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Publikation : Patriarchat im Sozialismus? Nachträgliche Entdeckungen in Forschungsergebnissen aus der DDR

von Ursula Schröter und Renate Ullrich. Texte 24 der RLS

Wichtige Fakten

Reihe
Texte (Archiv)
Autorin
Ursula Schröter,
Erschienen
September 2005
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Nur online verfügbar
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Details

Das sozialistische Patriarchat in der DDR: Gehört es ein für allemal zum Teufel gejagt, oder darf es noch einmal in Ruhe betrachtet werden? Bietet es – allem Anschein zum Trotz – vielleicht sogar Stoff für Zukunftshoffnung? Wenn es der wirklichen – sprich: neugierigen – Kritik unterworfen wird?

Ursula Schröter und Renate Ullrich gestatten sich „nachträgliche Entdeckungen„ und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen. Die emanzipatorischen Grenzen des Modells sind bekannt – aber sind es auch die Unterschiede zum kapitalistischen Patriarchat? Was hatte es auf sich mit der im Familiengesetz verankerten Pflicht zur Arbeitsteilung in der Familie bei der Erziehung der Kinder? Was mit der These, dass es bei der Förderung der Familie und der Förderung der Frau um zwei gleichwertige – und gleichzeitig zu verfolgende – Forderungen gehen müsse? Die Rede in diesem Buch geht von gelebtem Leben, weit klaffenden Widersprüchen und so sachkundigem wie selbstbewusstem Rückblick.

Inhalt:

Vorbemerkungen zu den Absichten der Autorinnen

Kapitel 1

Frauenforschung in der DDR – Politische Aufträge, wissenschaftliche Institutionen und Konzepte

Kapitel 2

Ausgewählte Forschungsergebnisse, chronologisch dargestellt, Auswahlbegründung, Arbeit im Privathaushalt

Schlussbemerkungen

Literatur

Vorbemerkungen zu den Absichten der Autorinnen

Im Sommer 2000 erhielten wir von der Rosa-Luxemburg-Stiftung den Auftrag, ausgewählte Dokumente der soziologischen und kultursoziologischen Forschung der DDR rückblickend zu recherchieren und geschlechtsspezifisch auszuwerten. Nach der Analyse der so genannten SID-Hefte (Soziologische Informationen und Dokumentationen) und der so genannten S-Reihe (Reihe Soziologie) bezogen wir auch nicht-soziologisches Material in die Recherche ein. Vor allem analysierten wir die interdisziplinären Informationshefte des Wissenschaftlichen (Bei)Rates “Die Frau in der sozialistischen Gesellschaft„ und die Mitteilungsblätter der Forschungsgemeinschaft “Geschichte des Kampfes der Arbeiterklasse um die Befreiung der Frau„. Schließlich beschäftigten wir uns mit Dissertationen und Forschungsberichten, die beim “Wissenschaftlichen Rat für Soziologische Forschung der DDR„ archiviert wurden, sowie mit ergänzenden Informationen, Orientierungen usw. der DDR-Gesellschaftswissenschaften (bzw. für sie).

Wir betrachteten das historische DDR-Material sowohl im Lichte aktueller Veröffentlichungen und aktueller statistischer Daten zu den Geschlechterverhältnissen im gegenwärtigen Deutschland als auch im Lichte historischer bundesrepublikanischer Veröffentlichungen. Bekanntlich wurden Publikationen wie “Das Wunder drüben sind die Frauen„ (Commandeur u.a., 1965) oder “Gretchens rote Schwestern„ (Menschik u.a., 1974) weniger in der DDR, wohl aber in der alten Bundesrepublik heftig und kontrovers diskutiert und auch mit Gegen-Veröffentlichungen bedacht (Hübner u.a., 1986). Was die DDR-Frau “verwunderlich„ machte, war offensichtlich schon damals und ist auch heute eine schwer zu beantwortende Frage. Wertungen fallen nicht leicht. Wir haben deshalb nach der Recherche der genannten Dokumente im Mai 2004 und im Mai 2005 Interviews mit Prof. Herta Kuhrig – damals “wissenschaftlicher Sekretär „ des (Bei)Rates “Die Frau in der sozialistischen Gesellschaft„ – geführt, um zusätzliche Fakten und Zusammenhänge zu erfragen.

Wir konzentrierten uns bei unserem Vorhaben auf die in der DDR analysierten Geschlechterverhältnisse und auf ihr theoretisches und politisches Umfeld. Dabei ließen wir uns von zwei grundlegenden Fragen leiten: Erstens. Welche Forschungsfragen und welche Forschungsergebnisse zu den Geschlechterverhältnissen sind bis heute wichtig und insofern aufhebenswert (wären aufhebenswert gewesen)? Zweitens. Welche Fragen, welche Zusammenhänge fehlen aus heutiger Sicht? Damit ist unsere Absicht skizziert. Es geht uns um Zukunft, wenn wir uns mit Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen. Möglicherweise bieten Erkenntnisse und Erfahrungen über das sozialistische Patriarchat, über seine emanzipatorischen Grenzen, aber auch über seine Unterschiede zum kapitalistischen Patriarchat Anhaltspunkte, Anregungen – auch Warnungen – für neue Zukunftsüberlegungen.

Unsere “nachträglichen Entdeckungen“ sind in zwei Kapiteln dargestellt. Das erste Kapitel beleuchtet den politischen und theoretischen Hintergrund dieser Forschungen, soweit wir ihn ermitteln und erfragen konnten. Im zweiten Kapitel werden konkrete Forschungsergebnisse zitiert und referiert und wird begründet, warum wir uns zur Auswahl gerade dieser Ergebnisse entschlossen haben.

Wir befragen das historische und auch das aktuelle Material nicht (nur) als Betroffene, sondern als ehemals Beteiligte am alltäglichen und wissenschaftlichen DDR-Leben. Gerade deshalb, weil reflexive Kritik in jedem Fall auch als Selbstkritik zu werten ist, erlauben wir uns einen – wie wir meinen – sachgemäßen und selbstbewussten Rückblick.

Ursula Schröter und Renate Ullrich
Berlin, Juni 2005

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