Klimawandel – Internationale Strategien, regionale Folgen und lokale Auswege

Der dreitägiger Workshop im Solarzentrum Mecklenburg-Vorpommern brachte KlimaexpertInnen aus Wissenschaft, Politik und lokalen Initiativen zusammen.


 

Einführung

Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind mittlerweile zu einem Hauptthema in Medien und Politik geworden. Auch auf politischen Großveranstaltungen wie dem G8-Gipfel oder den EU-Ministertreffen wird der Klimawandel als Schwerpunktthema diskutiert. Endlich wird dabei auch nicht mehr in Frage gestellt, dass der vom Menschen gemachte Treibhauseffekt stattfindet. Vielmehr steht jetzt im Mittelpunkt der Diskussion, mit welchen Folgewirkungen des Klimawandels in den verschiedenen Erdregionen zu rechnen ist. Der vierte Bericht des UN-Klimarats IPCC machte deutlich, dass im Falle eines »Weiter so« bei Energieverschwendung und Verbrennung fossiler Energieträger mit einer Temperaturerhöhung von bis zu 6,4 Grad Celsius bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zu rechnen ist, was vor allem für Entwicklungsländer katastrophale Folgen hätte. Aber auch Industrieländer spüren die Folgen des Klimawandels bereits heute: die Zunahme von extrem heißen Sommern oder die Verschiebung Jahreszeit bedingter Warm- und Kaltwetterphasen hat Folgen, nicht zuletzt für die Land- und Forstwirtschaft.
Unter dem Titel »Klimawandel – Internationale Strategien, regionale Folgen und lokale Auswege« sollen auf einem Workshop der Rosa Luxemburg Stiftung in Wietow KlimaexpertInnen aus Wissenschaft und Politik mit Menschen aus Nicht-Regierungsorganisationen und lokalen »Klima-Zeugen« aus der Landwirtschaft zusammenkommen, um gemeinsam mit den anderen Teilnehmer/ innen über Fragen zum globalen Klimawandel, seinen regionalen Folgen und Möglichkeiten lokaler Lösungsstrategien zu diskutieren. Da die Tagung direkt im Anschluss an den G 8-Gipfel in Heiligendamm stattfindet, wird auch dieser Gipfel hinsichtlich seiner klima- und energiepolitischen Ergebnisse einer kritischen Bewertung unterzogen.
Der Tagungsort, das Solarzentrum Mecklenburg-Vorpommern in Wietow bei Wismar, eignet sich ganz besonders für Diskussionen zum Klimawandel: Vor Ort können die Teilnehmer/innen einen direkten Einblick in lokalen Klimaschutz am Beispiel Erneuerbarer Energiekonzepte erlangen.
Schwerpunkte
- Kritische Auswertung der G 8-Energie- und Klimastrategien
- Globaler Klimawandel und internationale Politikstrategien
- Regionale Auswirkungen des Klimawandels
- Strategien nachhaltigen Klimaschutzes – die lokale Energiewende
- Vorstellung des Solarzentrums Mecklenburg-Vorpommern Wietow und Besuch des Windparks Nach oben

 

Programm

Freitag, 8. Juni 2007:

17.00 Uhr Begrüßung und Einführung
Melanie Weber, Organisatorin des Workshops, Freie Universität Berlin, Projekt »Global Governance und Klimawandel«

17.30–19.30 Uhr Vorstellung Solarzentrum Wietow
mit Wolfgang Methling, PDS/LINKE MdL, Umweltminister in Mecklenburg-Vorpommern a. D. Mitinitiator und Schirmherr des Solarzentrums Wietow; Brigitte Schmidt, Solarzentrum Wietow mit Rundgang und Besuch im Windpark

Samstag, 9. Juni 2007:

9.30–12.30 Uhr Block 1: Globaler Klimawandel und internationale Politikstrategien
mit Bernd Brouns, Referent für Umwelt- und Energiepolitik, Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag; Damien Ludewig, Jugendvertreter des Deutschen Naturschutzrings

Mittagspause – Ausflug mit Solarmobilen

15.00–18.00 Uhr Block 2: Regionale Auswirkungen des Klimawandels
mit  Kristina Dietz, Freie Universität Berlin, Projekt »Global Governance und Klimawandel«; Andreas Bergmann, Öko-Landwirt, Referent für Landwirtschaft, Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag

anschließend Filmabend

Sonntag, 10. Juni 2007:

9.30–12.30 Uhr Block 3: Strategien nachhaltigen Klimaschutzes – die lokale Energiewende
mit Peter Schmuck, stellv. Projektleiter "Bioenergiedorf Jühnde"; Dorothee Keppler, Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin, Projekt »Die Energieregion Lausitz«

Mittagspause, danach Abreise

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Kurzzusammenfassung

Unter dem Titel „Klimawandel - Internationale Strategien, regionale Folgen und lokale Auswege“ startete am Freitag die Tagung der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Solarzentrum in Wietow, Mecklenburg-Vorpommern. Sie hatte zum Ziel, angeregt durch Impulsreferate, gemeinsam über Fragen zum globalen Klimawandel, seine regionalen Folgen und Möglichkeiten lokaler Lösungsstrategien zu diskutieren. So sollte in drei inhaltlichen Blöcken, erstens eine Einschätzung des Klimawandels weltweit und regional/lokal in Deutschland geleistet werden, zweitens sollte die derzeitige (internationale und nationale) Klimapolitik insbesondere mit Blick auf den zurückliegenden G8-Gipfel kritisch bewertet werden und drittens sollten lokale Klimaschutzinitiativen unter dem Stichwort „Strategien nachhaltigen Klimaschutzes - die lokale Energiewende“ nach ihrer Zukunftsfähigkeit ausgelotet werden. Der Freitag begann mit Beiträgen von Prof. Dr. Wolfgang Methling (ehemaliger Umweltminister in Mecklenburg-Vorpommern, jetzt MdL, Vorsitzender der Linkspartei.PDS-Landtagsfraktion und Schirmherr des Solarzentrums), Dr. Brigitte Schmidt und Dr. Dietmar Schmidt (Geschäftsführer des Solarzentrums Wietow). Dabei wurde das Solarzentrum als Teil einer größeren Strategie präsentiert, bei der 8 Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern bis 2030 ihre gesamte Energie aus Erneuerbarer Energie gewinnen wollen. Dazu hat das Solarzentrum, das 2003 eingeweiht wurde, bereits einen großen Beitrag geleistet. Träger des Solarzentrums ist die 1997 entstandene gemeinnützige Solarinitiative Mecklenburg-Vorpommern (SIMV). Prof. Methling verwies noch einmal auf das große Potential der Erneuerbaren Energien, und darauf, dass sich die LINKE noch stärker für eine nachhaltige Entwicklung engagieren müsse. Im ersten Themenblock am Samstag stellten Bernd Brouns (Referent für Energie- und Klimapolitik, Fraktion die LINKE im Bundestag) und Damien Ludewig (Jugendvertreter des Deutschen Naturschutzrings) die Ursachen des Klimawandels und den derzeitigen klimapolitischen Diskurs dar. Im Mittelpunkt standen die internationale Klimapolitik und dabei insbesondere das Kyoto-Protokoll und der darin verankerte Emissionshandel. Die Pro- und Kontra-Positionen zum Emissionshandel wurden dann in einem Rollenspiel diskutiert. Dabei wurde deutlich, mit welchen Argumenten die eine Seite marktökonomische Instrumente als Klimaschutzstrategie verteidigt während die andere Seite dies mit dem Argument der „Verpreisung der Nutzung der Atmosphäre“ grundsätzlich ablehnt. Im zweiten Themenblock am Samstag berichtete Kristina Dietz (Projekt „Global Governance und Klimawandel“, FU Berlin) von den Folgen des Klimawandels in Entwicklungsländern und stellte klar, dass der Klimawandel kein rein ökologisches Problem darstellt, sondern direktes Resultat der bestehenden sozio-ökonomischen, vermachteten Verhältnisse ist. Hiernach zeigte Andreas Bergmann (Öko-Landwirt, Referent für Landwirtschaft, Fraktion DIE LINKE. im Bundestag), dass der Klimawandel nicht nur in Entwicklungsländern sondern auch hier bereits massive negative Folgewirkungen für die Landwirtschaft bspw. in Brandenburg hat, denen nur begrenzt mit Anpassungsmaßnahmen begegnet werden kann. Am Sonntag stand dann die Frage im Mittelpunkt, mit welchen Strategien nachhaltiger Klimaschutz möglich ist, wobei den Erneuerbaren Energien wieder eine zentrale Rolle zukam. Das Beispiel der Umstrukturierung der Region Lausitz-Spreewald zu einer Erneuerbare-Energien-Region zeigt, das dies nicht immer auch auf lokalen Zuspruch stößt. Dorothee Keppler (Projekt „Die Energieregion Lausitz. Neue Perspektiven zur Nutzung und Akzeptanz von Erneuerbaren Energien“ am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin) hat in ihrem Projekt die Veränderungen in der Region Lausitz-Spreewald wissenschaftlich begleitet. Mit der Kohleregion Lausitz, die derzeit einen massiven Rückbau erlebt, wurde dabei ein Fallbeispiel für die wissenschaftliche Untersuchung gewählt, das bewusst keine Voreiterfunktion erfüllt, um bestehende Konflikte auszuloten. Im Vergleich zum Bioenergiedorf Jühnde, das von Prof. Peter Schmuck (Professor für Psychologie an der Georg-August-Universität Göttingen und stellvertretender Projektleiter des Bioenergiedorfes Jühnde), vorgestellt wurde, stellte sich heraus, dass die Beteiligung der Bevölkerung eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Projekten mit Erneuerbaren Energien spielt. In Jühnde war die Beteiligung der Dorfbevölkerung bei der Umstellung auf Erneuerbare Energien von Beginn an ein wichtiger Aspekt, wohingegen in der Lausitz v. a. große Energieanbieter wie Vattenfall vorherrschend sind und die lokale Bevölkerung wenig Anteil an den Planungen hat. In der abschließenden Feedbackrunde wurde von den TeilnehmerInnen besonders der Tagungsort hervorgehoben; so waren alle begeistert von der Gelegenheit, das Solarzentrum zu erleben bspw. durch Führungen durchs Zentrum und Besichtung eines Windparks. Melanie Weber, Juni 2007 Nach oben

 


 

Auszüge aus Audiomitschnitten - zum Reinhören

Die Tonqualität ist aufgrund technischer Mängel teilweise ein wenig eingeschränkt.