Nachricht | L. Bluma u.a. (Hrsg.): Kontrollierte Arbeit - disziplinierte Körper?, Bielefeld 2012

"Wo steht die Geschichte der Industriearbeit? Diese Frage stellen Lars Bluma und Karsten Uhl dem von ihnen herausgegebenen Sammelband voran. Zu Recht konstatieren sie die Vernachlässigung dieses Themas in den letzten Jahren, vor allem hinsichtlich einer Erneuerung der methodischen Herangehensweisen."

Albrecht Franz, Historisches Seminar, Universität Heidelberg, rezensiert für H-Soz-u-Kult

Bluma, Lars; Uhl, Karsten (Hrsg.): Kontrollierte Arbeit - disziplinierte
Körper? Zur Sozial- und Kulturgeschichte der Industriearbeit im 19. und
20. Jahrhundert (= Histoire 27). Bielefeld: Transcript - Verlag für
Kommunikation, Kultur und soziale Praxis 2012. ISBN 978-3-8376-1834-1;
431 S.; EUR 35,80.

Er schreibt abschließend über den Band dessen Inhaltsverzeichnis hier online ist: "Insgesamt gelingt es dem Band, die thematische und perspektivische Vielfalt der Beiträge in ein Argument zu verwandeln. Denn gerade aufgrund der sehr verschiedenen Untersuchungsgegenstände gerät der Vorschlag, Rationalisierung und Humanisierung zusammenzudenken, sehr überzeugend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Nachweis über die Ambivalenz von Rationalisierung anhand von Quellen und Phänomenen gelingt, die bislang vor allem als Belege für Disziplinierung dienten.
Judith Rainhorns Beitrag zeigt, wie sinnvoll es sein kann, gerade auch die "klassischen" gewerkschaftlichen Quellen einer erneuten Analyse unter anderen Vorzeichen zu unterziehen. Erst der Rückgriff auf das Foucaultsche Theorie-Angebot macht diese Erprobung neuer Beschreibungsmodi außerhalb gängiger Interpretationsschemata der Industrie- und Arbeitergeschichte möglich. Zwar ist die theoretische Durchdringung der einzelnen Beiträge durchaus unterschiedlich, doch die gemeinsamen begrifflichen und theoretischen Bezugspunkte verleihen dem Band argumentative Kohärenz.
Den Herausgebern ist es allerdings nicht nur gelungen, nicht ganz neue
Zweifel an gängigen Erklärungsschemata der Arbeitergeschichte zu bestätigen. Das Verdienst des Bandes liegt auch darin, zahlreiche weiterführende Perspektiven aufzuzeigen. Hervorzuheben ist hier die an
vielen Stellen angedeutete Ebene der räumlichen Dimension betrieblicher
Ordnung, das heißt die soziale Dimension von Fabrikarchitektur.
Foucaults Thesen können auf diese Dimension von Raumordnungen zwar
hinweisen. Für die historische Analyse wären jedoch weiterführende
theoretisch-methodische Überlegungen nötig, etwa unter Rückgriff auf
Ansätze der Architekturtheorie. Die Beiträge dieses Bandes haben den 
historiographischen Nutzen derartiger Zugänge deutlich gemacht. Es ist der Geschichte der (Industrie-) Arbeit zu wünschen, dass weitere
Untersuchungen diesem Beispiel folgen."