Elfriede Begrich

Und wenn es wahr würde? - Der Utopie einen Ort geben

Fünf Jahre Partei DIE LINKE. Fünf Jahre, die aufbauen auf jahrhundertealter Tradition und Menschenalter währender Sehnsucht. Es sind immer wechselnde Namen und immer die gleiche Utopie, der ein Ort gegeben werden muss: Damals in Jerusalem: Am Anfang war der christliche Kommunismus, das gelebte Grundmodell der Gemeinschaft:  omnia  sunt communia. Dieses Lebensmodell ist nie zum Schweigen zu bringen, Thomas Münzer hat es zum Leben erweckt in Thüringen und Ernesto Cardenal in Solentiname. In der scharfsinnigen Analyse von Karl Marx und der feinsinnigen Seele Rosa Luxemburgs haben die Ideen des gemeinsamen Lebens in  Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit  wieder und wieder Nahrung bekommen. Gut ausgerüstet mit den Erfolgen und Niederlagen, Jubelzeiten und Verletzungen dieser langen Generationenfolge kann DIE LINKE nun gestärkt und gut genährt ihren Weg weitergehen. Die ersten fünf Jahre unter diesem neuen Namen sind gegangen. Ein neuer Name ist wie ein neues Kleid. Es verändert den Menschen äußerlich und ein klein wenig nach innen. Auch DIE LINKE hat sich ein neues Kleid zugelegt, aber die inneren, ursprünglichen Werte dabei behalten, bzw. wiedergefunden. Und das ist gut so. Werte vom Anfang:

  1. Das Ringen um ein menschenwürdiges Leben auf dem Planeten Erde.
  2. Das Kämpfen und Mühen um Gerechtigkeit für den Menschen im eigenen Land.
  3. Die Sorge um die fortschreitende Zerstörung der Umwelt.
  4. Im Fernsten den Nächsten erkennen.
  5. Der zähe aber lautstarke Widerspruch gegen Waffengewalt und Kriegseinsätze
  6. Die hohe Sensibilisierung gegen neues Aufbrechen von rechter und nationalistischer Gewalt in den Köpfen und Fäusten, mit Worten und Bomben.
  7. Die deutliche Solidarisierung mit den Armen und Entrechteten.
  8. Die schonungslose Aufdeckung der zersetzenden und zerstörerischen Kapitalismusreligion, die ihren Gott im Mammon anbetet.
  9. Die Internationalität des kommunistisch - sozialistischen Gesellschaftsmodells.
  10. Den Blick auf die Geschichte von unten.                      

Was, wenn es wahr würde? Was, wenn die Utopie einen Ort bekommt, hier und jetzt. Was, wenn  DIE LINKE sich stellte den bekannten Fragen: Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir? Wo, wenn nicht hier?

Ich wünsche und erwarte von den Genossinnen und Genossen in der Partei DIE LINKE nicht weniger als dies: dass sie der großen Menschheitsvision Wege baut, Geländer legt und Treppen aushebt. Dass sie sich Partner und Verbündete für diese Aufgabe sucht.

Christinnen und Christen gehören zu diesen Partnern, denn noch immer gilt der Satz von Adolf Grimme: „Sozialisten können Christen sein, Christen müssen Sozialisten sein.“ Das Evangelium des Zimmermanns- und Gottessohnes Jesus aus Nazareth stellt den Christen   und die Kirche nach links, zu den Entrechteten und Gebeugten. Und wenn der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber die berühmte Stelle aus der Bibel: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ übersetzt mit den Worten: „Liebe deinen Genossen dir gleich, er ist wie du!“ dann wissen wir, dass wir Verbündete sind, Zusammengebundenen von höchster Stelle, die missglückte, fehlgeleitete und gott-und menschenfeindliches  Machtgebaren  in Gesellschaft und Kirche auseinandergerissen hat. 

Eine andere Welt ist möglich, nicht nur  nötig. Lasst uns Alternativen finden,  nicht nur danach suchen.  Sie sind vorhanden und wollen wie Schätze gehoben werden.  Die Menschen warten und sehnen sich nach neuen Wegen aus dieser zerstörerischen und ausweglosen Situation. Geben wir ihnen wieder Brot für Leib und Seele, geben wir der  Utopie eine Ort: Das  Deutschland des 21. Jahrhundert wird ein sozialistisches sein.  Es     wird zu seiner Schuld und Fehlentwicklung in der Vergangenheit stehen und aus diesem Eingeständnis frei werden für die Zukunft eines neuen Sozialismus, der sich  von den Wurzeln des ursprünglichen  Kommunismus  im reinsten Wortesinn nährt: die eine Menschheitsfamilie in Gerechtigkeit und Ehrlichkeit, in Liebe uns Versöhnung zueinander zu führen.

Der  Fragen, die bleiben:

  • Worin zeigt sich, dass  sich DIE LINKE  dieser ihrer Wurzel als Grund des Handelns und Ziel des Weges bewusst ist?
  • Aus welchen Quellen speist sie ihre Energie?
  • Wie behält sie die Menschen an der Basis im Blick und sucht den Kontakt und das Gespräch mit ihnen?
  • Welche Schranken in Gedanken und Grundsätzen sie zu überwinden, um die nötigen Schritte zu gehen, der Utopie hier den Ort zu geben, den sie braucht.

„Ein Land ohne Visionen geht zu Grunde“.

Das ist ein Satz  aus der Bibel.

Auch ein Motto für ein Parteiprogramm, dessen Ziel die  Veränderung der Gesellschaft zu einem neuen, menschenwürdigen Miteinander ist.

Elfriede Teresa Begrich, Pröpstin im Ruhestand Berlin im Juni 2012