Nachricht | Erinnerungspolitik / Antifaschismus - GK Geschichte KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hg.): »Euthanasie«-Verbrechen«. Forschungen

Band 17 der "Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland" ist erschienen

Die Morde an Menschen mit "Behinderungen" und psychischen Erkrankungen zählen zu den nationalsozialistischen Großverbrechen mit geschätzten 300 000 Opfern. Allerdings begannen die Ausgrenzungen und Diskriminierungen dieser Menschen weit vor 1933 und endeten auch nicht mit Kriegsende 1945.
Die Autorinnen und Autoren dieses Heftes thematisieren die Vielschichtigkeit und Komplexität der nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik sowie der Medizinverbrechen.

Aus dem Inhalt des aktuellen Heftes:
Herbert Diercks: „Euthanasie“-Verbrechen in Hamburg – ein Überblick
Marc Burlon und Lawrence A. Zeidman: „Euthanasie“ an Kindern in Hamburg: Das „Reichsausschuß“-Verfahren – von der Meldung zum Hirnpräparat
Hendrik van den Bussche: Die akademische Seite der „Kindereuthanasie“ während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit
Friedrich Leidinger: Vom Krankenmord zum Holocaust. Die Ermordung der polnischen Psychiatriepatientinnen und -patienten unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg
Thomas Irmer: „… sogenannte ‚asoziale Elemente‘ ebenfalls zur Vernichtung reif machen“. Das Berliner Arbeitshaus Rummelsburg und die NS-„Euthanasie“ 1940 bis 1942
Uwe Lohalm: „Es gibt in Deutschland sicherlich keine Stelle, die eine solche Menge brüchiger und unterwertiger Menschen mit einer so kleinen Schar von Stationskräften bewahrt.“ Zur Entwicklung der Staatlichen Wohlfahrtsanstalten in Hamburg 1933 bis 1945
Carola S. Rudnick: Den Opfern ein Gesicht, den Namen wiedergeben. Der wissenschaftliche und erinnerungskulturelle Umgang mit den sterblichen Überresten getöteter Kinder der „Kinderfachabteilung“ Lüneburg
Claudia Schaaf: Die „Psychiatrisierung“ von „Querulanten“ im Nationalsozialismus – ein Fallbeispiel
Friedrich Ernst Struwe: Die „Aktion T4“ und die Landesheilanstalt Neustadt in Holstein.

Der Dokumentationsteil des Heftes enthält u. a. einen Beitrag von Stephanie Endlich über Gedenk- und Informationsorte für die Opfer der „Euthanasie“-Morde und die Wiedergabe eines Podiumsgesprächs zu der Frage, inwieweit die Erinnerung an die „Euthanasie“-Verbrechen aktuelle medizinethische Diskussionen beeinflusst. In den „Meldungen“ informiert das Heft über aktuelle Entwicklungen in den Gedenkstätten und neue wissenschaftliche Projekte im norddeutschen Raum.

KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hg.): „Euthanasie“-Verbrechen. Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Heft 17, 248 S., 89 Abb., ISBN 978-3-8378-4053-7, 14,90 Euro, Edition Temmen, Bremen 2016