Daniela Dahn

Frankreich rückt nach links und Deutschland streitet links

Wir leben in einer von Grund auf falschen Gesellschaft. Ihre Antriebskraft ist ein selbstbezogener Individualismus mit dem einzigen Ziel der ungehemmten Bereicherung.  Dieser Wachstumsfetischismus zerstört nicht nur die Natur, deren Vernutzung unseren Enkeln die Lebensgrundlage entzieht, sie zerstört auch den Einzelnen. Der sich diesen Zwängen eigentlich entziehen möchte, aber in der Funktionslogik des Systems gefangen ist, weil derjenige, der nicht mitspielt und mitwächst, nicht kompatibel, nicht konkurrenzfähig ist und herausfällt. Als einziges Regulativ gilt trotz permanenter Krise immer noch der freie Markt. Der Staat kann bestenfalls am Rande ein wenig ausbessern, denn sein Hauptzweck ist, Wachstum und Bereicherung zu gewährleisten.

Auf diese Zusammenhänge wird inzwischen immer mal wieder von bürgerlichen Politikern, Juristen und Wissenschaftlern hingewiesen – aber diese feuilletonistischen Einlassungen bleiben vollkommen folgenlos. Die einzige Partei, die sich die Herkulesaufgabe ins Programm geschrieben hat, diese inhumanen Mechanismen permanent ins Bewusstsein der Bürger zu bringen und sie langfristig zu durchbrechen, ist die LINKE. Sie ist die einzige, die das Erbe der französischen Revolution ernst nimmt und darauf verweist, dass die Güter der Erde allen gehören und Wohlstand auf Arbeit beruht. Wenn die LINKE nicht dran bleibt, bleibt niemand dran.  Deshalb ist sie unersetzlich.

Frankreich rückt nach links und Deutschland streitet links? Der Wähler muss sich fragen, wie jemand den großen Laden in Schwung bekommen will, der seinen kleinen Laden nicht im Griff hat. Die Partei hat ein Programm, das gut ist. Damit ist über die Richtung entschieden. Es ist höchste Zeit, persönliche Befindlichkeiten zurückzunehmen. Nicht nur, weil man der Partei durch diese Armutszeugnisse nicht besser schaden kann, sondern auch sich selbst, den Vertretern dieses zerstrittenen Haufens. Letztlich werden nur Wahlerfolge auch persönliche Erfolge bringen. Die Aufgabe lohnt. Nur Mut.