Nachricht | DAS ARCHIV. Magazin für Kommunikationsgeschichte, Heft 3/2012, Kontrolle und Überwachung, Frankfurt/Main

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Wer zum ersten Mal ein oder mehrere Hefte des ARCHIV in der Hand hält, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das 1953 gegründete, und Anfang der 2000er Jahre komplett runderneuerte Magazin ist gut gemacht und enthält in der Regel flott geschriebene Beiträge. Es ist das Mitgliedermagazin der deutschen Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte (DGPT), dem nach Eigenangaben größten historischen Verein in Deutschland! Es hat 12000 Exemplare Auflage und ist nicht, wie es vielleicht bei dem Thema „Postgeschichte“ zu erwarten wäre, ein fades Vereinsorgan von spießigen Nerds, sondern ein durchgehend vierfarbig gestaltetes Magazin, das thematisch und vom historischen Zugriff her breit aufgestellt ist: Disziplinär finden sich sozial-, technik- und mentalitätsgeschichtliche, ja sogar nennenswert geschlechtergeschichtliche Zugriffe. Thematisch ist das Spektrum sehr breit. Es reicht von der Staatssicherheit über Arbeitsschutz bei der Post, vom Postzug und Postgebäuden bis zu Feldpost und den vielen Aspekten des Internet. Selbstverständlich wird auch klassisch über Post- und Fernmeldegebäude oder seltene Briefmarken berichtet. In der Mehrheit geht es aber mehr als nur zwischen den Zeilen um Menschen, (ihre) Arbeit, um Hierarchien, Konflikte, technischen und sozialen Wandel. Einen Eindruck geben die älteren Ausgaben, deren Inhaltsverzeichnissehier alle (samt vieler Volltext-Leseproben) einsehbar sind. Das Abonnement kostet für vier Hefte 22 EUR pro Jahr. Dieser niedrige Betrag wird nicht etwa durch Anzeigen der Atom- oder Automobilindustrie ermöglicht, wie z.B. in Organen der Sozialdemokratie wie etwa der Berliner Republik. Das ARCHIV ist vielmehr komplett anzeigenfrei. Eine finanzielle Förderung durch die Museumsstiftung Post und Telekommunikation, die auch Mitherausgeber ist, ist aber anzunehmen.

Es drängt sich die Frage auf, warum „die Arbeiterbewegung“ oder die Gewerkschaften nicht über solch ein Magazin verfügen, oder auch nur jemals in den letzten Jahrzehnten verfügten, Themen gäbe es ja mehr als genug.

Jedes Heft enthält Berichte aus der regionalen Arbeit der vielen lokalen „Postgeschichtsvereine“ und Berichte, die den Kommunikationsmuseen in Berlin, Nürnberg und Frankfurt zugeordnet sind. Das Museum in Hamburg wurde im Herbst 2009 geschlossen. Über andere Museen bzw. deren Sonder-Ausstellungen wird ebenfalls regelmäßig berichtet.

Das aktuelle, schon vor der NSA-Affäre konzipierte Heft ist anlässlich der Ausstellung Außer Kontrolle? Leben in einer überwachten Welt (mehr) entstanden, die ab 1. Oktober 2013 im Frankfurter Museum für Kommunikation und dann ab März 2014 im Berliner zu sehen sein wird. Es enthält unter anderem Artikel von Josef Foschepoth zur Fernmelde- und Postüberwachung in der frühen Bundesrepublik, zu Videoüberwachung und Biometrie, zu Postzensur in den beiden Weltkriegen und einen über den Anwalt Rolf Gössner als Ziel staatlicher Überwachung, v.a. durch den Verfassungsschutz.

DAS ARCHIV ist in sehr vielen Universitätsbibliotheken vorhanden (Standortliste).

Bernd Hüttner

DAS ARCHIV. Magazin für Kommunikationsgeschichte, Heft 3/2012, Kontrolle und Überwachung, Frankfurt/Main, 140 Seiten, 7 EUR