Publikation Demokratischer Sozialismus - Gesellschaftliche Alternativen - Transformationsforschung Überlegungen zum Charakter von Einstiegsprojekten

Beitrag zu den Thesen der Rosa-Luxemburg-Stiftung für das Seminar „Reform oder Revolution? Gesellschaftliche Konflikte, Konzepte, Akteure, Strategien des Kampfes gegen den Neoliberalismus“, Rio de Janeiro, Juni/Juli 2004

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Reihe

Artikel

Autor

Lutz Brangsch,

Erschienen

Juli 2004

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Beitrag zu den Thesen der Rosa-Luxemburg-Stiftung für das Seminar „Reform oder Revolution? Gesellschaftliche Konflikte, Konzepte, Akteure, Strategien des Kampfes gegen den Neoliberalismus“, Rio de Janeiro, Juni/Juli 2004

Bei diesen Texten handelt es sich um Arbeitsübersetzungen für den Seminargebrauch. In einer mehrsprachigen Buchpublikation, die weitere Texte umfassen wird und zum nächsten WSF in Porto Alegre vorgelegt wird, werden die Beiträge in ihrer Endfassung publiziert.Wir bitten darum, die Texte bis dahin nicht zu zitieren.

 

Schritte zur Veränderung von Realität tun zu wollen bedeutet immer, Entscheidungen darüber zu treffen, welche Aktionen man wie (in welcher Weise, mit welchen Methoden) wann (zu welchem Zeitpunkt bzw. in welchem Zeitraum) durchführt. Diese Übereinstimmung von WAS, WIE und WANN ist entscheidend dafür, ob die Politik eines Akteurs in der Gesellschaft verstanden wird, nachvollzogen werden kann und schließlich Menschen sich bereit finden, sich an diesen Aktionen zu beteiligen. Wenn man diesen Zusammenhang ernst nimmt, ergeben sich zeitliche und sachliche Strukturen sowie Wichtungen von Zielen und Aufgaben, die schließlich den Einsatz von zeitlichen und materiellen Ressourcen bestimmen müssen. Hierbei geht es bei der Wichtung nicht sosehr um die Feststellung, was wichtig und was nicht wichtig ist, sondern um die Bestimmung, was mehr oder weniger sinnvoll und möglich ist zu tun und welche Bedeutung langfristige Wirkungen der politischen Aktion haben bzw. haben sollen.

In der Praxis sehen sich Akteure allerdings immer wieder einer solchen Vielfalt von Anforderungen, von tatsächlichen Aktivitäten und Bedürfnissen gegenüber, die es schwer macht, die erforderlichen Wichtungen und Verbindungen zwischen verschiedenen Aktionen vorzunehmen. Resultat ist, dass Akteure, soweit sie sich nicht ohnehin als Ein-Punkt-Akteure profilieren, oft diffus wahrgenommen werden.

Das Konzept der Einstiegsprojekte soll ein Versuch sein, die Formulierung gesellschaftspolitischen Handelns unter ganz bestimmten Gesichtspunkten in dem dargelegten Sinne zu strukturieren. Das Konzept erfasst somit nicht alle Komponenten gesellschaftlicher Aktivität und Bewegung und schmälert keineswegs die Bedeutung der Vielfalt dieser anderen Formen. Es geht vielmehr darum, Fragen von Strategie und Taktik an der Schnittstelle von Theorie, sozialer Erfahrung und gesellschaftspolitischem Handeln zu diskutieren. Will man die Frage schematisch betrachten, sind Einstiegsprojekte unterhalb der Programmatik und oberhalb politischer Taktik einzuordnen. Sehr vereinfacht ausgedrückt vermitteln sie zwischen Strategie und Taktik wie auch zwischen Reform und Revolution. Obwohl die Formulierung derartiger Vermittlungen immer wieder in Aktionsprogrammen und dergl. versucht wurde, ist die eigene Qualität dieser Vermittlung nur wenig untersucht und charakterisiert.