Publikation Bildungspolitik - Globalisierung - Kultur / Medien - Soziale Bewegungen / Organisierung - Jugendbildung n/e NEURO--networking europe

Movements and technologies of the common. Ein Konferenzbericht von Ronald Höhner

Information

Reihe

Artikel

Erschienen

März 2004

Bestellhinweis

Nur online verfügbar

Veranstalter:

NEURO--networking europe

Termin:

26.-29 Februar 2004

Ort:

München

Konferenzwebsite (Infos, Programm, Anmeldung):

http://neuro.kein.org

Kontakt:

Ronald Höhner (RLS)

Tel.: 030 44310-149

e-Mail: hoehner@rosalux.de

 

Die Tagung wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt.

Vom 26.-29. Februar treffen sich in der Münchener Muffathalle Künstler, Filmemacherinnen, Musiker, Theoretikerinnnen und Aktivisten aus ganz Europa. NEURO steht für "Networking Europe": Nur einige Wochen vor der Osterweiterung der EU beschäftigt sich die Konferenz mit der Frage, wie transeuropäische Netzwerke politischer, sozialer oder künstlerischer Ausrichtung etabliert werden können und welche (Kultur-)techniken dafür zur Verfügung stehen. Gleichzeitig ist das Festival ein praktisches Experimentierfeld für politische Vernetzung und kreative Allianzen.

Konferenzbericht (von Ronald Höhner)

Europa hat an diesem Wochenende im Laborversuch stattgefunden. Ein Europa, das möglicherweise eine andere Politikform aufzeigt, die motivieren kann und funktionieren. Da kommen 200 Leute aus 35 Ländern nach München, präsentieren sich ihre Projekte, diskutieren miteinander, feiern eine Party und begegnen sich ganz einfach. Es wird viel geredet über konkrete Erfahrungen und Handlungsstrategien. 200 Menschen, die sich darin einig sind, dass diese Welt veränderbar ist und angefangen haben, es zu tun. Jede/r ist Experte und für alle gibt es einen Platz. Eine Gemeinschaft entsteht trotz unterschiedlicher Sprachen und Tätigkeitsfelder.

Es war keine theoretische Tagung über Netzwerke sondern praktizierte Vernetzung. Der Ort Muffathalle war mit seinem Industriecharakter hervorragend geeignet und für kurze Zeit wahrscheinlich der Ort mit der höchsten Elektrosmok-Konzentration in München. Handys, Laptops, Kameras, Beamer und Internet-Terminals waren allgegenwärtig. Videoprojekte aus Israel und Italien, das Online-Reiseführerprojekt „Mybrandenburg.net“ oder der „Kiosk für nützliches Wissen“ mit einer abrufbaren Sammlung von Interviews und Gesprächen - hier ist zumindest technisch die EINE Welt bereits Realität.

Offizieller Anlass des Treffens war der Relaunch des Internetportals „D-A-S-H.org“, eine Plattform für Initiativen gegen Rassismus und Ausgrenzung. Dazu war sogar Familienministerin Renate Schmidt angereist, um in einer mäßigen Rede das enorme Engagement der Bundesregierung zu betonen. Gleiches taten dann auch Offizielle aus Brüssel, der Stadt München und der Bundeszentrale. Als auf einer Leinwand neben den Zuschauern ein Video lief, das gewalttätige Ausschreitungen dokumentierte, haben die PolitikerInnen wahrscheinlich realisiert, dass die NEURO*-Netzwerkwelt und die Politik-Bühne schlicht Paralelluniversen sind und sich darauf beschränkt, eine gute Miene zu machen. Mit der D-A-S-H-Plattform, die im Internet anzusehen ist und zu der es auch eine Hochglanz-Werbung gibt, können sie sich als Finanziers zurücklehnen und ein „erfolgreiches“ Ergebnis ihrer Fördertätigkeit mitnehmen. Mit den Projekten, die die Plattform nutzen, werden sie wohl kaum etwas anfangen wollen.

Neben einer Projektbörse gab es ein umfangreiches Angebot an Diskussionen. In den zentralen NEURO-Talks kamen TeilnehmerInnen über den politischen Hintergrund ihrer Arbeit ins Gespräch. Da wurde viel über Negri gesprochen, über Technik und Technikfolgen gefachsimpelt und Fragen nach dem General Intellect oder der Bedeutung Neuer Medien diskutiert. Vertiefend fanden dazu Workshops, Vernetzungstreffen und Gespräche in kleinerem Rahmen statt. In anderen Formaten gab es Präsentationen alternativer Theater, VideoproduzentInnen und Radiosender über die Musikperformance des Projektes „Brothers/Sisters keepers“ bis hin zur Party mit Opensource-Musik frisch aus dem Netz gesaugt. Eine außerordentlich spannende Form waren Gespräche von je zwei TeilnehmerInnen unterschiedlichster Hintergründe über das jeweilige Netzwerkverständnis in einem Nebenraum, die live auf zwei riesige Leinwände übertragen wurden. Das Gespräch ohne Publikum lies viel Raum für Emotionen und „unkontrollierte“ Kommunikation und Wissensvernetzung.

Podium: The making of the general intellect: Everyone's on the road to prosperity and knowledge? Mit Dieter Schlönvoigt, RLS (2.v.r.), Christoph Spehr, Netzwerk (1.v.r.), Moderation: Susanne Lang, Netzwerk, (mitte)

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die die Veranstaltung finanziell unterstützt hat, war über das Jugendbildungsnetzwerk auf dieser Tagung auch inhaltlich präsent. Insbesondere der Workshop zu education in practice erwies sich als fruchtbar: 22 junge Menschen diskutierten ihre Alltagserfahrungen in der Erreichung von Zielgruppen, Formen der Zielgruppenarbeit und offene Konflikte. Zu diesen zählen öffentliche Mittel und damit verbundene effizienzzentrierte Evaluation, die ausschließende Wirkung moderner Technik und die mangelnde Dokumentation der bisher praktiziertern Ansätze. Das verfügbare Wissen wird nun via Internet zwischen USA, Italien, Spanien, Israel und Deutschland möglicherweise geteilt werden.

Arbeitsatmosphäre beim Workshop „education in practice“, Sonntag morgen. Söhnke Zehle moderierte den Gesprächskreis.

Solche lose erscheinenden Verabredungen wurden in München viele getroffen. Es war nicht wichtig, alle AkteurInnen kennen zu lernen und mit allen zu sprechen. Netzwerke funktionieren in überlappenden Teilbereichen und das ist ihre Stärke. Wenn ein paar der Verabredungen Wirklichkeit werden, dann hat die Tagung ihr Ziel erreicht. Ob man sich wiedertrifft, ist ungewiss. Auf jeden Fall bleibt die Gewissheit, man ist nicht allein und überall haben Leute angefangen eine andere Politik zu leben. Und weil alle Beteiligten wissen, dass Netzwerke ohne Verbindlichkeit nicht funktionieren können, gleichzeitig das Netzwerk aber notwendig ist, um diese andere Politik erfolgreich zu praktizieren, genau deshalb wird es funktionieren.

Presseberichte:

taz (1.3.04): Also alles selbst machen

FAZ (5.3.04): Digitale Dissidenten bei "Neuro - Networking Europe"

 

Telepolis (2.3.04): Networking Europe

Zündfunk (1,3,04; Bayern 2 Radio): Networking Europe

Programm der RLS:

 

  • Samstag, 28. Februar, 17 Uhr
    Im Rahmen der Konferenz „NEURO - Networking Europe"
    NEURO-TALK
    The making of the general intellect: Everyone's on the road to prosperity and knowledge?
    Mit
    - Dieter Schlönvoigt, rls;
    - Thorsten Schilling, Bundeszentrale für politische Bildung;
    - Ted Byfield, New York News School;
    - Valery Rey-Alzaga, Gewerkschafterin, USA;
    - Antonio Conti, Philosoph, Rom;
    - Jaqueline Ann Stevens, agoraXchange-online

    Moderation: Susanne Lang, Jugendbildungsnetzwerk bei der RLS

    Ort: Muffathalle, München


  • Sonntag, 29. Februar, 11 Uhr
    Im Rahmen der Konferenz „NEURO - Networking Europe"
    Workshop
    education today: information in formation?
    u.a. mit
    - Agnese Trocchi, Italien;
    - Raul Zelik, Berlin;
    - Ted Byfield, USA;
    - Valery Rey Alzaga, USA;
    - James Stevens, London;
    - Anat Radnay,
    - Christoph Spehr, Bremen
    und vielen VertreterInnen des Jugendbildungsnetzwerkes der RLS

    Ort: Muffathalle, München

  • Sonntag, 29. Februar, 14 Uhr
    Im Rahmen der Konferenz „NEURO - Networking Europe"
    Workshop
    technologies of the common

    Ort: Muffathalle, München