Publikation Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Wirtschafts- / Sozialpolitik Das Eigentum im Widerstreit alternativer Wirtschaftskonzepte (I)

Diskurs Heft 15. Streitschriften zu Geschichte und Politik des Sozialismus. Autor*innen: Dieter Janke, Horst Richter, Ulrich Busch, Hans-Georg Draheim, Eva Müller, Hans Luft, Gerhard Müller, Sarkis Latchinian, Hans-Georg Trost

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Erschienen

Januar 2003

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Herausgegeben von Rolf Emmrich, Dieter Janke und Eva Müller

Vorwort
»Eigentum bleibt nicht, was es war.«1 Mit dieser scheinbar banalen Feststellung eröffnet Jeremy Rifkin sein vieldiskutiertes Buch »Access«. Der Verlag versah es in seiner deutschen Ausgabe jedoch fälschlicher Weise mit dem irreführenden Untertitel »Das Verschwinden des Eigentums« und bediente damit einen Mythos, nach dem sich mit der derzeitigen technologischen und sozialökonomischen Umwälzung Eigentum und Aneignung für die wirtschaftstheoretische und politische Debatte marginalisiere beziehungsweise verflüchtige. Würde das Eigentum tatsächlich verschwinden, verlöre alle Ökonomie ihre Koordinaten. Es verschwindet jedoch keineswegs. Eigentum wird allerdings durch die unterschiedlichsten sozialökonomischen Prozesse, die Rifkin untersucht, anonymer.

Links-alternative Wirtschaftsanalysen und -konzepte dürfen dem damit verbundenen und mit dem Untertitel des Rifkinschen Bestsellers bedienten Mythos nicht verfallen. Im Gegenteil. Die Untersuchung des Eigentums muss eines ihrer zentralen Anliegen bleiben, will sie sich nicht aus dem aktuellen wirtschaftstheoretischen und -politischen Diskurs verabschieden.

Das Thema »Eigentum« hat bekanntlich eine immense Spannweite von der grundlegenden Theorie bis zu ganz praktischen aktuellen Auseinandersetzungen. Erinnert sei zum einen daran, dass in die theoretischen Debatten auch um das Parteiprogramm der PDS wieder die Marxschen Gedanken im Ersten Band des »Kapital« zu individuellem Eigentum und Gemeinbesitz eingeführt worden sind: »Aber die kapitalistische Produktion erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses ihre eigene Negation. […] Diese stellt nicht das Privateigentum wieder her, wohl aber das individuelle Eigentum auf der Grundlage der Errungenschaft der kapitalistischen Ära: der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel.«

Zum anderen ein Beispiel für die praktische Dimension des Gegenstands: In Leipzig ist es in den letzten Monaten in der Auseinandersetzung um die öffentliche Daseinsvorsorge und die Rolle des Kommunaleigentums zu einer Kampfabstimmung in der Stadtratsversammlung zum USA-Cross-Border-Leasing der kommunalen Wasserversorgungsanlagen gekommen. Beide Vertragspartner machen Eigentumsansprüche nach ihrem jeweiligen Landesrecht geltend; die hiesigen Befürworter solcher Geschäfte reden aber zugleich von »Rückkaufoptionen«, was ihre eigene Argumentation konterkariert.

Angesichts einer solchen Spannweite der Thematik ist es offensichtlich nicht möglich, in einer Veranstaltung das Thema umfassend zu behandeln, geschweige denn zu  erschöpfen. Die Beiträge des vorliegenden Heftes sind Annäherungen an das Thema und basieren auf Diskussionsbeiträgen eines Kolloquiums der Rosa-Luxemburg- Stiftung Sachsen e.V. am 12. April 2003.
Dieter Janke Leipzig, September 2003

Enthält:

  • Dieter Janke: Vorwort. (S.5-6)
  • Horst Richter: Karl Marx zum Begriff des Eigentums als ökonomischer Kategorie. (S. 7-16)
  • Ulrich Busch: Privateigentum. Kritik und Wege zu seiner Überwindung. (S. 17-33)
  • Hans-Georg Draheim: Der sozialistische Gedanke und die Eigentumsfrage. (S. 35-42)
  • Eva Müller: Das kapitalistische Eigentum und das Mehrwerteinkommen. (S. 43-62)
  • Hans Luft: Das Eigentum in den Agrargenossenschaften. (S. 63-69)
  • Gerhard Müller: Die Naturressourcen als gesellschaftliches Eigentum. (S. 71-78)
  • Sarkis Latschinian: Der Zusammenhang zwischen dem Eigentum am Erdöl und dem Irakkrieg. (S. 79-88)
  • Hans- Georg Trost: Die Eigentumsfrage in der Programmdebatte der PDS. (S. 89-100)
  • Autoren. (S. 101)
  • Weitere Hefte der Reihe »Diskurs«. (S. 103f.)

Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V., Leipzig, 2003, 104 S.

Kostenbeitrag: 3,50 €, Mitglieder 3,00 €

Bestellungen bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen unter: info@rosalux-sachsen.de, Tel: 0341-9608531

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