Bauhaus im Ural

Architektur und städtebauliche Denkmalpflege der Moderne als sozialpolitischer Auftrag in Russland und Deutschland – eine internationale Konferenz in Jekaterinburg im November 2007

Architektur und städtebauliche Denkmalpflege der Moderne als sozialpolitischer Auftrag in Russland und Deutschland – eine internationale Konferenz in Jekaterinburg im November 2007. Fällt der Begriff Bauhaus, dann denkt man wohl eher an Dessau, Weimar und Berlin als an Swerdlowsk, Orsk oder Solikamsk. Dennoch finden sich in den russischen Städten im Ural eine Vielzahl von Gebäuden ehemaliger Bauhausarchitekten.

Als eine der ersten Hochschulen für Gestaltung stand und steht das Bauhaus mit seinen Architekten und Designern für die Idee, Produkte und Räume zu schaffen, die dem Nutzen aller dienen und zu erschwinglichen Preisen erhältlich sein sollen. So ging es den Architekten z.B. nicht um aufwendiges Design und die Verwendung exklusiver Baustoffe beim Bau von Wohnungen und Häusern, um diese dann zu möglichst hohen Preisen vermieten zu können, sondern um die Idee des „Sozialen“ im Wohnungsbau.
Entwerfen für den ‚einfachen’ Menschen, das Miteinander der Mieter, Licht und Raum für alle Bewohner und die Liebe zum Detail als Antwort auf die durch die schnelle Industrialisierung entstehende Wohnungsnot der Arbeiterschaft. Unter Hannes Meyer, Bauhausdirektor von 1928 bis 1930, wurde die Optimierung aller notwendigen Bedürfnisse in Einheit mit künstlerischen Überlegungen praktiziert.

Dem Druck des erstarkenden Nationalsozialismus konnte diese Idee jedoch nicht standhalten. So emigrierten, auch unterstützt durch Einladungen von russischer Seite, mehrere Bauhausarchitekten in den 30er Jahren nach Russland. In den Ural führten sie dann Bauaufträge, vielfach aber auch die Stalinschen Repressionen. Hier trafen die Dessauer Architekten auf den russischen Wunsch nach einem sozialistischen Wohnungsbau und die meisten von ihnen konnten ihre Ideen zusammen mit russischen Kollegen weitgehend umsetzen –  öffentliche Räume und sozialen Wohnungsbau architektonisch gestalten.
Das vergessene oder verdrängte Erbe dieser Zeit ist jedoch heute zumeist in stark sanierungsbedürftigem Zustand. Leider gibt es im modernen marktwirtschaftlich orientierten Russland weder ein großes Interesse an der weiteren Unterstützung der damaligen Ideen, noch den Willen und das Geld zur Sanierung der in der damaligen Zeit entstandenen Gebäude.

Die internationale Konferenz sollte deshalb Rückblick und Ansporn zugleich sein.
Rückblick, um das nur gering verbreitete Wissen über Idee, Werk und Wirken der Bauhäusler aufzufrischen – Ansporn, um das Erbe zu erhalten und diejenigen zu unterstützen, die sich wehren gegen den fortschreitenden Verlust öffentlicher Räume und die  Privatisierung des Wohnungsbaus.
Ort der Konferenz war die Staatliche Akademie der Architektur und Künste in Jekaterinburg, so dass die Konferenz und die sie begleitenden Ausstellungen zusätzlich zu den geladenen Gästen auch von einer Vielzahl von Studenten besucht wurden. Außerdem stieß die Konferenz auf ein großes Interesse der russischen Medien. Neben zahlreichen russischen Experten nahmen von deutscher Seite Annemarie Jaeggi (Direktorin des Museums Bauhaus Archiv), Christiane Post (Kunsthistorikerin), Astrid Volpert (Kunsthistorikerin), Thomas Flierl (ehemaliger Berliner Kultursenator und Vorstandsmitglied der RLS), Winfried Brenne (Architekt) und Mark Escherich (Dozent an der Bauhaus-Universität) teil. Aus Holland reiste Ivan Nevzgodin (Architekturhistoriker und Dozent an der TU Delft) an.

Praktische Ergebnisse der Konferenz: Die beiden begleitenden Ausstellungen sollen nach Deutschland geholt werden, eine Buchveröffentlichung zum Thema ist geplant, die Konferenzergebnisse werden beim Petersburger Dialog und weiteren internationalen Foren präsentiert.

Eröffnung der Konferenz

 

Heutige Aufnahmen der Gebäude der Sozgorod Uralmasch aus dem Film »Das ungeschützte Erbe der Sozgorod Uralmasch«