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Nachricht , : Ein Gag ist noch lange keine Kunst

Harald Kretzschmar im Dialog mit Matthias Krauß in der RLS Brandenburg

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Hat die bildende Kunst im öffentlichen Raum so ziemlich ausgedient? Ganz von der Hand zu weisen wäre dies nicht, ist die Auffassung des Zeichners und Karikaturisten Harald Kretzschmar, der am 3. Februar 2015 in der Potsdamer Rosa-Luxemburg-Stiftung auftrat. Als Beispiel diente ihm nicht nur die Beseitigung vieler DDR-Kunstwerke aus dem Stadtbild in Potsdam, sondern auch das neue Landtagsschloss. Es schmücke sich zwar mitdem französischen Satz „Dies ist kein Schloss“. Doch: „Das ist ein Gag, aber keine bildende Kunst“, darauf bestand der Künstler. Und das gelte erst recht für die beiden Sanssouci-Kuppeln im Schloss-Innenhof, die er als „Pappmachè“ bezeichnete. „Dagegen verwahre ich mich.“

Kretzschmar, der nicht nur Künstler, sondern auch Kunstkritiker ist, verurteilte an diesem Abend auch eine von ihm wahrgenommene prinzipiellen Abwertung der DDR-Kunst: „Bei der kompromittierenden Verurteilung aller ‚Staatskünstler’ hat unsere offizielle Staatsdoktrin aus dem Blick verloren, dass bildende Kunst nie im Selbstlauf entstanden ist“, erinnerte er sein Publikum. Das könnten auch keine im Parteienproporz besetzten Kunstkommissionen ersetzen, wenn ihr die künstlerische Bildung fehle. Die gegenwärtige Abwertung aller DDR-Kunst zeige sich u. a. am Umgang mit dem künstlerischen DDR-Erbe auf der Burg Beeskow, die bislang vergeblich auf ein Archivgebäude wartet.

 

Zur beabsichtigten Abriss des aus DDR-Tagen stammenden Fachhochschul-Gebäudes unweit des Potsdamer Landtags bemerkte Kretzschmar, dieses Haus habe die baulichen Maße der danebenstehenden Nikolaikirche mit aufgenommen. „Von der barocken bzw. pseudo-barocken Umgebungsbebauung lässt sich das im Übrigen nicht behaupten.“

Was als „behutsame Annäherung an das historische Stadtbild“ nach 1990 in der brandenburgischen Landeshauptstadt ablaufe, nannte Kretzschmar eine „verhängnisvolle Entwicklung“. Es reduziere sich auf restaurative Bemühungen, die Feudalzeit zu verherrlichen. Das, was der Staat an Geld für Kunst erübrige, fließe zum größten Teil in die Kirchen. Die seien ihrer gesellschaftlichen Vormachtstellung um den Preis enthoben, dass der Staat sie an die erste Stelle der Geldempfänger gesetzt habe.

Im Publikum zur Sprache kamen an diesem Abend auch die auskömmliche Finanzierung vieler Künstler zu DDR-Zeiten. Davon könne heute für die meisten keine Rede mehr sein.

Wilfried Neiße, Potsdam

 

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