Nachricht | Unternehmen am Ende des "goldenen Zeitalters". Die 1970er Jahre in unternehmens- und wirtschaftshistorischer Perspektive, Essen 2008

Kim Christian Priemel, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder rezensiert auf www.sehepunkte.de

Morten Reitmayer / Ruth Rosenberger (Hgg.): Unternehmen am Ende des
"goldenen Zeitalters". Die 1970er Jahre in unternehmens- und
wirtschaftshistorischer Perspektive, Essen: Klartext 2008, 24,80 EUR

Das Ende ist nah. Und nirgends scheint es derzeit näher als in der boomenden Forschung zu den Siebzigerjahren. Ob das "Ende der alten Ordnung", das "Ende der Zuversicht" oder wie hier das "Ende des 'goldenen Zeitalters'" - zumindest ein Konsens scheint bereits erzielt, noch ehe die diversen gerade anlaufenden Projekte sich an ihren jeweiligen Themen abgearbeitet haben: Es ging eine Epoche zu Ende, und die darauffolgende brachte - zumindest für die Zeitgenossen - nicht wenige Enttäuschungen nach zweieinhalb Jahrzehnten wachsenden Wohlstandes, die zumindest die westliche Welt genossen hatte (ob diese Periodisierung auch außerhalb Europas und Nordamerikas relevant ist, scheint noch völlig offen). Wann genau sich dieser Umbruch zutrug, zählt zu den derzeit am meisten diskutierten Fragen. Doch auch hier zeichnet sich ab, dass eine präzise Bestimmung auf ein Epochenjahr à la 1914 oder 1945 wenig Wahrscheinlichkeit beanspruchen kann. Vielmehr erscheinen die "1970er" als ein breiter Zeitkorridor, der sich - je nach Problemstellung - von der Mitte der 1960er-Jahre bis weit in die 1980er-Jahre hinein erstreckt und somit genau genommen weniger einen Dekadenbegriff darstellt als eine Chiffre für eine Vielzahl zeitlich verdichteter, wechselseitig überlappender und einander beeinflussender Transformationsprozesse.
Für eine solche Lesart, soviel sei vorweg genommen, findet sich reichhaltiges Material in dem vorliegenden Sammelband, den Ruth Rosenberger und Morten Reitmayer sorgfältig ediert und mit einer ungemein anregenden Einleitung versehen haben.

Weiter auf: