Publikation Demokratischer Sozialismus - Gesellschaftstheorie Die Marktwirtschaft im Sozialismus

Beitrag zur Konferenz »Sozialismus im 21. Jahrhundert – Probleme, Perspektiven in Wirtschaft und Gesellschaft« (10./11.11.2006 in Berlin)

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November 2006

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Die Geschichte zeigt, dass die sozialistischen und kommunistischen Ideen im Laufe der Zeit entscheidende Veränderungen durchlaufen haben. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht die sozialistische Theorie vor der Herausforderung, die Essenz  des wissenschaftlichen Sozialismus im Sinne seiner Begründer zu bewahren, und sich gleichzeitig von einigen Vorstellungen zu verabschieden, die nicht mehr den aktuellen historischen Bedingungen entsprechen.

Es ist notwendig einen neuen Sozialismus zu konstruieren: einen Sozialismus des 21. Jahrhunderts, der es vermag, Antworten auf die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft zu geben. Immer stärker zeigt sich die Tendenz des Kapitalismus, einen Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen  Charakter der Produktion und der privaten Aneignung von Produktionsmitteln und Produkten der Arbeit herzustellen. Der Sozialismus bietet durch die Vergesellschaftung des Eigentums an den entscheidenden Produktionsmitteln eine Lösung dieses Widerspruchs an. Diese neue Gesellschaftsordnung kann nicht in einem einzigen Augenblick geschaffen werden, sie ist vielmehr das Resultat einer mehr oder weniger langen Periode des Übergangs. In diesem Vortrag möchte ich einige zentrale Aspekte erörtern, die die Wirtschaft in dieser Übergangsphase zum Sozialismus und in der neuen Gesellschaftsordnung betreffen.

In meinen Ausführungen werde ich deutlich machen, dass ich die Existenz marktwirtschaftlicher Elemente sowohl in der Übergangsphase als auch in der zu schaffenden neuen Gesellschaft als eine der Charakteristika des Sozialismus des 21. Jahrhunderts betrachte. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Marktwirtschaft von der ich spreche, einer staatlich gesteuerten Planung unterworfen ist und eine völlig andere  sozioökonomische Ausrichtung hat, als die des Kapitalismus. Meine Analyse stützt sich auf objektive und subjektive Faktoren, die die Ursachen für die Existenz der Marktwirtschaft in der Übergangsphase und im Sozialismus bestimmen. Diesbezüglich möchte ich unterstreichen, dass eine der wichtigsten Erkenntnisse auf diesem Gebiet darin besteht, dass der Aufbau des Sozialismus das Ergebnis einer bewussten Entscheidung der arbeitenden Bevölkerung darstellt, deren Wille sich in der zentral gesteuerten Planung der Wirtschaft manifestiert. Dem subjektiven Faktor der staatlichen Wirtschaftsplanung kommt eine  entscheidende Rolle beim Aufbau des Sozialismus zu. Die dem Kapitalismus innewohnende Anarchie und Spontanität des Marktes, muss im Sozialismus durch eine planvolle Wirtschaftspolitik abgelöst werden. Nichtsdestotrotz ist es unmöglich, den Sozialismus aufzubauen, ohne die monetären Beziehungen des Marktes und ihre entsprechenden Kategorien zu berücksichtigen. Diese müssen den strategischen Zielsetzungen und der Kontrolle der zentralen Planung unterworfen werden.

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