Nachricht | Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (Hg.): Was tun mit Kommunismus?! Kapitalismus, „real existierender Sozialismus“, konkrete Utopien heute, Münster 2013

Der Kommunismus „[...] ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht, / Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen. / […] Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig. / Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.“ Mit diesen Worten verteidigt Pelagea Wlassowa, die Mutter aus dem gleichnamigen Theaterstück von Bert Brecht, den Kommunismus gegen den Vorwurf der Herrschenden, er sei ein Verbrechen. Angesichts der historischen Erfahrungen in den von kommunistischen Parteien regierten Ländern Osteuropas hat die Gewissheit, der Kommunismus sei gegen Schmutz, Dummheit und Verbrechen bei vielen Menschen arg gelitten. Gleichzeitig bleibt die im Manifest der Kommunistischen Partei formulierte Vision von der Gesellschaft, in der die „[...] freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“ aller Wahrscheinlichkeit nach die letztlich unhintergehbare Kategorie emanzipatorischer Politik. Für neue Perspektiven linken Handelns bedarf es daher der ehrlichen Auseinandersetzung mit den historischen Erfahrungen der sozialistischen und kommunistischen Bewegung wie mit der Realität der sich sozialistisch nennenden Staaten.

Möglich, dass die Frage „Was tun mit Kommunismus?“ auf diesem Weg ein notwendiger erster Schritt ist. Auf alle Fälle bildete sie im Herbst 2011 den Ausgangspunkt für eine Veranstaltungsreihe in Berlin, in deren Rahmen Linke aus unterschiedlichen Zusammenhängen über ihre Sicht auf die geschichtlichen Siege und Niederlagen der Karl Marx folgenden Bewegungen und über die daraus zu ziehenden Lehren diskutierten. Schon die Tatsache, dass es die Plattform für eine solche Debatte gab, ist unter den gegebenen Bedingungen des Lobes wert. Dass die Beiträge der Veranstaltungen nun sogar in Buchform vorliegen und damit einem breiteren Publikum zugänglich sind, ist wertvoll.

Wie die Veranstaltungsreihe, so gliedert sich auch das vorliegende Buch in drei Teile, die sich jeweils einer Leitfrage widmen. Sie lauten:

  • „Wie war und ist das Verhältnis der Linken zum 'Realsozialismus'?“
  • „Wie sozialistisch war der 'real-existierende Sozialismus'?!“
  • „Raus aus dem Kapitalismus – aber wohin?“

Die komplette, von Florian Grams (Hannover) verfasste Besprechung ist als PDF verfügbar.

Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (Hg.), 2013: Was tun mit Kommunismus?! Kapitalismus, „real existierender Sozialismus“, konkrete Utopien heute. Unrast-Verlag, Münster, 388 S. 18,- €, (mehr)

Florian Grams. Geb. 1974 in Hildesheim, 1994 bis 2002 Studium der Geschichte und Germanistik. Doktorand bei Prof. Dr. Hartmut Griese an der Leibniz-Universität Hannover mit einer Arbeit zu „Edwin Hoernle – Zur Dialektik von biographischen Brüchen und bildungstheoretischen (Ver-) Wandlungen“. Arbeitsschwerpunkte: Geschichte der Pädagogik, Geschichte der Arbeiterbewegung und Geschichte der Eugenik. Er ist zurzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter von Agnes Alpers, MdB.