Nachricht | Deutsche / Europäische Geschichte - GK Geschichte Puff-Trojan/Compagnon (Hrsg.): Dada-Almanach. Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction, München 2016

...enthält in acht Abteilungen eine Sammlung von dadaistischen Texten, Couplets, Lautgedichten und Lamentos."

Information

Im Februar 1916, mitten im maschinellen Töten des ersten Weltkrieges, gründet sich in Zürich DADA – und breitet sich dann in andere Städte in Europa aus. Mit schrägen Happenings, schrillen Verkleidungen und provokativen Texte protestieren linke Theaterleute und exilierte SchriftstellerInnen gegen einen Wahnsinn, dem mit Vernunft nicht mehr beizukommen ist. Der Charakter von DADA bleibt uneinheitlich, denn die DadaistInnen sind entschlossen, kein neues, verbindliches Programm aufstellen zu wollen.

Dieses grafisch in Anlehnung an DADA mehr als originell gestaltete Buch (Eindrücke hier) enthält in acht Abteilungen eine Sammlung von dadaistischen Texten, Couplets, Lautgedichten und Lamentos. Es lässt die üblichen Verdächtigen zu Wort kommen: Hugo Ball, Richard Huelsenbeck, Emmy Hennings, Marcel Janco, Paul Eluard usw usf. Es enthält ferner reproduzierte Annoncen und im letzten Kapitel zehn zeitgenössische Manifeste. Zum Beispiel jenes, das am 14. Juni 1916 von Hugo Ball beim ersten Dada-Abend in Zürich verlesen wird und die „erste Dadarede in Deutschland“, die Huelsenbeck) im Februar 1918 im Saal der Neuen Sezession in Berlin vorträgt („Meine Herrschaften – so entstand der Dadaismus, ein Brennpunkt internationaler Energien“).

Die wertige Ausstattung und die anspruchsvolle, von H.M. Compagnon erstellte Gestaltung rechtfertigt den im Vergleich zum Umfang doch recht ansehnlichen Preis des Bandes. Biographien von insgesamt 13 DADA-AkteurInnen sowie Beschreibungen verschiedener DADA Metropolen (Zürich, Berlin, Paris) und Filialen (Belgien, Hannover, Köln usw.) schließen den Band ab.

Heute ist DADA in der Linken nahezu unbekannt, ja im Gegensatz dazu Bestandteil des bildungsbürgerlichen Kanons: Die vielen Ausstellungen und Jubiläumspublikationen werden im Bayrischen Rundfunk, der WELT und anderen Qualitätszeitungen zustimmend rezensiert. Dies und der Zustand der Welt wären Gründe genug für eine neue dadaistische Bewegung – eigentlich.

 

Andreas Puff-Trojan / H.M. Compagnon (Hrsg.): Dada-Almanach. Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction. Textbilder, Lautgedichte, Manifeste; Manesse Verlag, München 2016, 176 Seiten, 39,95 EUR


Max Upravitelev hat unter dem Titel Dada's not dead. Nachrichten vom Scheitern in Permanenz im Februar 2016 für die RLS eine Online-Publikation zum 100. Geburtstag des Dadaismus verfasst. Sein Text ist unter http://www.rosalux.de/publication/42119 einsehbar.