Nachricht | JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft II/2013.

Rainer Holze annotiert in der Tageszeitung "Neues Deutschland" vom 29.06.2013 die neu erschienene Ausgabe des "JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung".

Annelies Laschitza und Eckhard Müller arbeiten seit geraumer Zeit mit Hochdruck an der Edition von zwei neuen Bänden der »Gesammelten Werke« Rosa Luxemburg mit bislang unveröffentlichten Texten. Im neuen »JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung« bietet Müller eine Kostprobe, stellt sechs Berichte der Berliner Politischen Polizei zu einem Vortragszyklus der deutsch-polnischen Revolutionärin und Theoretikerin im Herbst 1907 in Berlin vor. Diese zeigen »exemplarisch, wie Rosa Luxemburg anhand historischer Beispiele, ökonomischer und sozialer Zusammenhänge Sozialdemokraten bildhaft über Ursprünge und Funktionsweisen der kapitalistischen Wirtschaft aufklärte«. Abschließend äußert Müller die Bitte an all jene, die unbekannte Dokumente von oder über Rosa Luxemburg entdeckt haben, es die beiden Editoren wissen zu lassen.

Den Bogen zur Gegenwart schlägt Isabel Loureiro von der Universidade Estadual de Campinas in Sao Paulo. Sie zeigt, wie aktuell Luxemburgs Schrift »Die Akkumulation des Kapitals« für die sozialen Bewegungen in Lateinamerika ist. »Zur Differenz zwischen Marxscher Theorie und Wirtschaftspolitik in der DDR« legt Ulrich Busch eine ausführliche Studie vor. Der reale Sozialismus scheiterte gerade auch deshalb, weil er die Theorie von Marx nicht oder nur unzureichend anwandte und teilweise sogar in direktem Gegensatz zu dieser stand. Einen profunden Überblick über die kurze Geschichte der »Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit« (WASG) vermittelt Jochen Weichold.

Weitere Beiträge beleuchten Kontakte des britischen Sozialreformers Robert Owen zu Diplomaten und Politikern des Königreiches Sachsen Mitte des 19. Jahrhunderts (Jörg Ludwig) und die »Ideologie und Praxis der Fußballsparte im Arbeiter-Turn-und Sport-Bund 1919 bis 1933« (Rudolf Ostwald). Neue Erkenntnisse präsentiert ebenso der Aufsatz von Christian Chevandier über das Verhältnis zwischen französischen und deutschen Eisenbahnern während der deutschen Okkupation Frankreichs von 1940 bis 1944. Etwas verwundert ist man, in diesem Heft keinen Beitrag zu 150 Jahren SPD zu finden.

»JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung«. II/2013. 215 S., br., 11 € plus Porto, Bestellung an die Redaktion, Weydinger Str. 14, 10178 Berlin.