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Analyse , : Wie Südafrika auf Elon Musk blickt

In Musks Heimatland regt sich mit "Stop Starlink" Widerstand gegen den reichsten Mann der Welt

Wichtige Fakten

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Elon Musk an einer Pressekonferenz im Weißen Haus, 30 Mai 2025. IMAGO / Newscom / AdMedia

Was soll man mit Elon Musk, dem reichsten Mann der Welt, und allem, wofür er steht, anfangen? Hier in Südafrika ist man versucht, den in Südafrika geborenen Elon Musk mit unserer anderen berühmten Persönlichkeit der jüngeren Vergangenheit zu vergleichen: Nelson Mandela.

Während Mandela für das Ende der Apartheid steht, symbolisiert Musk einen krisenanfälligen, extrem ausbeuterischen racial capitalism, dessen Ideologie die Interessen von Großkonzernen und Marktradikalismus mit einem militarisierten Überwachungsstaat verbindet.

An dem Tag, als Trump 2025 die Macht übernahm, hob Elon Musk seinen rechten Arm in einer Geste, die weithin als Hitler-Gruß interpretiert wurde. Für den ehemaligen Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Johannesburg Business Day und ehemaligen Abgeordneten Songezo Zibi war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Zibi hatte Musk einst bewundert. In einem Blogpost sprach sich gegen die Präsenz von Starlink in Südafrika aus: „Musk hat aktiv Ideen der white supremacy propagiert, darunter auch den Hitler-Gruß. Nennt mich naiv und idealistisch, aber ich glaube immer noch, dass der Charakter eine Rolle spielt – doch offenbar ist das für manche Menschen wirklich nicht der Fall. Er hat zudem rassistische Lügen über schwarze und farbige Einwanderer in den USA und anderswo verbreitet.“

Zibis Bruch mit Musk ist ein Zeichen für einen umfassenderen Wandel. In ganz Südafrika organisiert sich eine Koalition aus Aktivisten, Politikern und zivilgesellschaftlichen Gruppen gegen Musks wachsenden Einfluss im Land.

Eigentlich sollte Starlink, Musks satellitengestütztes Internetprojekt, in Südafrika eingeführt werden, doch Musk weigert sich, die sogenannten „Black Economic Empowerment“-Richtlinien zu befolgen, die ihn dazu verpflichten, einen Schwarzen lokalen Mitinvestor zu finden. Darum hat die südafrikanische Regierung den Zugang zu Starlink gesperrt. Musk weigert sich noch immer, den Vorgaben nachzukommen, da es in Südafrika offenbar „mittlerweile mehr anti-weiße Gesetze gibt als es unter der Apartheid anti-Schwarze Gesetze gab“ – eine offensichtliche Lüge. 

Im April 2026 twitterte er: „Südafrika will Starlink keine Lizenz erteilen, obwohl ich DORT GEBOREN BIN, nur weil ich nicht Schwarz bin! Uns wurde mehrfach die Möglichkeit angeboten, uns den Weg zu einer Lizenz zu erkaufen, indem wir vortäuschen, dass ein Schwarzer Starlink SA leitet, aber ich habe mich aus Prinzip geweigert, das zu tun.“ 

Musk hat zudem häufig behauptet, in Südafrika fände angeblich ein Völkermord an weißen Farmern statt. Ein Blick auf Wirtschaftszahlen widersprechen der Darstellung, Weiße seien in Südafrika eine verfolgte Minderheit. Das Vermögen von Farmern ist seit 1994 dramatisch gestiegen. Der Staat hat das Ackerland, das Schwarzen Südafrikanern vor nicht allzu langer Zeit weggenommen wurde, nach dem Ende der Apartheid nicht umverteilt, die Besitzverhältnisse haben sich also nicht verändert. Doch mit dem Ende der Apartheid fielen auch die internationalen Sanktionen, wovon ausgerechnet die weißen Farmer am meisten profitierten. Dank Musks Falschinformationen gewährte Donald Trump mehr als 6.000 Buren einen besonderen Flüchtlingsstatus in den USA, während er fast alle anderen Asylbewerber ablehnte. Bis zu 10.000 weitere Buren könnten aufgenommen werden, doch 2,7 Millionen verbleiben in Südafrika.

Eine Kindheit in der Apartheid

Um zu verstehen, warum Musk Südafrika – und vielleicht die Welt – so sieht, wie er es tut, ist es hilfreich, einen Blick auf seine Herkunft zu werfen. Wie der Historiker Efthimios Karayiannides im Jahr 2024 feststellte, gibt es eine „überraschend hohe Zahl weißer Südafrikaner unter den Dotcom-Mogulen, die zu konservativen Kreuzrittern gegen den Liberalismus geworden sind. Vier der Gründer von PayPal haben eine Verbindung zum südlichen Afrikas (darunter Musk und Peter Thiel). Und es gibt Parallelen zwischen der autoritären Herangehensweise an die Unternehmensführung eines Musks oder seines PayPal-Kollegen Peter Thiel und der Ideologie der weißen Vorherrschaft („Baaskap“ – „Bossismus“) des Apartheid-Regimes.“

Die Wurzeln von Musks Ideologie reichen tief in die Psychosen des weißen Südafrikas hinein. Musk wurde 1971 in Südafrikas Hauptstadt Pretoria geboren und wuchs teilweise in Johannesburg – der Stadt mit der weltweit größten Ungleichheit – sowie in der Küstenstadt Durban auf. Musks Mutter Maye war Kanadierin, die Tochter eines Nazi-Sympathisanten, der in den 1950er Jahren in den Apartheidstaat gezogen war. Musks Vater Errol hatte sich Mitte der 1980er Jahre als Händler mit illegal in Sambia geschürften Smaragden bereichert. Ihre Beziehung scheint nicht besonders eng gewesen zu sein. In einem Interview mit dem „Rolling Stone“ aus dem Jahr 2017 beschrieb Musk seinen Vater als „schrecklichen Menschen … Fast jedes Verbrechen, das man sich nur vorstellen kann, hat er begangen. Fast jede böse Tat, die man sich nur vorstellen kann, hat er begangen.“ 

Seine Kindheit beschreibt Musk als „gewalttätig“ und „unglücklich“. Im Jahr 1984 wurde er bei einem Mobbingvorfall in der Highschool „fast zu Tode geprügelt“. Ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt folgte. Fast drei Jahrzehnte später erforderte der Vorfall eine korrigierende Operation: „Wurde als Kind ziemlich übel zusammengeschlagen, was mir eine zerklüftete Nasenscheidewand hinterlassen hat. Mit zunehmendem Alter fiel mir das Atmen schwer, also war es Zeit, das in Ordnung zu bringen,“ postete Musk.

Musks Familie scheint ihr Kind nicht viel Unterstützung zukommen gelassen zu haben: Errol Musk erzählte dem Biografen seines Sohnes, dass der Mobbing-Vorfall eine Vergeltungsmaßnahme war, weil sein Sohn jemanden gehänselt hatte, der „gerade seinen Vater durch Selbstmord verloren hatte, und Elon ihn als dumm bezeichnet hatte. Elon neigte dazu, Leute als dumm zu bezeichnen. Wie könnte ich diesem Kind das vorwerfen?“

Das ereignete sich an der ausschließlich von Weißen besuchten Bryanston School in Johannesburg. Damals wurden die rassistischen Eliten des Landes darauf vorbereitet, eine Gesellschaft mit extremer Brutalität zu führen.  Vielleicht in dem Versuch, dieser gewalttätigen Gesellschaft zu entfliehen, zog Musk 1989 im Alter von 17 Jahren nach Kanada - also kurz bevor er zum Militär eingezogen werden konnte.

1992 schrieb sich Musk an der Wharton School of Business in Philadelphia ein, derselben Uni, an der Donald Trump 1968 seinen Abschluss gemacht hatte. Musks Bachelor-Studium verband Wirtschaftswissenschaften und Physik, zu einer Zeit, als die Finanzausbildung zunehmend mathematisch geprägt war und Modelle zur Marktspekulation förderte. 

Durch den Holzhäcksler

Musks Geschick beim Errichten finanzieller Luftschlösser ist zentral Bestandteil des „Muskismus“, eines vom amerikanische Historiker Quinn Slobodian und dem Tech-Journalist Ben Tarnoff so getauftes Wirtschaftssystem, ein Akkumulationsregime, das nach seinem wichtigsten Exponenten benannt ist, wie schon der Fordismus. 

Es handelt sich nicht um ein Wirtschaftssystem, das ausschließlich auf Innovation basiert, wie Musk gerne behauptet. Sein schmutziges Geheimnis ist, dass nicht unternehmerisches Geschick, sondern öffentliche Gelder das Wachstum seiner Unternehmen gestützt haben. Im Jahr 2025 stellte die „Washington Post“ fest, dass Musk und seine Unternehmen mindestens 38 Milliarden US-Dollar an staatlichen Aufträgen, Darlehen, Subventionen und Steuergutschriften erhalten hatten, darunter allein im Jahr 2024 6,3 Milliarden US-Dollar. Diese Finanzspritzen kamen immer wieder in kritischen Momenten und verhalfen ihm dazu, zum reichsten Menschen der Welt zu werden.

Es ist daher völlig nachvollziehbar, dass Musk schnell und entschlossen handelte, um die Kontrolle über den Staat zu übernehmen, als sich die Gelegenheit bot. Anfang 2025 gründete er das „Department of Government Efficiency“ (DOGE), das Präsident Trump direkt unterstellt war, während seine Unternehmen weiterhin umfangreiche Bundeszuschüsse einstreichen: Selbst als das DOGE weite Teile des US-Staates aushöhlte, erhielt SpaceX bedeutende neue Verteidigungsaufträge. 

Nur wenige Tage nach seinem Einzug ins Weiße Haus unter Trump nahm Musk die US-Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (USAID) ins Visier und schrieb auf X: „Wir haben das Wochenende damit verbracht, USAID in den Holzhäcksler zu stecken. Hätten auch auf ein paar tolle Partys gehen können. Haben stattdessen das hier gemacht.“ DOGE strich zehntausend Stellen bei der USAID, sodass die Behörde nur noch 300 Mitarbeiter zählte. Gleichzeitig fror Trump die Mittel für fast alle US-Projekte zur Förderung der Demokratie im Ausland ein

Man sollte nicht vergessen, dass sowohl „Entwicklungshilfe“ als auch „Demokratieförderung“ oft in erster Linie Instrumente der Soft Power sind. Die Mitarbeiter von USAID wurden eingesetzt, um eine neoliberale wirtschaftspolitische Ideologie zu fördern, beispielsweise durch die Beratungsfirmen, die während des Übergangs in Südafrika in den 1990er Jahren sehr aktiv waren. Gleichzeitig beklagte Nelson Mandela, dass USAID nur „Almosen“ verteilte, obwohl US-Konzerne doch stark von der Apartheid profitiert hatten. 

Dennoch hatten die USA wichtige Projekte in Südafrika gefördert. Gesundheitsprogramme im Zusammenhang mit HIV erhielten jährlich etwa 400 Millionen US-Dollar. Musk nahm insbesondere diese ins Visier: Er war verantwortlich für Kürzungen von Zuschüssen für im Rahmen des „President’s Emergency Plan for AIDS Relief“ (PEPFAR) benötigte Medikamente in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar. Unter anderem wurden auch die Präventionsmittel um 51 % gekürzt. Dies führte zur Schließung von 1.714 Versorgungsstellen in 46 Ländern, vor allem in Afrika. 

Laut einem aktuellen Bericht der International AIDS Society waren die Auswirkungen auf Südafrika besonders gravierend: Die Regenbogennation verzeichnete „den größten absoluten Rückgang. 30.880 Kinder erhielten weniger Unterstützung durch PEPFAR bei der Behandlung der Krankheit– ein Rückgang um 45 %“. Ein dank einer USAID-Förderung in Höhe von 45 Millionen US-Dollar vor Ort entwickelter AIDS-Impfstoff wurde ebenfalls auf Eis gelegt, und viele südafrikanische Gesundheitsfachkräfte verloren ihren Arbeitsplatz, darunter mehr als 15.000 Stellen, die zuvor von PEPFAR finanziert worden waren. Eine 2025 in „The Lancet“ veröffentlichte Studie prognostiziert, dass die von DOGE veranlassten Kürzungen bei USAID bis 2030 weltweit zu 14 Millionen zusätzlichen Todesfällen führen werden.

Als „The Economist“ Musk zu den Todesfällen befragte, behauptete dieser: „Niemand ist wegen DOGE gestorben … Wie viele NGOs gibt es, die einspringen könnten … Die Gates-Stiftung verfügt über 50 Milliarden Dollar … was ist mit denen?“ In Wirklichkeit hatten ein Jahr nach den Kürzungen nur 2 % der Befragten in einer Umfrage unter 166 ehemaligen USAID-Empfängern alternative Finanzierungsquellen für ihre Programme gefunden. 

Union Busting und State Capture

Musks Vorgehensweise ist kein Zufall. DOGE hat jene Bereiche der Regierung gekürzt, die Gesellschaft und Umwelt schützen, während die Bereiche, die dem Kapital zugutekommen, erhalten und ausgebaut wurden. Das ist der Kern von Musks Ideologie. Musk mag dafür bekannt sein, veraltete Systeme umzukrempeln, doch hinter der Erzählung vom genialen Gründer, hinter dem Spektakel aus Raketen und Online-Trolling verbirgt sich schlicht das Paradebeispiel dafür, wie hochspekulatives Kapital heute funktioniert: abhängig von dem Staat, den er angeblich verachtet, extrem feindselig gegenüber den Arbeitern, die es benötigt, um alles am Laufen zu halten, und finanziell sowie politisch engagiert für rechtsextreme Bewegungen, die seine Macht weltweit stärken. 

Tesla ist der einzige große amerikanische Automobilhersteller, dessen Belegschaft nicht gewerkschaftlich organisiert ist. Ungeachtet der Vorwürfe über hohe Unfallraten, lange Arbeitszeiten und unter dem Branchendurchschnitt liegende Löhne ist jeder Versuch, in Musks Werken eine Gewerkschaft zu gründen, gescheitert. Im Jahr 2021 stellte das US-amerikanische National Labour Relations Board (NLRB) fest, dass Tesla wiederholt gegen das Arbeitsrecht verstoßen hat, weil Aktivisten, die sich für Formierung von Gewerkschaften engagierten, unter Druck gesetzt, durch Schweigegebote zum Schweigen gebracht oder entlassen wurden. 

Wenig überraschend  ging Musks DOGE im Rahmen einer umfassenderen Initiative gegen das NLRB vor, um die rechtliche Architektur der Tarifverhandlungen zu demontieren. Dieses System war bereits in den 1930er Jahren im Zuge der Weltwirtschaftskrise errichtet worden. DOGE führte Sparmaßnahmen ein, jedoch nicht nur im klassischen Sinne. Es förderte zudem eine gezielte Machtverschiebung von den Arbeitnehmern hin zu den Arbeitgebern und nutzte dabei den staatlichen Apparat, um genau jene Behörden auszuhöhlen, die das Kapital angemessen in Schach halten sollten.

Der Mythos von Musks Genialität als Innovator von Internet-Zahlungssystemen, Elektrofahrzeugen und der Weltraumforschung ist selbst ideologisch geprägt. Er kehrt das tatsächliche Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit um und macht die Zehntausenden von Arbeitnehmern unsichtbar, deren Mehrwert jeden Satellitenstart und jeden fieberhaften Tweet finanziert. Musk hat die Zukunft nicht aufgebaut, er hat sie abgeschöpft. 

Finanzielle Luftschlösser

Nicht nur bei der Ausbeutung von Arbeitskräften war Musk innovativ. Die Finanztechnik, die Musk an der Wharton School erlernt hat, wirkt weiterhin schädlich, insbesondere in Musks Verständnis von „Finanzfabulismus“. Dieser Begriff wurde von Slobodian und Tarnoff geprägt, um die Art und Weise zu beschreiben, wie Musk und andere fantastische Geschichten über zukünftigen Erfolg konstruieren, um das Vertrauen der Investoren zu gewinnen. Gelingt es ihnen, genügend Vertrauen zu wecken und damit Finanzmittel zu beschaffen, werden die fantastischen Geschichten zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen des Erfolgs; sie haben einen finanziellen Bluff erfolgreich durchgezogen.

Der Börsengang von SpaceX ist ein aufschlussreiches Beispiel für einen solchen „Finanzfabulismus“. Der Börsengang zeigte die Bereitschaft von Anbietern von Aktienindizes, ihre Anforderungen zu lockern oder neu zu interpretieren, um einem Unternehmen Rechnung zu tragen, dessen Größe einen Ausschluss zunehmend erschwert. Die Aufnahme in die wichtigsten Indizes signalisiert, dass SpaceX zu den Kernunternehmen der amerikanischen Wirtschaft gehört und zwar auch dann, wenn es die älteren Kriterien, die andere etablierte Unternehmen erfüllen mussten, möglicherweise nicht erfüllt hat. 

Es geht darum, ob die Institutionen, die die Zuweisung von Kapital regeln, weiterhin Beschränkungen für die Wirtschaftsmacht darstellen oder zunehmend auf diese reagieren. Die politisch-wirtschaftliche Struktur, die sich dadurch manifestiert, ist kein Wettbewerbskapitalismus im klassischen Sinne, sondern der durch den „Muskismus“ geprägte, vom Staat vereinnahmte Monopolkapitalismus. 

Süafrika leistet Widerstand

Angesichts dieser Bilanz sind die Südafrikaner nicht untätig geblieben. Die „Stop Starlink“-Kampagne verzeichnet Zuwachs und stellt mittlerweile eine Reihe von Forderungen an den Staat, angefangen mit einem Verbot der Nutzung der X-AI Grok durch Regierung, Universitäten und Schulen sowie alle öffentlichen Einrichtungen und der Entfernung aller staatlichen Institutionen von der Plattform X.com. In diesem Zusammenhang sollten gemeinnützige Organisationen – insbesondere solche, die im Bildungsbereich und im Bereich des Kindeswohls tätig sind – von der Regierung aufgefordert werden, im Internet nach alternativen Plattformen mit Schutzmaßnahmen gegen sexuellen Missbrauch zu suchen und so das Thema der sexuellen Gewalt im Internet, insbesondere die KI-generierte nicht einvernehmliche Verwendung von Bildern, in den nationalen Dialog zu bringen.

Doch dies ist nicht Südafrikas erster Kampf dieser Art. Durch die „Treatment Action Campaign“ konnten restriktive Vorschriften bezüglich des geistigen Eigentums von AIDS-Medikamenten abgewehrt werden und kostenlose Generika, die Millionen von Menschenleben gerettet haben erkämpft werden (ein Sieg, der sich jedoch nicht auf Covid-19-Impfstoffe erstreckte, da diese durch Widerstand aus Berlin blockiert wurden),. Die Studentenbewegung #FeesMustFall stellte die ausgrenzende, neokoloniale Struktur der Hochschulbildung in Frage. Die Aktivisten bekämpften Bill Gates’ philanthropisch-kapitalistische Expansion in einkommensschwache Gemeinden und wehrten sich gegen elektronische Mautsysteme auf Autobahnen, deren Überwachungskosten unverhältnismäßig stark auf den Arbeitern lasteten. Eine Tochtergesellschaft der Weltbank im Bereich Mikrofinanzierung wurde wegen räuberischer Kreditvergabe zurückgedrängt. Der Kampf gegen Rechenzentren und die Ausbeutung auf einem Arbeitsmarkt, auf dem Unternehmen kurzfristige Aufträge (sogenannte „Gigs“) an Tagelöhner vergeben, dauert noch an. „Stop Starlink“ ist das neueste Kapitel in dieser Geschichte.

Südafrika steht mit seinem Widerstand gegen Musk nicht allein da. Seit er X im Jahr 2022 gekauft hat, verlassen Nutzer auch anderswo die Plattform, da diese zunehmend seine persönliche politische Haltung widerspiegelt. Einige afrikanische Regierungen haben sich direkt gegen Starlink selbst gewehrt. Laut dem Analysten Karayiannides haben mehrere Länder das Projekt als Bedrohung für ihre digitale Souveränität eingestuft: „Namibia, die Elfenbeinküste, Burkina Faso, Senegal, Kamerun und Südafrika haben entweder formelle Verbote erlassen oder eine Regulierung gefordert.“ Karayiannides argumentiert, dass dieser Widerstand möglicherweise nicht von Dauer sein wird. Musk hat seine Karriere auf regulatorischer Arbitrage aufgebaut und in den 2000er Jahren gegen Banken, Kreditkartenunternehmen und staatliche Regulierungsbehörden gekämpft. Die Satellitenarchitektur von Starlink ermöglicht es dem Unternehmen, grenzüberschreitend zu operieren, noch bevor formelle Vereinbarungen getroffen wurden – Karayiannides geht davon aus, dass Musk dies ausnutzen wird, um in zögerliche Märkte vorzudringen.

Kamerun zeigt die zugrunde liegende wirtschaftliche Kritik auf. Georges Macaire Eyenga von der Universität Dschang argumentiert, dass das Geschäftsmodell von Starlink der Inklusion, die es angeblich fördert, durch die eigene Preisgestaltung zuwiderläuft. Diese lautet nämlich: „privatisiert den Zugang und macht ihn für einen großen Teil der Weltbevölkerung unerschwinglich“. Seiner Ansicht nach vertieft die marktorientierte Logik von Starlink bestehende Ungleichheiten, anstatt sie zu beseitigen, und macht ein seit langem bestehendes Zugangsproblem sichtbarer und politisch brisanter.

Zurück in Südafrika sind die praktischen Auswirkungen des Streits ebenso konkret. Sollten die lokalen Regulierungsbehörden Starlink eine Lizenz erteilen und die Blockade aufheben, wären die einheimischen Anbieter MTN und Vodacom, die beide aufgrund der südafrikanischen Fremdenfeindlichkeit bereits in anderen Ländern Afrikas auf Widerstand stoßen, die eindeutigsten Verlierer. Musks geplante Preise für Privathaushalte dürften die bestehenden Glasfaserpakete in Städten kaum unterbieten, die für Hochgeschwindigkeitsdienste bei etwa 30 US-Dollar pro Monat liegen. Er hat zudem einem Zuschuss von 30 Millionen US-Dollar zugesagt, um 5.000 ländliche Schulen an kostenloses Hochgeschwindigkeitsinternet anzuschließen. Seine stärkste Trumpfkarte in ländlichen Gebieten und ein Angebot, das eine Regierung, die nur über eingeschränkte Ressourcen verfügt, nur schwer ablehnen kann.

Damit steht die Kampagne stark unter Druck: nicht nur durch Musk, sondern auch durch eine südafrikanische Regierung, die in der Vergangenheit bereits mehrfach unter dem Druck der US-Amerikaner nachgegeben hat. Dies zeigte sich deutlich auf dem G20-Gipfel, der im November 2025 in Johannesburg stattfand. Einem hochrangigen Beamten zufolge sabotierte Trump diesen Gipfel. Pretoria gab  daraufhin seine Agenda zur globalen Governance auf, um die Vereinigten Staaten zu beschwichtigen. 

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