgut ist verloren. Das Wissen über seinen Anbau und seine Nutzung existiert jedoch weiter – bewahrt von den Landwirt*innen selbst. Ohne das Saatgut kann dieses Wissen jedoch nicht mehr angewendet werden.
Ernährungssouveränität im Angesicht des Völkermords
Als kommerzielle Märkte im Zuge des Völkermords zum Erliegen kamen und Grenzen geschlossen wurden, war das offizielle System der humanitären Hilfe lahmgelegt. Das humanitäre Hilfssystem wurde in der Folge zunehmend militarisiert, da Militär die Kontrolle über Grenzen und Verteilung übernahm und damit auch den Zugang zu Nahrungsmitteln bestimmte. Humanitäre Organisationen mussten ihre Hilfslieferungen in Abhängigkeit von militärischen Genehmigungsverfahren koordinieren, während Grenzübergänge wiederholt einschränkt oder geschlossen wurden, Treibstofflieferungen begrenzt waren, und die Hilfskonvois sich mit Verzögerungen, Zugangsverweigerungen und ständig wechselnden Routen konfrontiert sahen. Laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) erschwerten weitreichende Bewegungsbeschränkungen, Straßensperren und militärische Evakuierungsanordnungen die humanitären Einsätze in Gaza. Bis Juni 2025 waren rund 82 Prozent des Gazastreifens entweder als militarisierte Zone ausgewiesen oder von Evakuierungsanordnungen betroffen. Um zu überleben, griffen die Menschen auf das zurück, was die Befürworter*innen der industriellen Landwirtschaft jahrzehntelang abgelehnt hatten: wildwachsende Nahrungspflanzen, gemeinschaftliches Kochen und dezentrale Saatgutnetzwerke.
Wir sollten mit aller Klarheit benennen, was das bedeutet: Menschen sind in einer künstlich herbeigeführten Hungersnot gestorben. Praktiken der Ernährungssouveränität konnten dies nicht verhindern. Weder Netzwerke zum Sammeln von Wildpflanzen noch Zusammenschlüsse zur Saatgutbewahrung können die zerstörte Infrastruktur, die vernichteten bewässerten landwirtschaftlichen Flächen und die blockierten Versorgungswege ersetzen. Ernährungssouveränität ist unter den Bedingungen des Völkermords nur begrenzt umsetzbar.
Dabei geht es nicht um eine Wahl zwischen Ernährungssouveränität und humanitärer Hilfe. Gaza braucht beides, allerdings ohne Auflagen und ohne Koordination durch dasselbe Militär, das die Belagerung aufrechterhält. Nothilfe dient dazu, unmittelbare Notlagen zu bewältigen. Bei Ernährungssouveränität geht es hingegen um die Frage, ob nach dem Ende der unmittelbaren Notlage noch Land, Saatgut und Wissen vorhanden sind, die einen Wiederaufbau ermöglichen. Hilfe und Ernährungssouveränität als Gegenpole gegenüber zu stellen, ist bereits eine Positionierung, die der Logik der Belagerung folgt.
Die Kriminalisierung des Sammelns von Wildpflanzen in Palästina
Die Malve, auf Arabisch khobeiza, wurde zu der Pflanze, mit der das Überleben der Hungersnot assoziiert wird. Lange Zeit als Unkraut abgetan und in schweren Zeiten von Menschen gesammelt, die keine andere Wahl hatten, hielt sie Familien in den Vertriebenenlagern im gesamten südlichen Gazastreifen am Leben. Frauen sammelten sie dort, wo sie wild wuchsen, kneteten sie in Brot ein, das über dem offenen Feuer gebacken wurde, und gaben ihr Wissen an Kinder weiter, die mit Lebensmittelgeschäften aufgewachsen sind. Doch khobeiza war nicht die einzige Pflanze. Das palästinensische Wissen über das Sammeln von Wildpflanzen reicht über eine einzelne Pflanze hinaus: shomar (Fenchel), hindbeh (Löwenzahn), hummeid (Bitterampfer), loof (schwarze Calla), halayoon (wilder Spargel) zählen zu den mehr als 100 wildwachsenden essbaren Arten, die in den palästinensischen Gebieten traditionell genutzt werden. Und jede hat ihre eigene Saison, ihre spezifische Zubereitungsart, die man erst nach Jahren richtig erlernt und in wenigen Minuten wieder vergisst.
Dieses Wissen ist in mehrfacher Hinsicht politisch, da das Kolonialrecht jahrzehntelang darauf abzielte, es zu unterbinden. Im Jahr 1977 stufte Israel den wildwachsenden za’atar (Majorana syriaca) als geschützte Art ein und erklärte damit dessen Ernte, Besitz und Verkauf für illegal. Akkoub (Gundelia tournefortii), eine Frühlingsdistel, die tief in der palästinensischen Esskultur verwurzelt ist, wurde 2005 in die Liste der geschützten Arten aufgenommen. Obwohl diese Vorschriften offiziell als Umweltschutzmaßnahmen begründet wurden, richteten sie sich insbesondere in den von Israel kontrollierten Gebieten des besetzten Westjordanlands – vor allem in Gebiet C und in Naturschutzgebieten – in erster Linie gegen palästinensische Sammler*innen von Wildpflanzen und Händler*innen. Zwischen 2010 und 2016 verhängten die israelischen Behörden mehr als 750 Bußgelder wegen des Erntens oder Besitzes von za’atar und akkoub. Bei dieser Regelung ging es daher nie nur um den Erhalt der Artenvielfalt. Es ging auch darum, die Beziehungen der Palästinenser*innen zum Land, ihre saisonalen Praktiken und ihre Ernährungstraditionen zu regulieren. In der Hungersnot wurden viele jener Wildpflanzen, deren Sammeln jahrzehntelang unter Strafe stand, zu überlebenswichtigen Nahrungsquellen. Was zuvor als illegale Praxis galt, wurde zu einer Lebensnotwendigkeit.
Saatgutbewahrung im Gazastreifen
Massenvertreibungen bedeuten nicht nur, dass Menschen einen Ort verlassen müssen. Sie zerstören die Verbindung zwischen Wissen und dem Boden, der es hervorgebracht hat. Das Wissen von Landwirt*innen über ein bestimmtes Feld, etwa wann es überflutet wird, wo sich das Wasser nahe der Oberfläche sammelt und welcher Hang die Feuchtigkeit drei Tage länger hält als das benachbarte Feld, entsteht dadurch, dass sie Jahr für Jahr dasselbe Land bewirtschaften. Wenn Familien in einer einzigen Anbausaison fünf-, sechs- oder siebenmal vertrieben werden, geht dieses Wissen verloren. Manchmal überleben die Samen – doch das Wissen darüber, wo, wie und wann sie ausgesät werden, geht verloren. Und auch das von GUPAP mühsam erarbeitete Saatgut-Handbuch – eine Schritt-für-Schritt-Dokumentation von Praktiken unter Bedingungen der Vertreibung, validiert von Landwirt*innen und geprüft von Agrarfachleuten – kann nicht vollständig ersetzen, was verloren geht, wenn Landwirt*innen zum zweiten, dritten oder siebten Mal von ihrem Land getrennt werden.
Die erzwungene Dezentralisierung der Saatgutbewahrung birgt eine grundlegende Erkenntnis für globale Bewegungen für Ernährungssouveränität. Bis Oktober 2023 wurden die Saatgutbanken im Gazastreifen zentral verwaltet, professionell geführt und sorgfältig dokumentiert. Die Al-Qarara-Saatgutbank in Khan Younis gehörte zu den bekannteren Beispielen. Von Hanadi Muhanna und ihrer Familie wurde hier ein gemeinschaftliches Leihmodell praktiziert, bei dem Bäuerinnen und Bauern jede Saison kleine Mengen an Weizen-, Gerste- und Spinatsaatgut erhielten und diese nach der Ernte in gleichem Umfang zurückgaben. Dadurch zirkulierten die Sorten zwischen ihnen, anstatt in einem Gebäude zu liegen.[ii] Im Dezember 2023 bombardierte die israelische Armee die Saatgutbank.
Dementsprechend wurde die Bewahrung des Saatguts zu einem dezentralen, gemeinschaftlichen Akt des Widerstands im Verborgenen. Das Saatgut wurde in Kleidung versteckt, unter dem Sand von Vertriebenenlagern vergraben und entlang der Evakuierungsrouten von Hand zu Hand weitergereicht. Frauen schmuggelten das Saatgut ihrer Vorfahren durch Militärkontrollpunkte, so wie sie auch knappe Medikamente transportierten.
Hanadi Muhanna und ihre Schwester Mona warteten nicht lange. Nach ihrer Vertreibung aus Deir al-Balah begannen sie, das Netzwerk Samen für Samen und Kontakt für Kontakt wieder aufzubauen, während ihr Vater 16 städtische Familienbetriebe im gesamten südlichen Gazastreifen technisch unterstütze. Als die Verkehrswege aufgrund des Waffenstillstands kurz wieder geöffnet wurden, weitete Dr. Mahmoud Al-Ajouz seine Unterstützung auf fünf weitere bäuerliche Betriebe in Gaza-Stadt aus. Diese Initiative wurde nicht institutionell angestoßen. Es gab lediglich das Wissen sowie die verbliebenen Samen, und die Entscheidung für das Überleben von beidem zu sorgen.
GUPAP dokumentierte und unterstützte das Netzwerk über die Initiative Seeds of Resilience, die vom Regionalbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Ramallah finanziert wurde. Im Rahmen einer partizipativen Kartierungsstudie wurden 29 Haushalte befragt und 21 städtische Familienbetriebe für eine direkte Unterstützung ermittelt, von denen 93 Prozent von Frauen und insgesamt 62 Prozent von Vertriebenen geführt wurden. Im Rahmen der Initiative wurde die Erhaltung von mindestens 15 lokalen Saatgutsorten bestätigt und Material zur Saatgutbewahrung verteilt, darunter Gläser zum Schutz vor Feuchtigkeit und Verunreinigungen sowie grundlegende landwirtschaftliche Hilfsmittel, die für die Reinigung, Trocknung, Sortierung, Lagerung und Wiederaussaat des Saatguts benötigt werden. Da Vertreibungen, militärische Restriktionen, beschädigte Straßen und Treibstoffknappheit die Fortbewegung im Gazastreifen extrem erschwerten, wurden die Materialien über zwei Abholstellen verteilt, die Landwirt*innen in drei Gouvernements versorgten. Eine einzige Verteilungsstelle wäre für viele Teilnehmer*innen unzugänglich geblieben, insbesondere für diejenigen, die wiederholt zwischen Gaza-Stadt, Deir al-Balah und Khan Younis umsiedeln mussten.
Die Initiative erreichte nur 21 Familien in einem Gebiet mit mehr als zwei Millionen Einwohner*innen. Als die Landwirt*innen schließlich ermittelt wurden, waren viele von ihnen bereits vertrieben worden. Den Mitarbeiter*innen von GUPAP erging es nicht anders. Der Projektkoordinator unterzeichnete den Abschlussbericht in einer Notunterkunft in Deir al-Balah, die sowohl als Büro als auch als Zufluchtsort für vertriebene Familien diente. Die Landwirt*innen zogen von einem Ort zum anderen, Straßen wurden ohne Vorwarnung gesperrt, und ganze Gemeinschaften entwurzelt. Dennoch wurden Saatgut, Wissen und Ratschläge weitergegeben. Durch eine WhatsApp-Gruppe, die 21 Landwirt*innen im ganzen Gazastreifen miteinander verband, blieb ein kleines Netzwerk erhalten, während so vieles andere zerstört worden war. Allein die Tatsache, dass es existiert, ist von großer Bedeutung. Die Unterstützung von frauengeführten Initiativen, von lokalen Saatgutbewahrer*innen und die Dezentralisierung der Saatgutlagerung sind nicht nur praktische Schritte, sondern Überlebensstrategien.
Jenseits der romantischen Vorstellung von Resilienz
Im Globalen Norden hat sich eine postindustrielle Ernährungspolitik etabliert, die das Sammeln von Wildpflanzen und die Aufbewahrung von Saatgut häufig als Hobby versteht. Diese Romantisierung ist nicht auf Europa beschränkt, sondern reicht von Berlin bis Brooklyn, von Kopenhagen bis Melbourne. Wo immer sie auftritt, beruht sie auf derselben Annahme: Es handelt sich um bewusste Praktiken, und die Menschen, die sie ausüben, entwickeln sich dadurch weiter, anstatt zurückgeworfen zu werden.
Die Ereignisse im Gazastreifen machen eine solche Einordnung unmöglich. Wildpflanzen zu sammeln, weil das eigene Ackerland bombardiert wurde, ist keine Praxis, die sich einem Food-Movement zuordnen ließe. Die Lagerung von Saatgut in Gläsern unter einem Zelt, da die Saatgutbank zerstört wurde, stellt kein alternatives Landwirtschaftsmodell dar. Diese Praktiken als Indikatoren für eine erstrebenswerte Zukunft zu werten, heißt ihr Leid als Inspiration zu verstehen. Und all jene, die eine solche „Inspiration“ liefern, profitieren davon nicht.
Didier Fassin hat geschrieben, humanitäre Systeme bewältigten Leid, ohne die Strukturen anzugehen, die es verursachen.[iii] Im Gazastreifen sind diese Strukturen kein abstraktes Konzept. Sie zeigen sich in dem Hilfskonvoi, der mit dem Militär, das die Belagerung durchsetzt, über den Zugang verhandelt, im Kalorienminimum, das unabhängig davon berechnet wird, ob überhaupt gekocht werden kann, oder in Wiederaufbauhilfe, deren Gewährung an politische Bedingungen geknüpft ist. Ernährungssouveränität lässt sich nicht mit dieser Logik vereinbaren, da sie deren Prämisse nicht teilt. Denn Ernährungssouveränität bedeutet nicht, Abhängigkeiten besser zu bewältigen. Sie verlangt vielmehr die Beseitigung der Umstände, die diese Abhängigkeiten erst entstehen lassen.
Letztlich hängt Ernährungssouveränität von mehr als nur Saatgut ab. Sie erfordert Zugang zu Land und Wasser sowie die politische Handlungsfähigkeit der Gemeinschaften, damit diese selbst über den Umgang mit den Ökosystemen entscheiden können, von denen sie abhängen. Die 21 Familien, die in Deir al-Balah, Khan Younis und Gaza-Stadt Saatgut bewahren, sind kein Symbol der Widerstandsfähigkeit, das andere feiern sollten. Es handelt sich um Bäuerinnen und Bauern, die versuchen, die biologischen Grundlagen für die Zukunft zu sichern, während die Bedingungen, die Landwirtschaft überhaupt erst ermöglichen, systematisch zerstört werden. Ihr Überleben sollte nicht romantisiert werden. Es sollte uns dazu bringen, die politischen Bedingungen infrage zu stellen, die ein solches Überleben erst notwendig machen.
Übersetzung von Camilla Elle für Gegensatz Translation Collective
[i] GUPAP, Field Assessment Report on Local Seed Initiatives, August 2025.
[ii] GUPAP: Seeds of Resilience: Final Report, Regionalbüro Palästina und Jordanien der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Project RA-PJ00313, 7. Dezember 2025.
[iii] Didier Fassin: Humanitarian Reason. A Moral History of the Present, Trans. Rachel Gomme, UC Press, 2012.

