Publikation Staat / Demokratie - Globalisierung Prekäre zwischen Bewegung und Gewerkschaften

Bericht von Veranstaltungen beim 1. Sozialforum in Deutschland und beim 28. Bundeskongress der BuKo 2005 (von Mario Candeias und Iris Nowak)

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Mario Candeias,

Erschienen

August 2005

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Bericht von Veranstaltungen beim 1. Sozialforum in Deutschland  und beim 28. Bundeskongress der BuKo 2005

Die klassische Funktion von Gewerkschaften ist es, eine Zersplitterung zu vermeiden, Kräfte zu bündeln, Verknüpfungen zwischenen unterschiedlichen Beschäftigten-Gruppen herzustellen. Tatsächlich können Gewerkschaften mit dem Umbruch in der Produktionsweise und der Differenzierung von Arbeitverhältnissen dieser Aufgabe immer weniger nachkommen. Ihre Strukturen beruhen in erster Linie auf der Vertetung von Beschäftigten in sog. Normalarbeitsverhältnissen – d.h. der dauerhaft, vollzeitbeschäftigten, mit umfangreichen sozialen Rechten ausgestatteten, häufig gewerkschaftlich organisierten, ›weißen‹, männlichen ›Arbeitnehmer‹ .

Dieser immer noch bedeutsame Torso eines klassischen Proletariats wird immer weiter eingeschränkt. Es entstehen neue Beschäftigtengruppen: hochqualifizierte flexibel, häufig in Projektarbeit beschäftigte Individuen, die kollektiven Interessenvertretungen skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen, und eine wachsende Gruppe prekär Beschäftigter mit geringer, oft nicht-existenzsichernder Entlohnung. Beide Gruppen werden durch die alten gewerkschaftlichen Vertretungsstrukturen und Kulturen nicht oder nur unzureichend repräsentiert. Umso stärker Gewerkschaften in ihren angestammten Hochburgen unter Druck geraten, desto mehr konzentrieren sie sich auf ihr ›Kerngeschäft‹ der Organisierung der Facharbeiter in großen Unternehmen. Doch gibt es Ansätze dieser Erosion gewerkschaftlicher ›Einheit‹ durch neue Verknüpfungen zwischen den Interessen von Kernbelegschaften, Kybertariern, Prekären und Arbeitslosen zu begegnen.

Der von der Rosa Luxemburg Stiftung organisierte Workshop ›Organisierung der Unorganisierbaren‹ beim I. Sozialforum in Deutschland am 23. Juli 2005 in Erfurt ging diesen Ansätzen und ihren Schwierigkeiten nach.

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