Nachricht | GK Geschichte Towards a Global History of Domestic Workers and Caregivers (Linz, 12.-15. September 2013)

Tagungsbericht zur 49. Konferenz der ITH (International Conference of Labour and Social History / Internationale Tagung der HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen) „Für eine globale Geschichte der Hausangestellten und des häuslichen Betreuungspersonals" vom 12. bis 15. September 2013 in Linz

 Von Dietmar Lange

 Mit ihrer 49. Tagung eröffnete die ITH einen neuen Tagungszyklus, der sich die Ausdehnung der Forschung zur Geschichte der Arbeit und der ArbeiterInnen über die klassischen Bereiche der industriellen Produktion hinaus auf die Hausarbeit und die reproduktive Arbeit zur Aufgabe stellt. Damit einhergehend soll mit diesem Zyklus auch ein Schritt hin zu einem neuen umfassenden wissenschaftlich-analytischen Ansatz unternommen werden, der sowohl die Produktions- als auch die Reproduktionssphäre in globalgeschichtlicher Perspektive einbezieht.

Die erste Tagung des Zyklus beschäftigte sich mit der globalen Geschichte von Hausangestellten in Privathaushalten, die nicht nur physische Tätigkeiten im Bereich der Reinigung und Nahrungszubereitung, sondern mit der Kinder- und Altenbetreuung auch dezidiert emotionale Dienste leisteten. Wie die Veranstalter zudem in ihrer Ankündigung schreiben, gehört die Arbeit in fremden Haushalten zu den ältesten überlieferten Arten von Arbeit für Andere überhaupt, die bis auf die frühesten Perioden der Urbanisierung zurückverfolgt werden kann und damit eine längere Geschichte besitzt als die Industriearbeit. Sie ist ebenfalls ein globales Phänomen, welches jedoch zugleich starke Variationen in unterschiedlichen Regionen und Arbeitsregimes aufweist und großen historischen Veränderungen unterliegt. Gemeinsame Ausgangsfrage war daher die nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen den Weltregionen einerseits und Früher Neuzeit, Industriezeitalter und postindustrieller Dienstleistungsgesellschaft andererseits.

In seiner Begrüßungsrede bemerkte ITH-Präsident Berthold Unfried, dass noch vor einiger Zeit ein solches Konferenzthema für die ITH undenkbar gewesen sei, galt doch die Zukunft der industriellen Lohnarbeit und die private Hausarbeit lange als ein im Verschwinden begriffenes Residuum vorindustrieller Verhältnisse. Thematisiert wurde diese daher zunächst aufgrund der engen inhaltlichen Verflechtung von der feministischen Bewegung und der Migrationsforschung. Seitdem deutlich geworden ist, dass mit der sogenannten "Globalisierung" und der Ausbreitung einer postfordistischen Dienstleistungsgesellschaft die private Hausarbeit keinesfalls ein historisches Relikt bildet, sondern unter veränderten Bedingungen eine Zunahme gerade in jüngster Zeit erlebt, stoße diese auch auf wachsendes Interesse in den Sozial- und Geschichtswissenschaften. Diese spezifische Forschungsgeschichte drückte sich auch in den Beiträgen und der Zusammensetzung der TagungsteilnehmerInnen aus, die zu großen Teilen den Bereichen der gender und postcolonial studies sowie der Migrationsforschung und der Alltags- und Mikrogeschichte entstammten und einen großen außereuropäischen, jungen und weiblichen Anteil aufwiesen.

In ihrem Eröffnungsbeitrag am ersten Abend zog Ally Shireen von der University of Witwatersrand in Johannesburg einen diachronen Vergleich zwischen drei zeitlich und räumlich getrennten scheinbar singulären gewaltsamen Vorfällen in Südafrika, denen jeweils die Beziehung zwischen Hausangestellten und ihren HerrInnen zugrunde lag. Alle drei Beispiele drückten demnach die Zusammengehörigkeit von Gewalt und Intimität aus, welche durch die spezifisch emotionale Beziehung in der Hausarbeit entstehe. Shireen nahm sie zudem zum Ausgangspunkt um das komplexe Verhältnis zwischen rassifizierten Arbeitsregimes und der politischen Ordnung der Souveränität im kolonialen Kontext zu analysieren. Gemeinsamkeiten bestanden jeweils in einer zugrunde liegenden kulturellen und humanen Zirkulation zwischen Metropolen und Kolonien und in der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Arbeitsregimes. Diese Feststellung wurde in die abschließende Forderung überführt, die Geschichte von Metropolen und Kolonien zusammen in enger Verschränkung zu erforschen und die "chinesischen Mauern" zwischen sowohl der europäischen und der Kolonialgeschichte als auch der gender und labour history zu überwinden. In der anschließenden Diskussion hob sie zudem hervor, dass ebenfalls die Mikrogeschichte einbezogen werden müsse, nicht um bestehende Kategorien aufzulösen, sondern um sie neu zu bestimmen und mit Menschen zu bevölkern.

Die erste Sektion unter dem Titel "Definitionen und Konzepte" am darauf folgenden Tag umfasste einen Überblick von Raffaela Sarti von der Università di Urbino zur Geschichte der historischen Forschung über die Hausarbeit sowie Studien zu regionenspezifischen und unterschiedlich institutionalisierten Formen derselben.

Der komplette Tagungsbericht ist im nachfolgenden PDF dokumentiert.