Portas abertas

Das RLS-Büro in São Paulo ist umgezogen. Am 28.2. war die Eröffnungsfeier.

Fünf Jahre hat das kleine Büro in der Rua Artur de Azevedo gute Dienste geleistet. Einladend, praktisch, sehr übersichtlich war das Domizil der RLS im brasilianischen  São Paulo – aber ohne die Möglichkeit, Veranstaltungen in den eigenen Räumen durchzuführen. Das ändert sich jetzt: Mit dem Umzug in das neue Büro verbessern sich nicht nur Arbeitsbedingungen für die fünf Ortskräfte und die Büroleiterin, sondern es gibt auch Platz für eine kleine Bibliothek und, das wichtigste, einen eigenen Veranstaltungsraum für bis zu 50 Personen.

Die neue Platzfreiheit wird vom ersten Tag an genutzt werden. Mit der Einweihung des Büros am 28. Februar ist eine Ausstellung über Leben und Werk Rosa Luxemburgs permanent zu sehen. Ab März werden dann regelmäßig die Türen geöffnet: „Unter dem Titel ‚Portas abertas’ haben wir ein Programm vorbereitet, das dazu beitragen soll, aus einem schönen auch einen lebendigen Ort zu machen, einen Ort der Begegnung und Diskussion.“, so die Büroleiterin Kathrin Buhl. Für das erste Halbjahr steht das Veranstaltungsprogramm bereits fest: regionale Integrationsprozesse in Lateinamerika, das Verhältnis zur Europäischen Union, die Frage des Rassismus 120 Jahre nach Abschaffung der Slaverei in Brasilien sind ein kleiner Ausschnitt aus dem breiten Themenspektrum.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist seit 2003 mit einem eigenen Büro in São Paulo vertreten. Neben den Aktivitäten in Brasilien werden von hier aus auch Projekte in Chile, Argentinien und Uruguay  betreut. Kathrin Buhl hierzu: „Wir unterstützen direkt die Arbeit von sozialen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen in der Region. Das sind Programme der politischen Bildung, die konzeptionell und organisatorisch in den Händen der jeweiligen Bewegungen liegen“. Das Büro beteiligt sich an inhaltlichen Diskussionen, begleitet die Durchführung und Evaluierung und leistet, wenn erforderlich, Unterstützung im administrativen Bereich. Gemeinsame Klammer dieser Programme sind die Themenlinien des Büros: Alternativen zum neoliberalen Modell, Partizipation und Menschenrechte. Konkret werden zum Beispiel Kurse für AktivistInnnen  der Landlosenbewegung in Brasilien und für lokale soziale Basisbewegungen in Rio de Janeiro angeboten.

In den verschiedenen südamerikanischen Ländern kooperiert die RLS dabei mit ganz unterschiedlichen Partnern: In Chile etwa arbeitet die Partnerorganisation ICAL mit GewerkschafterInnen zusammen, die eine Gewerkschaft für temporär Beschäftigte gegründet haben. In Argentinien geht es darum, den Ausverkauf natürlicher Ressourcen an internationale Konzerne zu verhindern. Der uruguayische Partner der RLS versteht sich als ein Diskussionsforum für unterschiedliche linke Kräfte: Fragen zivilgesellschaftlicher Partizipation spielen hier ebenso eine Rolle wie der Kampf gegen die Straflosigkeit der Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur.

Eigene Projekte – Seminare, Konferenzen, Austauschprogramme, Publikationen – sind das zweite Standbein des Regionalbüros. Hier sieht sich die RLS vor allem in der Rolle einer Impulsgeberin und Vermittlerin. „Als regionalpolitisch neutraler Akteur haben wir die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Menschen, Organisationen und Bewegungen zusammenzubringen, um z.B. Fragen des Verhältnisses zwischen Parteien und sozialen Bewegungen, Möglichkeiten und Grenzen von Projekten der solidarischen Ökonomie oder die Perspektiven von sozialen Sicherungsystemen zu diskutieren.“, so die Büroleiterin. Neben der Vernetzung innerhalb der Region ist auch die  Begegnung mit deutschen Akteuren ein wichtiges Anliegen – denn nicht zuletzt geht es bei der Arbeit in São Paulo auch darum, Erfahrungen aus der Region für linke Kräfte in Deutschland nutzbar zu machen und über Grenzen hinweg solidarische Netze zu knüpfen.

Das neue Büro der RLS bietet eine weitere Möglichkeit, die Arbeit sozialer Bewegungen und Organisationen zu unterstützen und zu vernetzen, indem diesen  Räume und Technik für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden können. Dabei sollen ganz unterschiedliche Formate angeboten werden: Diskussionen, Filme, Musik, Theater. Die Eröffnungsfeier selbst stellt dafür ein gelungenes Beispiel dar: neben der Ausstellung, einem (selbstproduzierten) Film über die Bedeutung Rosa Luxemburgs für das heutige Brasilien und einer szenischen Lesung von Briefen Rosa Luxemburgs werden Gäste aus Brasilien, Argentinien und Deutschland darüber debattieren, welche Rolle eine Stiftung mit dem Namen Rosa Luxemburg im heutigen Lateinamerika spielen sollte. Der kleine Garten vor dem Veranstaltungssaal, in dem diese Veranstaltung mit einer „Confraternização“ ausklingen wird,  ist ideal geeignet für Gespräche, für Begegnungen in den Pausen, vor und nach den Veranstaltungen.