Publikation Geschichte Was ist des Deutschen Vaterland? 175 Jahre Hambacher Fest

Text der Woche 20/07 von Helmut Bock. Vorabdruck aus UTOPIE kreativ Heft 200, Juni 2007

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Autor

Helmut Bock,

Erschienen

Mai 2007

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Auf dem linken Ufer des Oberrheins, wo die Höhen der Haardt, auch Pfälzer Wald genannt, sich von Norden nach Süden zur französischen Grenze ziehen, liegt Neustadt mit seinen Weingärten am Fuß des Gebirgs. Dort sammelte sich in der sonntäglichen Frühe des 27. Mai 1832 eine riesige, ganz ungewohnte Menschenmasse. Nicht nur die Bewohner der rund 6 000 Seelen zählenden Kleinstadt, weit mehr Zuwanderer aus den Dörfern und Städten der Pfalz, aus noch ferneren Gegenden waren gekommen: Männer und Frauen aus vielen Staaten des Deutschen Bundes, den Königreichen Bayern, Württemberg, Preußen, Hannover und Sachsen, den Großherzogtümern Baden und Hessen-Darmstadt, dem Herzogtum Nassau, dem Kurfürstentum Hessen-Kassel, dem Stadtstaate Frankfurt, sogar aus dem französischen Elsass belebten den Marktplatz, die umliegenden Gassen, die zur Stadt führenden Straßen und Feldwege. Was in den Annalen deutscher Geschichte bislang nie zu berichten war: Sie alle – 25 bis 30 Tausend! – drängten sich unter den streng verbotenen Farben Schwarzrotgold.

Die altdeutsche Trikolore wehte an den Häusern, schmückte in Gestalt von Bändern und Kokarden die biedermeierlichen Frauenkleider, die Zylinderhüte der Bürger und Bauern, die Schirmmützen der Studenten, Handwerksgesellen und Tagelöhner. Es herrschten Frohsinn und Feststimmung, überall Händeschütteln, Schulterklopfen und Umarmungen. Musik, Gesang, auch Hochrufe ertönten, womit noch immer heranziehende Scharen und volksbekannte Gestalten begrüßt wurden: »HochWirth!« – »Hoch Siebenpfeiffer!« – »Es lebe Börne, der Verfasser der ›Briefe aus Paris‹!« Hier und da allerdings schlichen Polizeispitzel in der Menge, die ausgeschickt waren, ihren Staatsbürokraten anstatt eines friedlichen Volksfestes eine Demonstration arglistiger Aufwiegler und Landfriedensbrecher zu denunzieren.

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