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Analyse , : Fremdenfeindliche Gewalt in Südafrika

In der Regenbogennation geht die Xenophobie um, während andere afrikanische Länder die Solidarität aus Zeiten der Apartheid beschwören

Wichtige Fakten

Details

Eine von „March & March“ organisierte migrationsfeindliche Demonstration in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria am 4. Juli 2026. IMAGO / ZUMA Press

„Wenn sie [die illegalen Einwanderer] am 30. Juni ihre Spaza-Shops1 aufgeben, werdet ihr dann in der Lage sein, ihre Geschäfte weiterzuführen? “ Das waren die Worte von Jacinta Ngobese-Zuma, der Vorsitzenden von „March & March“, der bekanntesten fremdenfeindlichen Organisation Südafrikas, bei einer Kundgebung am 26. Juni 2026 in KwaZulu-Natal an der Ostküste Südafrikas. „March & March“ hatte denjenigen, die sie als illegale oder undokumentierte Ausländer betrachteten, willkürlich den 30. Juni als Frist gesetzt, das Land zu verlassen, und für den Fall, dass sie blieben, mit Gewalt gedroht. 

Im Jahr 2026 sieht sich die „Regenbogennation“ mit der längsten Welle organisierter fremdenfeindlicher Gewalt seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 konfrontiert. Nach Angaben der Regierung von Mosambik sind sieben ihrer Staatsbürger*innen bei Pogromen in Mossel Bay, etwa 380 Kilometer östlich von Kapstadt, ums Leben gekommen. Aus Sorge um das Leben ihrer Staatsangehörigen haben mindestens sechs afrikanische Länder mit der Evakuierung ihrer Bürger*innen begonnen, darunter Mosambik, Malawi, Nigeria, Ghana und die Demokratische Republik Kongo (DRK). In einigen Rückführungszentren in der Stadt Durban ist eine quasi-humanitäre Krise entstanden. Tausende haben in den Konsulaten und Botschaften von Nigeria, Simbabwe und Malawi Zuflucht gesucht und fordern eine sofortige Rückführung. Die sozialen Medien wurden mit Videos von Migrant*innen geflutet, die verzweifelt um Unterstützung baten, um noch vor Ablauf der Frist am 30. Juni in ihre Herkunftsländer evakuiert zu werden. Besonders stark waren die öffentlichen Verurteilungen der Gewalt in Südafrika in Ghana, Nigeria, Simbabwe und Mosambik – Ländern, die im Kampf gegen die Apartheid eine entscheidende Rolle gespielt hatten.   

Es ist nicht wirklich überraschend, dass es dadurch zu diplomatischen Spannungen zwischen Südafrika, Nigeria und Ghana gekommen ist. Nigeria plant nun, im Namen seiner Bürger*innen Entschädigungszahlungen von Südafrika einzufordern. Ghana hat die Afrikanische Union aufgefordert, die Gewaltausbrüche auf einem bevorstehenden Gipfeltreffen in Ägypten zu erörtern. Die Spannungen waren sogar während der FIFA-Weltmeisterschaft zu spüren, als Social-Media-Beiträge aus verschiedenen afrikanischen Ländern die Forderung aufkam, die südafrikanischen Nationalmannschaft nicht zu unterstützen. Aufgrund von Vergeltungsmaßnahmen seitens der Organisatoren kultureller Veranstaltungen in anderen afrikanischen Ländern haben nach Angaben des südafrikanischen Justizministers einige südafrikanische Künstler*innen Aufträge verloren.

Die Ursachen der Fremdenfeindlichkeit im Südafrika nach der Apartheid

Als die neugewonnene Demokratie in Südafrika nach dem Ende der Apartheid sowohl Staatsbürger*innen als auch Migrant*innen Rechte gab, ist Fremdenfeindlichkeit zu einem immer wiederkehrenden Problem geworden, seit die Zahl der Einwanderer*innen aus anderen afrikanischen Ländern ansteigt. In den Jahren 2008, 2015, 2019 und 2021 kam es zu besonders heftigen Wellen von Gewalt gegen Migrant*innen. Die Angriffe von 2008 forderten mindestens 62 Menschenleben.   

In einem Land, das auf einer langjährigen rassistischen Ideologie aufgebaut ist, werden Schwarze Ausländer*innen von Einheimischen als Störfaktor für das soziale Gefüge wahrgenommen. Fremdenfeindliche Narrative machen Schwarze Migrant*innen für hohe Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Drogenhandel verantwortlich und werfen Einwanderern vor, südafrikanische Frauen den einheimischen Männern „wegzunehmen“, abgelaufene oder verdorbene Lebensmittel zu verkaufen, das Bildungs- und Gesundheitssystem des Landes zu belasten und Hexerei zu betreiben.  Für keine dieser Behauptungen  gibt es glaubwürdige Beweise. 

Zwei Organisationen, die Fremdenfeindlichkeit schüren, sind besonders erwähnenswert. Die bekannteste davon heißt „Operation Dudula“. Sie entstand im Township Soweto in Johannesburg, zunächst als Bürgerwehr, um während der Unruhen im Jahr 2021, die auf die Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma folgten, Eigentum vor Plünderungen zu schützen. Dudula erweiterte nach und nach ihr Programm und machte Migrant*innen für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme Südafrikas verantwortlich. Zu ihren Aktivitäten gehören Selbstjustiz und die Schikanierung von Migrant*innen im öffentlichen Raum und an ihren Arbeitsplätzen, vor allem in der östlichen Provinz KwaZulu-Natal und in der Hauptstadtregion Gauteng. Dudula hat zudem damit begonnen, sogenannten „illegalen Einwanderern“ den Zugang zu Krankenhäusern und Schulen zu verwehren. Diese Entwicklung deutet auf eine Radikalisierung ihrer Anti-Migrationsskampagne im Vorfeld der bevorstehenden Kommunalwahlen hin, die zwischen dem 2. November 2026 und dem 30. Januar 2027 stattfinden sollen.

Dass der ANC den tiefsten Beliebtheitsstand seiner Geschichte verzeichnet und nur eine schwankende panafrikanische Haltung an den Tag legt, liefert den fruchtbaren Boden, auf dem die einwanderungsfeindlichen politischen Parteien und Bewegungen gedeihen.

Die andere prominente Bewegung ist die bereits erwähnte „March & March“, angeführt von ihrer Gründerin Jacinta Ngobese-Zuma, einer ehemaligen Radiomoderatorin, die die Frist bis zum 30. Juni gesetzt hatte. Laut ihrer Website zielt „March & March“ darauf ab, „die wachsenden Bedenken hinsichtlich einer Einwanderung nach Südafrika ohne Papiere anzugehen“ und den Zugang zu Ressourcen für Südafrikaner*innen zu gewährleisten, einschließlich der vorrangigen Vergabe von Arbeitsplätzen an Einheimische. Aufgrund von Spaltungen innerhalb von Dudula, der es an charismatischen Führungspersönlichkeiten mangelte, ist die erst 2025 gegründete aber besser organisierte Gruppe „March & March“ rasant gewachsen und hat an Bedeutung gewonnen. Darüber hinaus gibt es weitere kleinere Organisationen und lokale Bürgerwehren, die fast täglich aktiv sind und Migrant*innen schikanieren.

Politisch haben rechtsgerichtete und zentristische Parteien wie ActionSA und die Patriotic Alliance Anhänger konsequent mit einer starken migrationsfeindlichen Rhetorik mobilisiert. Zu ihnen gesellt sich nun die uMkhonto weSizwe-Partei (MK), die insbesondere in KwaZulu-Natal mit fremdenfeindlichen Mobilisierungen in Verbindung gebracht wird. Die MK wurde 2023 vom ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma gegründet, der fast 10 Jahre im Exil in Mosambik verbrachte. Parteien wie die Economic Freedom Fighters (EFF) haben eine zwiespältige Rhetorik an den Tag gelegt, die einen starken panafrikanischen Diskurs mit Kritik an der Beschäftigung von Einwanderern ohne Papiere in südafrikanischen Unternehmen   verbindet.   

Das verdeutlicht die starke Politisierung des Themas Migration im politischen Raum Südafrikas, die von einwanderungsfeindlichen politischen Kräften bei Wahlen weiter ausgenutzt werden könnte, um Wählerstimmen zu gewinnen. Die Tatsache, dass der ANC den tiefsten Beliebtheitsstand seiner Geschichte verzeichnet und nur eine schwankende panafrikanische Haltung an den Tag legt, liefert den fruchtbaren Boden, auf dem die einwanderungsfeindlichen politischen Parteien und Bewegungen gedeihen. Das Fehlen einer festen panafrikanischen Solidarität in Verbindung mit den anhaltenden sozioökonomischen Herausforderungen könnte zur weiteren sozialen Spaltung und potenziell massiver Gewalt gegen Einwanderer führen.

Eine historische Schuld: Südafrikas Rolle bei der Unterentwicklung Afrikas

Der Kampf Südafrikas gegen die Apartheid profitierte von direkter und indirekter Unterstützung durch eine beträchtliche Anzahl afrikanischer Länder. Der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika wurde als Kampf des afrikanischen Volkes wahrgenommen und daher hatte er die Opferbereitschaft des gesamten Kontinents verdient. Südafrikanische Aktivist*innen fanden in anderen Ländern Zuflucht, es wurden ihnen Mittel zur Finanzierung ihres Kampfes zur Verfügung gestellt, militärische und politische Trainingslager wurden eingerichtet, und Solidarität wurde in allen Formen zum Ausdruck gebracht, einschließlich wirtschaftlicher Sanktionen gegen das Apartheid-Regime. Schätzungsweise 40.000 südafrikanische Geflüchtete wurden in anderen afrikanischen Ländern aufgenommen. Infolgedessen erhoffte sich der Rest Afrikas zumindest in Zeiten eigener politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten gegenseitige Solidarität. 

Einigen Ländern kam jedoch die Unterstützung für den Kampf um Demokratie in Südafrika teuer zu stehen. In Mosambik beispielsweise unternahm das Apartheidregime erhebliche Anstrengungen, um das Land aufgrund seiner Unterstützung des ANC politisch, sozial und wirtschaftlich zu destabilisieren, und unterstützte einen Guerillakrieg gegen das nach der Unabhängigkeit entstandene Mosambik. Die enormen sozioökonomischen Folgen sind bis heute sichtbar.   

Die Wirtschaft Südafrikas hat sowohl während als auch nach der Apartheid stets enorm von der Ausbeutung anderer afrikanischer Länder profitiert.

In seiner 2023 erschienenen Trilogie The Three Wise Monkeys argumentierte der Historiker Charles Van Onselen, dass die industrielle Entwicklung Südafrikas, insbesondere im Bergbausektor, ohne den Zugang zu billigen Arbeitskräften aus Mosambik nicht ihr heutiges Entwicklungsniveau erreicht hätte. Bei seinen Recherchen zum Beitrag Südafrikas an der schlechten Entwicklung Mosambiks geht Van Onselen sogar so weit zu behaupten, dass Mosambik unter zwei gleichzeitigen Kolonialisierungen litt, einer durch Portugal und einer durch Südafrika. Die Wirtschaft des Landes hat sowohl während als auch nach der Apartheid stets enorm von der Ausbeutung anderer afrikanischer Länder profitiert. Südafrikanische Rohstoffunternehmen, Supermärkte und andere Unternehmen sind in fast jedem anderen afrikanischen Land vertreten. 

Bewegungen wie „March & March“ vertreten die Auffassung, dass die Unterstützung, die der Rest Afrikas im Kampf gegen die Apartheid geleistet hat, bereits beglichen sei, da Südafrika seit dreißig Jahren Einwanderer aus diesen Ländern aufnehme. Sie argumentieren, Südafrika habe durch die Aufnahme von „illegalen Einwanderern“ und Kriminellen einen noch höheren Preis gezahlt. Sie fordern, dass die Ausländer*innen zurückkehren und ihre Länder politisch und wirtschaftlich in Ordnung bringen müssten, anstatt in Südafrika zu bleiben. 

Obwohl die Rolle anderer afrikanischer Länder im Kampf gegen die Apartheid offiziell anerkannt wird, scheinen die Maßnahmen der ANC-Regierung nicht mit einer pan-afrikanischen Reaktion auf Fanatismus im Einklang zu stehen. Obwohl keine Statistiken über die Zahl der als illegal eingestuften Migrant*innen vorliegen, stützt die Darstellung der Regierung die Behauptung, dass es ein ernstes Problem der illegalen Einwanderung gebe

Seit 2002 ist ein Einwanderungsgesetz in Kraft, das es selbst den qualifiziertesten Bewerber*innen extrem schwer macht, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Eine neue Grenzschutzbehörde wurde eingerichtet, die Zahl der Abschiebungen ausländischer Staatsangehöriger steigt und die Regierung hat ein Weißbuch vorgelegt, das eine erhebliche Verschärfung des Einwanderungsgesetzes von 2002 vorsieht. Während fremdenfeindliche Selbstjustiz zunimmt, steigt gleichzeitig auch die Zahl der Kontrollen am Arbeitsplatz. All das steht vollkommen im Einklang mit der Argumentation von Bewegungen wie „March & March“ und „Dudula“, die sich für strengere Einwanderungsgesetze einsetzen. Fremdenfeindliche Gewalt bleibt jedoch ein Problem, das auf die Schwarze Bevölkerung beschränkt ist, während die weiße Minderheit, die den Großteil des Landes und der Wirtschaft Südafrikas kontrolliert, davon überhaupt nicht betroffen ist. 

Trotz Widerstand eine ungewisse Zukunft

Im Gegensatz zu diesen fremdenfeindlichen Organisationen und einwanderungsfeindlichen politischen Parteien erheben zivilgesellschaftliche Organisationen, liberale Wissenschaftler und Gewerkschaften ihre Stimme gegen Hass. Eine der lautesten Organisationen ist „Kopanang Africa Against Xenophobia“ (KAAX). KAAX ist ein Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen, lokalen Aktivisten, Arbeitnehmern und von Migranten geführten Organisationen, das gegründet wurde, um gegen die einwanderungsfeindliche Stimmung vorzugehen.

KAAX setzt sich für afrikanische Einheit, Solidarität der Arbeiterklasse und inklusive Gerechtigkeit ein. Am 4. November 2025 erzielte die Organisation einen bedeutenden juristischen Sieg gegen Dudula und anderen Bewegungen aufgrund der von diesen ausgeübten Selbstjustiz. Das Gericht untersagte Dudula und anderen Bewegungen, Einwanderer*innen zu schikanieren, einzuschüchtern oder von ihnen Ausweispapiere zu verlangen. Dieser Sieg sendete eine klare Botschaft: Fremdenfeindliche Selbstjustiz ist illegal, und der Staat muss dagegen vorgehen. Gemessen an der anhaltenden Schikanierung ausländischer Staatsangehöriger und den Akten der Selbstjustiz durch Gruppen wie „March & March“ scheinen die südafrikanischen Behörden jedoch wenig zu unternehmen, um die gerichtliche Anordnung durchzusetzen. 

Auf Arbeitnehmerseite haben Mitglieder des Gewerkschaftsdachverbands „National Economic Development and Labour Council“ (NEDLAC) fremdenfeindliche Selbstjustiz verurteilt. NEDLAC vertritt die South African Federation of Trade Unions (SAFTU), die Confederation of South Africa Trade Unions (COSATU), die Federation of Unions of South Africa (FEDUSA) und den National Council of Trade Unions (NACTU), die insgesamt für etwa 3,2 Millionen Arbeitnehmer*innen stehen. Die Gewerkschaften machten deutlich, dass sie es ablehnen, ausländische Staatsangehörige für die sozioökonomischen Herausforderungen verantwortlich zu machen, mit denen Südafrikaner*innen zu kämpfen haben. 

Das Ausbleiben einer Reaktion seitens der Regierung lässt nichts Gutes für die Zukunft Südafrikas ahnen. Diese hart erkämpfte Demokratie, die aus globaler Solidarität hervorgegangen ist, könnte sich in einen Ort des Hasses und der Gewalt verwandeln.

Allerdings gehen die Gewerkschaften nicht auf das Erbe des Kolonialismus und der Apartheid ein, sondern konzentrieren sich auf das Versagen der Regierung bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, der Bekämpfung von Korruption, der Gewährleistung eines effektiven Grenzmanagements sowie der wirksamen Durchsetzung von Arbeits- und Einwanderungsgesetzen. Leider scheinen auch sie in die Falle der vermeintlich „legitimen öffentlichen Wut“ zu tappen. Ohne die zentrale Rolle des Kolonialismus und der Apartheid zu verstehen, versäumen es die Gewerkschaften, den systemischen Charakter des Chauvinismus angemessen zu analysieren – einschließlich der Rolle, die Südafrika selbst dabei gespielt hat, die Entwicklung anderer afrikanischer Nationen zu behindern, und seiner Verantwortung, diese Rolle durch einen Ansatz offener Grenzen gegenüber dem übrigen Afrika auszugleichen.       

Die Frist vom 30. Juni ist nun abgelaufen, größtenteils ohne die befürchtete Gewalteskalation. Die Regierung bewertete ihre eigene Arbeit recht positiv. Der 30. Juni endete nicht wie frühere Ereignisse mit einer hohen Zahl von Todesopfern und großen Sachschäden, wie beispielsweise bei den Unruhen im Jahr 2021, bei denen 354 Menschen ums Leben kamen. 

Doch die Erinnerung daran wird in den Köpfen der afrikanischen Bevölkerung sicherlich lebendig bleiben. Tausende demonstrierten in allen neun südafrikanischen Provinzen. In Hillbrow, im zentralen Geschäftsviertel von Johannesburg, wurden zwei Menschen verletzt und ein Auto in Brand gesetzt. In einigen Regionen des Landes wurden Demonstranten dabei beobachtet, wie sie Migrant*innen darunter auch kleine Kinder, schikanierten. Die Demonstrierenden wiederholten immer wieder dieselbe Botschaft: „Sie müssen weg!“ Die Gruppe „March & March“ hat versprochen, dass jeden Donnerstag Demonstrationen gegen Migrant*innen stattfinden werden. 

Diesmal entschied sich jedoch die Mehrheit der Unternehmen dazu, den Betrieb vorsorglich einzustellen, da sie einen Ausbruch von Gewalt ähnlich wie bei früheren Vorfällen erwarteten. Infolgedessen gingen Millionen Rand an entgangenen Einnahmen verloren, während Tausende schutzbedürftiger Arbeitnehmer*innen – viele von ihnen Migrant*innen – gezwungen waren, ihre Arbeitsplätze aufzugeben und sogar aus dem Land zu fliehen. Die strukturellen Probleme wurden dadurch nicht gemildert: Die Arbeitslosigkeit bleibt anhaltend hoch, die Kriminalitätsraten zeigen keinen nennenswerten Rückgang, und die Ungleichheit setzt sich weiterhin quer durch alle sozialen Schichten fort. 

Das Ausbleiben einer Reaktion seitens der Regierung lässt nichts Gutes für die Zukunft Südafrikas ahnen. Diese hart erkämpfte Demokratie, die aus globaler Solidarität hervorgegangen ist, könnte sich in einen Ort des Hasses und der Gewalt verwandeln. Die „Regenbogennation“ steuert auf eine Katastrophe zu, wenn die Einwandererfeindlichkeit nicht entschlossen bekämpft wird.

  1. ^Ein „Spaza-Shop“ ist ein kleiner, informeller Nachbarschaftsladen, wie er in südafrikanischen Townships und ländlichen Siedlungen zu finden ist. Diese ursprünglich während der Apartheid entstandenen „geheimen“ (isiZulu: spaza) Kioske befinden sich oft in Wohngebäuden oder Schiffscontainern und versorgen die Anwohner mit wichtigen Artikeln des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln, Hygieneartikeln oder Prepaid-Guthaben für Mobiltelefone.

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