Nachricht | Parteien- / Bewegungsgeschichte - GK Geschichte „Inflationsheilige“ und „Kohlrabi-Apostel“

Ausstellung "Lebensreform in Brandenburg 1890 – 1939" in Potsdam

Einfach. Natürlich. Leben. Lebensreform in Brandenburg 1890 – 1939“ ist das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung in Potsdam. In anschaulich geschriebenen Beiträgen zu den 15 Stationen dieser Ausstellung geben verschiedene Wissenschaftler*innen Einblicke in soziale Bewegungen einer Zeit, die unter vielen Aspekten sicher anders, aber an manchen Punkten auch ähnlich war wie heute. Auch damals zweifelten viele Menschen an einem Fortschritt, der auf Industrialisierung und Wachstum basierte. Die Lebensreformbewegung setzte dem vielfältige Utopien und praktische Alternativen entgegen.

Natürlichkeit wurde zu einem mehr oder weniger religiösen Ideal, verbunden mit regelrechten Kulten um Körperschönheit und Gesundheit. Freikörper-Kultur (FKK) und körperliche Ertüchtigung verbreiteten sich ebenso wie Naturheilkunde, vegetarische Ernährung und Reformpädagogik. Auf dem Land rings um Berlin entstanden Landkommunen und Genossenschaften, die sämtliche Lebensbereiche erneuern wollten. Neue Architektur und Gartengestaltung, Handwerk und künstlerischer Ausdruck sollten dem als normiert und künstlich empfundenen Stadtleben freiheitliche Alternativen entgegensetzen. Die politische Bandbreite dieser Sozialutopien reichte von links-sozialistisch und anarchistisch bis ganz weit nach rechts ins Völkisch-Nationalistische.

Das Land Brandenburg war ein Zentrum dieser Bewegungen. Heute bestehen nur noch drei der vorgestellten Projekte.


Die Betriebswirtin und Publizistin Elisabeth Voss hat die Ausstellung besucht. Die komplette Buch- (und Ausstellungs-) Kritik unten als PDF. Eine Kurzfassung erscheint in der Oktoberausgabe von CONTRASTE, der Monatszeitung für Selbstorganisation.