Nachricht | International / Transnational - Migration / Flucht - Europa / EU - Krieg / Frieden - Griechenland Nobelpreis für Festung Europa

Die Europäische Union erhält den Friedensnobelpreis, zugleich sterben an ihren Außengrenzen täglich Menschen in Not.

Während derzeit unter Mitwirkung zahlreicher EU-Mitgliedsstaaten Auslandseinsätze in Mali und Syrien vorbereitet werden und an den Außengrenzen der EU täglich durchschnittlich fünf Menschen aufgrund eines restriktiven EU-Grenzregimes sterben, erhält die EU den Friedensnobelpreis. Die RLS begegnete diesem Widerspruch mit einer Konferenz in Athen unter dem Titel «Europäische Migrationspolitik in Zeiten der Krise» vom 3. - 6. Dezember 2012.

Nach Untersuchungen vom Netzwerk Migreurop haben allein in 2011 2.000 Menschen und in den vergangenen 20 Jahren über 16.000 Menschen ihr Leben durch Ertrinken, Ersticken, Hunger, Kälte oder Suizid an den Außengrenzen der EU verloren. Diese Menschen weichen aus ihrer angestammten Heimat vor Überfischung, Landgrabbing oder Klimakatastrophen – allesamt durch den expansiven Lebensstil der Nordhalbkugel herbeigeführt. Menschen flüchten verzweifelt in Richtung Europa und werden von einer unmenschlichen, tödlichen Grenze abgehalten.

Neben einer stark besuchten öffentlichen Podiumsdiskussion unter Mitwirkung von MdB Sevim Dağdelen und MdEP Cornelia Ernst, beide DIE LINKE, standen Besuche in zwei überfüllten und den UN-Standards in keiner Weise genügenden Internierungslagern für Flüchtlinge am Rande Athens im Zentrum der Konferenz. Roundtable-Gespräche mit ExpertInnen und AktivistInnen beleuchteten die katastrophalen Auswirkungen der Dublin-Abkommen und den menschenunwürdigen Praktiken der FRONTEX-Maßnahmen, zeigten die Ausmaße der Migration auf, wiesen einen Anstieg von strukturellem und institutionellem Rassismus nach, erschlossen politische Zusammenhänge sowie Lösungsansätze für diese menschliche Dauerkatastrophe. Nur eine radikale Hinwendung zu internationaler Solidarität und die Anerkennung der tieferen Ursachen der Migrationsentwicklungen kann das Sterben beenden. Ein Friedensnobelpreis für die verantwortliche Institution jedoch nicht.

Zur ausführlichen Dokumentation auf www.rosalux.gr.

Mehr zu FRONTEX: http://www.europa-links.eu/fakten/frontex-und-die-europaische-migrationspolitik-176/