Pressemeldung | Rosa-Luxemburg-Stiftung gibt Hans-und-Lea-Grundig-Preisträger 2015 bekannt

Auszeichnung geht an Video- und Performance-Künstlerin Olga Jitlina, eine Monografie über die Roma-Künstlerin Ceija Stojka und ein Projekt zur Architekturgeschichte

Information

Autorin

Ulrike Hempel,

Lea Hans Grundig 1928

Stiftung vergibt Hans-und-Lea-Grundig-Preis 2015

Die Auszeichnung geht an Video- und Performance-Künstlerin Olga Jitlina, eine Monografie über die Roma-Künstlerin Ceija Stojka und ein Projekt zur Architekturgeschichte.

Die russische Video- und Perfomancekünstlerin Olga Jitlina ist eine der Gewinnerinnen des mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Hans und Lea Grundig-Preises 2015. Die Petersburgerin wird für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Flucht und Migration gewürdigt. Die Auszeichnung geht zudem in zwei weiteren Kategorien an die Berliner Kuratorin Lith Bahlmann und den Journalisten Matthias Reichelt sowie an ein kollektives Forschungsprojekt der Bauhaus-Universität Weimar.

«Olga Jitlina verwandelt zentrale gesellschaftliche Themen der Gegenwart auf humorvolle Weise in eine originelle künstlerische Sprache», urteilte die Jury. Mit ihrem großen Interesse für das Leben der «kleinen Leute» stelle sie subtil und subversiv die Poesie des Lebens in Kontrast zum leeren Pathos der Machtausübung. Die Künstlerin hatte sich mit mehreren Arbeiten beworben, unter anderem mit dem Brettspiel «Russia, The Land of Opportunity». Es macht die Widrigkeiten erfahrbar, denen sich MigrantInnen aus dem postsowjetischen Raum im heutigen Russland gegenüber sehen. Ihr Videoclip «From the 90-ies to Richmond» artikuliert die Erfahrungen der Heimatlosigkeit russischer MigrantInnen in Amerika. In der Performance «The Bronze Horseman» wird das Umfeld des «Ehernen Reiters» in St. Petersburg von einer Brigade migrantischer Reinigungskräfte zunächst demutsvoll gesäubert und schließlich als Ort kollektiver Selbstvergewisserung angeeignet. (www.olgajitlina.info)

Lith Bahlmann und Matthias Reichelt erhalten den Preis für ihre kunsthistorische Arbeit «Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz» über die Künstlerin Ceija Stojka (1933-2013). Laut der Jury erfasst die dreisprachige Monografie erstmals umfassend das zeichnerische und malerische Werk der österreichischen Romni und vergrößert durch fundierte Recherchen und persönliche Zeugnisse das Wissen über den Genozid an Sinti und Roma. Stojka war als Kind in die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Bergen-Belsen verschleppt worden und verarbeitete bis in die 2000er Jahre hinein ihre traumatischen Erfahrung während des Holocaust in einem dokumentarischen Genre. (www.ceija-stojka-berlin2014.de)

In der Kategorie Kunstvermittlung fiel die Wahl der Jury auf das Projekt «Aus dem zweiten Leben. Dokumente vergessener Architekturen» von Studierenden und Lehrkräften der Fakultäten Architektur und Medien der Weimarer Bauhaus-Universität, koordiniert von der Architekturtheoretikerin Ines Weizman. Es umfasst neun Studien zu deutsch-jüdischen Exilarchitekten und verbindet historische Recherchen mit der Produktion von Filmen. Das Projekt stelle ein gelungenes Experiment in der universitären Lehr- und Forschungsarbeit dar, lobte die Jury. Künftig sollten weitere Situationen migrantischer Existenz von Architekten im 20. Jahrhundert erforscht und so der Architekturgeschichte der Moderne neue Seiten hinzugefügt werden. (www.uni-weimar.de/aus-dem-zweiten-leben)

Die Ausschreibung des Preises war auf ein enormes Interesse gestoßen. Eingereicht wurden über 260 Bewerbungen, darunter viele internationale Beiträge. Wegen der Dichte herausragender Arbeiten sprach die Jury mehrere besondere Anerkennungen aus, unter anderem für eine Fotoserie über Kohlekumpel im Donbass und für Beiträge zum NSU-Komplex. Der Jury gehörten neun PreisrichterInnen unter dem Ko-Vorsitz der Kunsthistoriker Eva Atlan (Frankfurt/Main) und Eckhart Gillen (Berlin) an.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung vergibt die Auszeichnung in Erinnerung an die antifaschistischen Dresdner KünstlerInnen Hans Grundig (1901–1958) und Lea Grundig (1906–1977) zum zweiten Mal. Sie hatte im Jahr 2011 die Preisstiftung von der Universität Greifswald übernommen und ein Jahr später den Preis erstmals verliehen. Er ging an Oliver Sukrow, der sich in seiner Masterarbeit mit der umstrittenen Funktion Lea Grundigs als Präsidentin des Verbandes der Bildenden Künstler der DDR von 1964 bis 1970 historisch-kritisch auseinandergesetzt hatte.

Die Preisverleihung ist für den 26. November 2015 in Berlin vorgesehen.

Ausführliche Informationen und Hintergründe finden Sie in der beigefügten pdf-Mappe sowie im Internet unter www.hans-und-lea-grundig.de sowie www.rosalux.de/news/41471  

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Thomas Flierl telefonisch unter (0172) 380 58 48 sowie per Mail an info@hans-und-lea-grundig.de zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrike Hempel

Rosa-Luxemburg-Stiftung
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