Nachricht | JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 3/2013

Der dritte Teil der diesjährigen Ausgabe des JahrBuchs enthält wiederum eine ganze Reihe von bemerkenswerten Studien und Beiträgen. Zum 100. Todestag von August Bebel präsentiert die bekannte Bebel-Forscherin Ursula Herrmann eine profunde Einschätzung der Lebensleistung ihres Protagonisten. Sie zeigt überzeugend, daß Bebel zu seiner Zeit der international bekannteste Arbeiterpolitiker war, hochgeachtet und von europäischem Rang. Er verkörperte eine ganze Epoche der Arbeiterbewegung, war u. a. Mitbegründer der deutschen proletarischen Partei auf revolutionärer, internationalistischer Grundlage und Mitgestalter ihrer Entwicklung zur marxistischen Massenpartei, Geburtshelfer der deutschen Gewerkschaftsbewegung, Vorkämpfer für die Gleichstellung der Frau und prägend bei Gründung und politischen Profilierung der Zweiten Internationale, anerkannt bei Freund und Feind als Personifizierung der Alternative zum junkerlich-bourgeoisen, militaristischen deutschen Kaiserreich.

Horst Klein würdigt die erstmalige Herausgabe der Korrespondenz der wichtigen sozialdemokratischen Theoretiker Eduard Bernstein und Karl Kautsky von 1891 bis 1932. Dieter Schiller beleuchtet die intensiven Bemühungen Willy Münzenbergs und seiner Genossen in der KPD in den Jahren 1921 bis 1933, sympathisierende Intellektuelle zur dauerhaften und aktiven Mitarbeit zu gewinnen. Wolfgang Hesse veranschaulicht das Wirken von im politischen Vorfeld der KPD organisierten Arbeiterfotografen. Heinz Deutschland stellt Hermann Duncker als Herausgeber der ersten Bände der »Elementarbücher des Kommunismus« vor, die vor 90 Jahren erschienen. Uwe Fuhrmann erinnert an den Stuttgarter Gewerkschafter Hans (Johannes) Stetter, Kurt Schilde an die durch Nazis 1933 in Berlin ermordeten Gewerkschafter. Weitere Beiträge befassen sich mit den Auffassungen Karl Liebknechts zum Strafvollzug (Volkmar Schöneburg), mit den Mitteilungen der Wiener Alfred-Klahr-Gesellschaft (Horst Klein), der Leipziger Louise-Peters-Gesellschaft (Susanne Schötz) und mit der neuen Datenbank der Friedrich-Ebert-Stiftung zu rund 1.000, von 1933 bis 1945 in Konzentrationslagern inhaftierten Funktionärinnen und Funktionären der Gewerkschaften (Marion Goers).

Rainer Holze , Redakteur der “Mitteilungen” des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Arbeiterbewegung

JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 2013/III, 235 Seiten, 11 Euro, ISSN: 1610-093X, Bezug: NDZ GmbH, Weydinger Str. 14-16, 10178 Berlin

Zuerst erschienen in junge Welt, 21. Oktober 2013, S. 15 (politisches buch)