Nachricht | Jahrbuch Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft 1/2013

Eine Annotation von Rainer Holze

Der 80. Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ist Schwerpunkt des neuen „JahrBuches für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung“. Am Beispiel von Bremen befasst sich Jörg Wollenberg mit der organisierten Arbeiterschaft zwischen Selbst-aufgabe, Zerschlagung und antifaschistischem Widerstand. Zwischen 1933 und 1945 sind in der Hansestadt allein über 500 Widerstandskämpfer zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Es waren vor allem Arbeiterjugendliche aus der KPD, die frühzeitig Kontakte zu Sozialdemokraten, zur bündischen Jugend und zu bürgerlichen Mitgliedern des „Vereins für Sport und Körperpflege“ (VSK) aufgenommen hatten. Die Illussion der „Volksgemeinschaft“, die in Wahrheit ein Konstrukt des Bündnisses zwischen Großindustrie und NS-Führung zur Unterdrückung der Arbeiter war, analysiert Karsten Heinz Schönbach. Das  Kapital profitierte davon, dass die Arbeiter vom faschistischen Staat ihrer sozialen Rechte, ihrer Parteien und Gewerkschaften beraubt und gesetzlich zur Gefolgschaft des „Unternehmers“ degradiert worden waren. Das neue JahrBuch bietet auch einen Beitrag zum Doppeljubiläum von Karl Marx in diesem Jahr, dem 130. Todestag und dem 195. Geburtstag. Peter Kurt Krüger gibt Einblick in das „geistige Labor“ des Philosophen, der sich auch in geologisch-mineralogische, agrikulturelle und chemische Studien vertieft hatte. Waltraud Seidel-Höppner mahnt die Historikerkollegen zu mehr Sorgfalt an. Gestützt auf deutsche und französische Archivquellen erbringt sie den Nachweis, dass die frühproletarischen Mitglieder des revolutionär-demokratischen „Bundes der Geächteten“, die 1838 einen neue Organisation ins Leben riefen, diesen „Bund für Gerechtigkeit“ genannt hatten und nicht, wie in der Literatur oft behauptet wurde und noch wird, „Bund der Gerechten“. Einer selten bearbeiteten Thematik widmet sich Peter Hübner: „Arbeiterbewegung und Technikkritik in Deutschland“. Spannend ist auch der Beitrag von Jörg Roesler über die Arbeiterbewegung in Argentinien unter dem Einfluss des Peronismus.

Quelle: Erstveröffentlichung in neues deutschland, 13./14. April 2013, (Geschichte)

JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 2013/I, 218 Seiten, br., 11 Euro, Jahresabo 30 Euro (3 Ausgaben); zu beziehen über die Redaktion, Weydinger Str. 14 – 16, 10178 Berlin

Rainer Holze lebt in Berlin. Er ist Redakteur der Mitteilungen des Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung.