Nachricht | Wenzke: Ulbrichts Soldaten. Die Nationale Volksarmee 1956 bis 1971; Berlin 2013

"innovatives und hervorragendes Standardwerk" über "die Aufbau- und Konsolidierungsphase der NVA"

Matthias Uhl, Deutsches Historisches Institut Moskau, rezensiert für H-Soz-u-Kult

Wenzke, Rüdiger: Ulbrichts Soldaten. Die Nationale Volksarmee 1956 bis 1971. Berlin: Christoph Links Verlag 2013. ISBN 978-3-86153-696-3; 799 S.; EUR 49,90.

Uhl schreibt: "Wenzke hat jedoch mehr als eine reine Militärgeschichte der NVA in der Ära Ulbricht geschrieben. Ein besonderes Anliegen war es ihm, zu zeigen, dass die ostdeutschen Truppen ein Spiegelbild der DDR-Gesellschaft darstellten. Die Nationale Volksarmee war folglich kein Monolith, der aus "rotlichtbestrahlten" roboterhaften Parteisoldaten bestand. Zwar versuchte die SED-Führung zumindest das Offizierskorps auf Linie zu trimmen, doch bereits die Masse der Unteroffiziere und einfachen Soldaten blieb auch während ihrer Armeezeit in innerer Distanz zum SED-Regime und standen der allgegenwärtigen Propagierung des Feindbilds Bundeswehr durchaus kritisch gegenüber. Noch 1966 erklärte sich nach Untersuchungen der Politischen Hauptverwaltung der NVA nur knapp die Hälfte der Mannschaften bereit, im Ernstfall auf die Soldaten der anderen deutschen Armee zu schießen."
Abschließend urteilt er: "Wer sich mit den ostdeutschen Streitkräften im Kalten Krieg und vor allen mit deren Innenleben beschäftigt, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen."