Nachricht | Kachel: Sozialdemokraten und Kommunisten in Thüringen 1919 bis 1949, Köln etc. 2011

"Ungeachtet dieser Einwände hat Kachel eine sehr beachtenswerte Arbeit vorgelegt, die uns immense und zum Teil unbekannte Kenntnisse und Details über den politischen Aktionsradius der überwiegend in SPD und KPD organisierten Aktivisten der Arbeiterbewegung in Thüringen vermittelt."

Andreas Malycha rezensiert für das Online-Rezensionsjournal sehepunkte Ausgabe 12 (2012), Nr. 11

Steffen Kachel: Ein rot-roter Sonderweg? Sozialdemokraten und Kommunisten in Thüringen 1919 bis 1949, Köln / Weimar / Wien: Böhlau 2011, ISBN 978-3-412-20544-7

Malycha urteilt abschließend: "Kachel ist es gelungen, den Stellenwert regionaler politischer Prägungen und Netzwerke aus der Arbeiterbewegung der Weimarer Zeit für die politische Entwicklung Thüringens in den Jahren von 1945 bis 1949 überzeugend herauszuarbeiten. Der Nachweis, dass die politische Entwicklung in Thüringen nach 1945 im Unterschied zu anderen Ländern der sowjetischen Zone in "größerem Umfang" an Ziele, Mentalitäten und Prägungen der Arbeiterbewegung der Weimarer Zeit angeknüpft habe, ist ihm jedoch nicht gelungen. Der Verfasser stellt hierbei personelle Kontinuitäten in den Vordergrund und rückt gleichzeitig besatzungspolitische Direktiven sowie die politischen Zugriffsmöglichkeiten der Berliner Parteizentrale, zumindest bis 1948/49, in den Hintergrund. Diese Sicht kann nicht völlig überzeugen. Wenngleich die regionalen Politiker von SPD, KPD und wohl zunächst auch in der SED noch immer stark im Milieu der sozialistisch/sozialdemokratisch orientierten deutschen Arbeiterbewegung verankert waren, konnten sie die politische Entwicklung in Thüringen nicht von den Grundsätzen sowjetischer Deutschlandpolitik abkoppeln."