Nachricht | Ausstellung: Die Frankfurter Schule und Frankfurt (und Katalog, Göttingen 2009)

Johannes Platz, Köln, rezensiert für H-Soz-u-Kult das Buch (und die gleichnamige Ausstellung)
Boll, Monika; Gross, Raphael (Hrsg.): Die Frankfurter Schule und
Frankfurt. Eine Rückkehr nach Deutschland. Göttingen 2009, 304 S.; 24,90
EUR.
Er schreibt in seiner umfangreichen Besprechung: "Die Ausstellung, die das Jüdische Museum Frankfurt seit September präsentiert, wirft ein neues Licht auf die bereits gründlich erforschte Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, Heimstätte der kritischen Theorie sowie der Frankfurter Schule und entwickelt dabei einen neuen Blick auf die Institutionen- und Intellektuellengeschichte. Dabei werden keine großen Thesen wie die vermeintliche „intellektuelle Gründung der Bundesrepublik“ bemüht, sondern die Wirkung der Frankfurter Schule dargestellt, und zwar anhand des religiös-kulturellen Hintergrundes der Akteure, ihrer Erfahrungen im Exil und vor allem ihrer Beiträge zu einem Methodenwandel in der empirischen Sozialforschung.
(...)
Der Sammelband zur Ausstellung vertieft die angesprochenen Themenfelder
sinnvoll mit wissenschaftlichen Essays, die eher einführenden als erschöpfenden Charakter haben. (...) Einen besonderen Schwerpunkt legen die Aufsätze auf die Rekonstruktion des Bezugs der Frankfurter Schule zum Judentum. Dass damit lediglich ein Ausschnitt der kritischen Theorie beleuchtet wird und ihr theoretischer Paradigmenkern nicht getroffen wird, schmälert die Forschungsergebnisse in diesem Bereich nicht. Im Gegenteil, es ist ein ausgesprochenes Verdienst des Sammelbandes, hier für erste grundlegende Forschungen gesorgt, aber auch Forschungsdesiderate aufgezeigt zu haben. (...) Das intellektuelle Netzwerk der Frankfurter Schule wird in der Ausstellung ebenso rekonstruiert  wie die Beziehungen zu konkurrierenden und befreundeten Intellektuellen, bzw. ehemaligen Institutsangehörigen wie Herbert Marcuse, Franz L. Neumann und Otto Kirchheimer. Der Sammelband ist als Einführung in die Intellektuellengeschichte der Nachkriegszeit nachdrücklich zu empfehlen.