Nachricht | GK Geschichte Erste Impressionen von der 49. Linzer Konferenz der ITH zu „Domestic Work“

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Die 49. Linzer Konferenz der ITH hatte das Thema „Für eine globale Geschichte der Hausangestellten und des häuslichen Betreuungspersonals / Towards a Global History of Domestic and Caregiving Work“ und fand vom 12. - 15. September 2013 statt (geplantes Programm der Hauptkonferenz). Am 12. September fand erstmals in der Geschichte der ITH ein ganztägiger und internationaler Forscher_innenworkshop zum Thema der Tagung statt.

Vor Beginn der Konferenz wurden von der Versammlung der anwesenden Mitgliedsinstitute die wichtigsten Gremien der ITH neu bestimmt. Zu stellvertretenden Präsident_innen wurden gewählt Marcel van der Linden, Amsterdam, Susan Zimmermann, Budapest und David Mayer, Wien (die Gremien der ITH vor der Konferenz, Stand 13. September, Zugriff am 17.9.2013). Berthold Unfried, der Präsident der ITH, kündigte ebenso wie Winfried Garscha, seit 25 Jahren „Finanzminister“ der ITH, an, ab 2014 nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Als Themen der nächsten Tagungen wurden für 2014 „Zwangsarbeit“ und für 2015 „Arbeit und Nicht-Arbeit“ festgelegt und mit inhaltlichen Vorbereitungsgruppen versehen. 2015 wird die Tagung in Berlin stattfinden, am Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“ der Humboldt-Universität. Dies auch aus dem Grund, dass der Jägermayrhof in Linz als Ort in diesem Jahr wegen Renovierungsarbeiten nicht zur Verfügung steht.

Ein ausführlicher, von Dietmar Lange verfasster Konferenzbericht folgt demnächst an dieser Stelle.

Thematisch und personell war die Tagung mit Sicherheit ein großer Gewinn. Sie hat Impulse für einen wissenschaftlich-analytischen Ansatz geboten, der – durch Einbeziehung dieser ja eher „reproduktiv“ arbeitenden Hausangestellten und anderen häuslichen Betreuungspersonals (bestehend aus Frauen und Männern) – eine umfassendere Geschichtsschreibung arbeitender Menschen ermöglicht. Durch die Konferenz wurde die klassische, auf die Produktionssphäre konzentrierte Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung und der Arbeiterkultur erweitert um „Arbeit“ in der Reproduktionssphäre und Formen „affektiver“ und „emotionaler Arbeit“. Darin ist die Betreuung von Kindern und alten Menschen eingeschlossen. Historische Arbeitsregimes umfassen Lohn- ebenso wie Sklavenarbeit. Durch die Konferenz wurde ein – kleiner - Schritt auf dem weiten Weg zu einer neuen umfassenden, die Produktions- und Reproduktionssphäre einbeziehenden Geschichte von Arbeit und Arbeiter_innen in, vom Anspruch her: globaler Perspektive geleistet.

Inhaltlich verbleib die Hauptkonferenz jedoch oftmals additiv und wurde, so mein Eindruck, auch noch akademischer. Es lassen sich noch mehr als beim Meta-Thema „Global Labour History“ der letzten Tagungen viele Fragen stellen: Wie sieht die Überlieferung und Quellensituation für eine „globale Geschichte der Hausangestellten und des häuslichen Betreuungspersonals“ denn im Detail aus? Wer repräsentiert hier oder spricht hier für wen oder was? Was ist überhaupt der Gegenstand, bzw. sein Kern? Was ist innerhalb verschiedener Weltregionen und auch Zeiträumen überhaupt vergleichbar – auch wenn zugegeben, solche komparativen Ansätze auf der Tagung eher weniger zu finden waren? So verbleibt dann eher eine, auch durch die prinzipiell richtige Diagnose der gegenseitigen Verschränktheit von Herrschaftsverhältnissen, die bei diesem Thema ja augenscheinlich ist (Kapitalismus, Sexismus, Klassismus, Rassismus, Kolonialismus, etc.), mehr als ambivalente Vielfalt von Themen und Zugängen, die unvermittelt nebeneinanderstehen - und dem Kritiker den Satz „alles so schön bunt hier“ auf die Zunge legen.

In Linz wurde deutlich, dass der mehrmals auf der Tagung erwähnte „gap of transmission from scholars to social movements and social conflicts ” noch tief ist und reichlich Arbeit nötig ist, um zumindest kleine Brücken darüber zu bauen……

Zur Konferenz wird wie gewohnt im September 2014 ein Tagungsband mit ausgewählten Beiträgen erscheinen.

Bernd Hüttner

Linktipp: Research Network for Domestic Worker Rights. Neuster Rundbrief vom Oktober 2012 hier als PDF.

Bernd Hüttner ist Referent für Zeitgeschichte und Geschichtspolitik der RLS und seit 2009 Mitglied des internationalen wissenschaftlichen Beirates der ITH. Die RLS ist institutionelles Mitglied der ITH.