Nachricht | International / Transnational - Amerika Raum für linke Diskussionen

Büroeröffnung in Quito mit überwältigendem Echo

Vom 1. bis zum 3. Juni wurde das Regionalbüro für Bolivien, Ecuador, Kolumbien und Venezuela mit Sitz in Quito eröffnet. Sowohl der Empfang im neuen Haus der Stiftung als auch das anschließende Seminar an der Universidad Andina waren ein großer Erfolg. An allen drei Tagen waren die Räume überfüllt. Zum Empfang am frühen Abend des 1. Juni kamen etwa 180 Gäste, an dem Seminar nahmen an den folgenden beiden Tagen weit über 500 Personen teil. Diese hohe Resonanz belegte eindrucksvoll, welche großen Hoffnungen und Erwartungen an die Rosa-Luxemburg-Stiftung geknüpft sind.

Vor allem die Diversität der Gäste hat uns gefreut und darin bestärkt, einen Raum für plurale linke Diskussionen herzustellen: RegierungsvertreterInnen der drei links regierten Länder, linke Intellektuelle, VertreterInnen anderer linker Parteien, aus indigenen- und Frauenbewegungen, Schwule und Lesben, Vertreterinnen deutscher Stiftungen und Institutionen, die ganze Bandbreite zwischen Alt und Jung, mit Anzug und Krawatte, in Trachten, sowie in Jeans und T-Shirt. Die Eröffnung in Quito begann mit einem traditionellen Wasipichay, einer indigenen Zeremonie zur Hauseinweihung, die für gute Energien und die Harmonie mit der Pachamama (Mutter Erde) sorgt. Auf der Terrasse wurde ein Altar mit Gaben aufgebaut, das Haus mit Blumen und Rosenwasser gereinigt.

Miriam Lang eröffnete die Reden zur Büroeinweihung. Die Büroleiterin in Quito stellte die beiden thematischen Linien der Arbeit in der Region vor: die Suche nach eigenständigen Formen von Demokratie, die auf dem Einschluss von Minderheiten und bisher Ausgeschlossenen basieren, sowie die Suche nach alternativen Wirtschaftsmodellen jenseits der abhängigen Einbindung in den Weltmarkt durch den Export von Rohstoffen und Primärgütern.  Dr. Berger, deutscher Botschafter in Ecuador begrüßte die Rosa-Luxemburg-Stiftung in der Region als Ausdruck politischer Vielfalt,  Karin Gabbert, Leiterin des Referats Lateinamerika der RLS in Berlin erklärte das Konzept der Regionalbüros und die Zusammenarbeit in Lateinamerika, sowie den Bezug zu Rosa Luxemburg auf dem Kontinent. Jörg Schultz, stellvertretender Direktor des Zentrum für Internationale Zusammenarbeit und Dialog stellte die internationale Arbeit vor.  Norbert Schepers betonte für den Vorstand der RLS das große Interesse der deutschen Linken an Lateinamerika. Bodo Ramelow als Fraktionsvorsitzender Thüringen, stellte die Erfolge und Herausforderungen der Partei DIE LINKE dar.  Néstor Villafán aus Bolivien sprach für die Partner der RLS über das bereits gewonnene Vertrauen. Für die ecuatorianische Regierung betonte Guillaume Long im Namen des Planungsministeriums SENPLADES die hohen Erwartungen der ecuatorianischen Regierung an die Stiftung. Und Fander Falconí, ehemaliger Außenminister und aktuell Mitglied des Politbüros der Regierungspartei Alianza País, begrüßte die thematischen Linien der Stiftung als den politischen Notwendigkeiten angemessen.

Nach Happen und Getränken, die wegen des nicht vorhersehbaren großen Andrangs schnell knapp wurden, spielte die exzellente politische Salsa-Band Mala Maña  zum Tanz, der nur unter Protest beendet werden konnte. Denn am nächsten Tag stand morgens früh der Auftakt des zweitägigen Seminars über Demokratie, Partizipation und Sozialismus an der Universidad Andina bevor, zu dem  VertreterInnen aus Bolivien, Ecuador, Venezuela, Deutschland, Kolumbien und Kuba eingeladen waren Absicht war es, ein Forum für eine kritische Debatte über die vielfältigen linken politischen Prozesse in der Region zu bieten, sowie deutsche Erfahrungen vor allem aus der Geschichte des Realsozialismus beizusteuern. Bodo Ramelow, dessen an Ort und Stelle produzierter und daher viel Atmosphäre wiedergebender Bericht im Anschluss folgt, ist nicht der Einzige, der meint, dass das gelungen ist. Auf großes Interesse stießen auch die deutschen Erfahrungen. Einige linke Intellektuelle meinten zum Beispiel, der Vortrag von Jörn Schütrumpf sei der erste substantielle Vortrag in Ecuador über Rosa Luxemburg überhaupt gewesen, käme genau zum richtigen Zeitpunkt und sei gehört worden. Alle Beiträge werden noch in diesem Jahr als Publikation und online auf spanisch erhältlich sein. Sehen Sie hierzu bitte auf die zur Büroeröffnung installierte Homepage des Andenbüros: www.rosalux.org.ec