Nachricht | Deutsche / Europäische Geschichte - GK Geschichte Krampitz: „1976 – Die DDR in der Krise“, Berlin 2016

Der Versuch von Karsten Krampitz, die DDR-Geschichte auf eine neue Art zu schreiben, provoziert Reaktionen aus dem alten Apparat.

Andreas Rüttenauer bespricht in der TAZ vom 13. April 2016

Karsten Krampitz: „1976 – Die DDR in der Krise“. Verbrecher Verlag, Berlin 2016, 175 S., 18 Euro

Nein, reden wir hier nicht darüber, ob die DDR ein Unrechtsstaat war und wenn ja, wie sehr. Wie unsinnig eine derartige Diskussion ist, hat Horst Seehofer in diesem Winter gezeigt. Auch im vereinigten Deutschland der Gegenwart gibt es also Menschen, die das Unrecht herrschen sehen, weil es gerade nicht so läuft, wie sie es sich vorstellen. Es ist ja beileibe nichts Neues, die Welt so zu interpretieren, dass sie in ein bestimmtes Weltbild passt. Und weil es eben meist ein dominierendes Weltbild gibt, so ist es im speziellen Fall der DDR-Geschichtsschreibung so gekommen, dass die Geschichte meist vom Ende des Staats her erzählt wird. Aus Historikern werden dann nicht selten Ankläger, und die Apologeten der DDR, die die Geschichte vom Aufbruch eines deutschen Staates in eine antifaschistische, sozialistische Zukunft erzählen, sie kommen nicht so recht durch mit ihrer Sichtweise.

Ankläger und Apologeten – dieses Begriffspaar wählt Karsten Krampitz, um die Historiker, die sich mit der DDR-Geschichte befassen, einzuteilen. In seinen Augen gibt es hier ein Entweder-oder-Denken, das nur selten aufgebrochen wird. In seinem Buch „1976 – die DDR in der Krise“ versuchte er einen dritten Weg zu beschreiten, einen, der auch Bezüge herzustellen versucht zwischen den beiden Herangehensweisen. Es ist dies gewiss nicht der Versuch gewesen, sich mit der DDR zu beschäftigen in der Absicht, nur ja niemandem wehzutun. Und so verwundert es nicht, dass sich nach dem Vorabdruck einiger Kapitel des Werks im Neuen Deutschland umgehend zwei Protagonisten des zu Ende gegangenen Staats zu Wort gemeldet haben.

Die vollständige Rezension ist über den nachfolgenden Link erreichbar. Wir danken für die Erlaubnis zur Publikation.


Günter Benser kritisiert im ND vom 15.04.2016 das Buch von Krampitz: "Es gab kein historisches Vakuum". Eine Replik der Fallbetrachtungen von Karsten Krampitz über die DDR im Jahre 1976 (mehr). Krampitz stellt sich bei NDlive (22.-24. April 2016) der Diskussion (Sonnabend, 15:30 Uhr, Salon, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin).