Nachricht | Lange: Massenstreik und Schießbefehl. Generalstreik und Märzkämpfe in Berlin 1919; Münster 2012

Ein Buch über den weißen Terror gegen das Berliner Proletariat im März 1919

Gerd Bedszent rezenisert

Dietmar Lange: Massenstreik und Schießbefehl. Generalstreik und Märzkämpfe in Berlin 1919. edition assemblage, Münster 2012, 176 Seiten, 19,80 Euro

Er schreibt: "Die Märzkämpfe des Jahres 1919 in Berlin sind als Bestandteil der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung bekannt. In vielen Arbeiten werden sie allerdings nur als Episode behandelt, stehen im Schatten anderer Ereignisse: der Novemberrevolution von 1918, der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg im Januar 1919, der Niederschlagung des Kapp-Putsches im März 1920.

In seiner kurz und knapp gehaltenen, aber außerordentlich informativen Darstellung »Massenstreik und Schießbefehl. Generalstreik und Märzkämpfe in Berlin 1919« arbeitet Dietmar Lange heraus, daß es sich bei dem Aufstand des Berliner Proletariats im wesentlichen nicht um den Versuch einer politischen Machtergreifung handelte, sondern um ein Aufbegehren gegen die in der Nachkriegskrise immer unerträglicher werdenden Lebensbedingungen und gegen den Vormarsch der Konterrevolution. Viele Arbeiterfamilien hungerten, während eine Minderheit von Kriegsgewinnlern Reichtum offen zur Schau stellte. Die Hoffnung ersterer lag ganz bei der von der Regierung versprochenen, aber nie verwirklichten Sozialisierung der Schlüsselindustrie. Bei einer Vollversammlung der in der Novemberrevolution entstandenen Arbeiterräte forderten viele Betriebsdelegationen, die Vergesellschaftung mittels Generalstreik durchzusetzen. Der wurde am 3. März schließlich ausgerufen."

Quelle: junge welt, 4.2.2013 / Politisches Buch / Seite 15