Publikation Geschlechterverhältnisse Haushaltsarbeit als Erwerbsarbeit - feministische Perspektiven?

Beitrag zur Tagung: Arbeitsverhältnisse im Kontext von "Diaspora, Exil, Migration" vom 5. bis 7. April 2002 in Berlin

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Erschienen

März 2001

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In deutschen Privathaushalten ist in den letzten 30 Jahren ein umfangreicher Schattenarbeitsmarkt entstanden: Teile der zuvor unbezahlt verrichteten Hausarbeit wurden gegen Bezahlung an Dritte weitergegeben. Über diese Arbeitsplätze im Privatbereich und über die dort tätigen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ist wissenschaftlich in Deutschland kaum etwas bekannt, obwohl das Ausmaß erheblich ist.

Ca. 1,1 Millionen Personen waren 1997 nach einer vorsichtigen Schätzung von Jürgen Schupp sozialversicherungsfrei in Privathaushalten tätig. Nur 38.000 Personen waren 1999 in der Sozialversicherung gemeldet. Nach Angaben aus dem Sozioökonomischen Panel (kurz SOEP) haben 2,6 Millionen private Haushalte im Frühjahr 1999 in Deutschland regelmäßig und ca. 1,5 Millionen Haushalte gelegentlich Arbeitskräfte beschäftigt. Die ostdeutschen Haushalte beschäftigten 1994 nur zu 2,7% Haushaltshilfen, im Gegensatz zu 13,9% Haushalten mit einem westdeutschen Haushaltsvorstand (dies hat Karsten Hank auf der Basis der SOEP-Daten berechnet). Es wird davon ausgegangen, dass die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten Frauen sind.

Thesen

  • Trotz erheblicher feministischer Bemühungen ist eine Veränderung der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in den privaten Beziehungen in Westdeutschland überwiegend nicht gelungen. Vielmehr zeichnet sich im Bereich der Hausarbeit eine verstärkte "internationale Arbeitsteilung", so Maria S. Rerrich (bereits 1993), unter Frauen ab. Damit geraten hier verstärkt Differenzierungen zwischen Frauen entlang der Kategorien "Ethnizität" und "Klasse" in den Blick.
  • Die im Haushalt entstandenen Arbeitsplätze reagieren auf die Notlagen zweier unterschiedlicher Gruppen von Frauen (Rerrich). Für Migrantinnen einerseits ist der Haushalt ein relativ geschützter Arbeitsplatz in der ersten Zeit der Migration. Für einheimische Frauen andererseits, die es sich leisten können, ist es eine Möglichkeit, fehlende Mitarbeit des Mannes oder fehlende Infrastruktureinrichtungen zu kompensieren. Es ist jedoch sowohl aus gesellschaftstheoretischer Blickrichtung als auch für politische Fragen sinnvoll, dies nicht als ein "Frauenproblem" zu verhandeln, sondern als eine Frage der gesamtgesellschaftlichen Teilung und Organisation von Arbeit.
  • Zu den gesellschaftspolitischen Perspektiven gibt es in der feministischen Diskussion unterschiedliche Positionen. Auf der einen Seite argumentiert Claudia Weinkopf (1997), dass die häuslichen Dienstleistungen ein interessanter Wachstumssektor sind und mit sozialpolitischer Unterstützung Frauenarbeitsplätze geschaffen werden können. Demgegenüber wird auf der anderen Seite von Christina Klenner und Brigitte Stolz-Willig (1997) die Sorge geäußert, dass dies zu einer Verfestigung der Spaltung in Karrieremöglichkeiten in hochqualifizierten Berufen für einige und der marginalisierten Erwerbstätigkeit im Haushalt für andere führt. Damit würden Unterschiede zwischen Frauen zementiert und das Dilemma mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Familie "nur vordergründig entschärft".

Zu den Personen

Claudia Gather und Hanna Meißner erarbeiten zur Zeit gemeinsam einen empirischen Forschungsantrag mit dem Thema Reinigungskräfte in Privathaushalten - Lebensläufe und Arbeitsverhältnisse in der Schattenwirtschaft. In dieser Untersuchung sollen die Lebensbedingungen, Lebensverläufe und Perspektiven von einheimischen und ausländischen Putzfrauen sowie ihre Arbeitsbedingungen untersucht werden.

Dr. Claudia Gather ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der FU Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Geschlechterverhältnisse und Arbeitsteilung im Erwerbsbereich und im privaten Haushalt. Sie ist Mitbegründerin und Aufsichtsrätin der Genossenschaft Weiberwirtschaft und Redakteurin der interdisziplinären wissenschaftlichen Zeitschrift Feministische Studien. Veröffentlichung, u.a.: Claudia Gather (1996): Konstruktionen von Geschlechterverhältnissen. Machtstrukturen und Arbeitsteilung bei Paaren im Übergang in den Ruhestand. Berlin: edition sigma

Hanna Meißner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der FU Berlin. Ihr wissenschaftliches Interesse richtet sich vor allem auf Fragen der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechterverhältnisses.