Publikation Globalisierung - Soziale Bewegungen / Organisierung - International / Transnational - Amerika Porto Alegre in Erfurt

Lateinamerikanische Beiträge zum ersten Sozialforum in Deutschland. Zusammengestellt von Ana Saggioro Garcia und Danilo Cerqueira César. Erhard Crome (V.i.S.d.P.)

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Erhard Crome,

Erschienen

August 2005

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Lateinamerikanische Beiträge zum ersten Sozialforum in Deutschland

Zusammengestellt von Ana Saggioro Garcia und Danilo Cerqueira César

Erhard Crome (V.i.S.d.P.)

Vorbemerkung

Der Kapitalismus ist gefügt in seinen Institutionen. Das Standard-Reden des Neoliberalismus, es gäbe keine Alternative, meint immer dies: das Handeln in den vorgegebenen Rahmen oder unter den gesetzten Bedingungen. Da soll es kein Ausweichen geben. Die Gesetzbücher und Gerichte, das Handelsrecht und die Zinssätze, die Amtsvorsteher und Raumplanungsbehörden, die Medien und die Professoren für Betriebswirtschaftslehre, sie alle haben ihren Platz in jenem Gefüge. Ausnahmen bestätigen die Regel und sind die Paradiesvögel der vorgezeigten Pluralität. Das Gefüge reproduziert sich selbst in diesem Sinne: dass die Welt so sein solle, weil sie so ist, wie sie ist, oder: so sei, weil sie nicht anders sein könne. Früher wurde das mit der Knute oder dem Rohrstock des Lehrers exekutiert, heute hat man dafür andere, subtilere Mechanismen; zumindest in den weltkapitalistischen Zentren haben submissive Mechanismen Vorrang vor repressiven. An der Peripherie dagegen wird schon mal gebombt.

Es heißt, die 358 reichsten Milliardäre der Welt „besitzen“ mehr als die Hälfte der Menschheit. Die Not der einen ist Bedingung des Überflusses der anderen. Das war schon immer so, könnte man sagen, das hat bereits Jesus Christus kritisiert, aber unter dem Kapitalismus hat es sich fortgesetzt und zugleich systematisiert. Das kann nicht so bleiben, sagten dann schon im 19. Jhd. Saint Simon, Weitling und Marx. Der Realsozialismus sollte eine Alternative bieten,  hat er aber nicht und ging 1989 unter, und so wähnte sich der Kapitalismus als Sieger der Geschichte: „Es gibt keine Alternative“.

Die Geschichte aber ist voller List. Der Kapitalismus produziert seine Gegenkräfte, seine Kritik immer wieder neu. Das kommt, weil die Freiheit auch eine soziale  Dimension hat. Wählen reicht nicht. Und die Todesstrafe ist auch in den USA nicht abgeschafft. Die wichtigste Kraft der Kritik ist seit etwa fünf Jahren, seit dem ersten Treffen, das Weltsozialforum und die von ihm ausgelöste globale Bewegung. Ende Januar 2005 fand im brasilianischen Porto Alegre das fünfte Weltsozialforum statt.

Jetzt hat diese Entwicklung auch in Deutschland Fuß gefasst. In diesem kleinen Sammelband finden Sie ausgewählte Beiträge lateinamerikanischer, insbesondere brasilianischer Autoren. Sie sollen die Debatten des ersten Sozialforums in Deutschland mit Perspektiven aus einem anderen Kontinent zu ähnlichen und gemeinsamen Problemen und Fragestellungen anregen. Diese Aufsätze wurden in den Arbeitszusammenhängen der Rosa-Luxemburg-Stiftung speziell für das Sozialforum in Deutschland ausgewählt.

Juli 2005

Erhard Crome

Inhaltverzeichnis

Erhard Crome: Vorbemerkung

Eduardo Galeano: Die Wässer des Oktobers

Ricardo Antunes: Arbeit und Prekarisierung in einer neoliberalen Ordnung

Isabel Loureiro: Zur Aktualität von Rosa Luxemburg

Emir Sader: Die Linke und die Regierung Lula

Laura Tavares Soares: Fragen der Planung einer Sozialpolitik: eine Synthese

Paulo Eduardo Arantes: Die letzte Runde