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Nachricht , : Tauschen, was gebraucht wird

Togoville, der letzte Tauschmarkt im urbanen Afrika

Wichtige Fakten

Autor
Roland Ngam,

Details

Tauschen, was gebraucht wird
Tauschen, was gebraucht wird CC BY-NC-ND 1.0, Grafik: ZOFF GbR & Riikka Laasko

Märkte gab es schon vor dem Kapitalismus. Doch in einer Welt, in der wir ständig von Konsumgütern umgeben sind und uns unablässig eingeredet wird, es gebe keine Alternative zum bestehnden System, wirkt diese Tatsache längst nicht mehr selbstverständlich. Die übermäßige Abhängigkeit von Markt- und Finanzkapitalismus ist in vielen afrikanischen Ländern, in denen die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nach wie vor hoch sind, ein schwer zu lösendes wirtschaftliches System. Bargeldbasierte Systeme und die Finanzialisierung grundlegender Dienstleistungen schließen zu viele Menschen vom Zugang zu gesunden und nahrhaften Lebensmittenl und Getränken aus.

Roland Ngam ist Projektmanager für Klimagerechtigkeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Büro Südafrika. 

Eine afrikanische Stadt, Togoville in Togo, geht jedoch einen anderen Weg. In Togoville gibt es einen Tauschmarkt, der auf eine über hundert Jahre lange Tradition zurückblicken kann. Zweimal pro Woche, am Samstag und Dienstag, herrscht auf diesem weitläufigen Markt reges Treiben: Menschen tauschen Lebensmittel, Waren und Dienstleistungen, ohne dass dabei Geld im Spiel ist. Hier gilt das Prinzip des Tauschhandels. Der Ursprung des Markts geht auf vorkoloniale Zeiten zurück, als Gemeinschaften aus den Flussebenen begannen, ihren Fang an festen Tagen anzubieten, im Tausch gegen Gemüse und Getreide von Gärtner*innen und Bäuer*innen. Der gesamte Ablauf stand unter der Aufsicht des Königs von Togoville.

Obwohl Transaktionen zunehmend von Bargeld auf digitale Zahlungsmittel umgestellt werden, ist das Tauschhandelssystem von Togoville nach wie vor erfolgreich. Laut König Mlapa IV verdankt der Markt seine Langlebigkeit und seinen Erfolg der Energie, Herzlichkeit, Fürsorge und Anteilnahme, die durch persönliche Begegnungen entstehen. Er betont, dass die Bevölkerung den Markt liebt, weil er garantiert, dass niemand hungrig nach Hause gehen muss. Diese Lebensauffassung bildet einen starken Kontrast zum kalten kapitalistischen Individualismus, der sich in vielen Gesellschaften etabliert hat. Togoville zeigt mit seinem Tauschmarkt, dass gemeinschaftlich getragene und demokratisch organisierte Prozesse eine tragfähige Alternative zu den heute weitverbreiteten Systemen darstellen.

 

Übersetzung von Claire Schmartz & Camilla Elle für Gegensatz Translation Collective.

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