Publikation Soziale Bewegungen / Organisierung - Geschlechterverhältnisse - Migration / Flucht - Asien - Arabischer Naher Osten / Türkei - Türkei - Feminismus «Das nenn ich Solidarität unter Frauen!»

Die neue türkeistämmige Diaspora in Berlin. Deutschsprachige Kurzfassung und türkischsprachige Langfassung einer Bedarfsanalyse.

Information

In den vergangenen Jahren ist Berlin zu einem wichtigen Auswanderungsziel für türkeistämmige Personen geworden. Die Mehrheit dieser «Neuankömmlinge»[1] sind Personen, die direkt oder indirekt von der Politik des türkischen Staates, die gegen die Menschenrechte verstößt und universelle Rechtsprinzipien missachtet, betroffen waren, darunter sehr viele Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Medienschaffende und IT-Expert*innen.

Der vorliegende Bericht ist eine Kurzfassung einer Studie («Bedarfsanalyse»), die erstmals die Profile und Bedürfnisse von Migrant*innen aus der Türkei, die zwischen 2015 und 2018 nach Berlin gekommen sind, analysiert. Als Ergebnis der ersten umfangreichen Untersuchung in diesem Bereich kommt Bedarfsanalyse eine besondere Bedeutung zu.

Sie richtet sich vor allem an politische Entscheidungsträger*innen und Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen in Berlin.  Mit dem Bericht sind zwei Anliegen verbunden: Erstens sollten jene Personen, Organisationen und Parteien, die eine aktive Rolle bei der Inklusion der «Neuankömmlinge» aus der Türkei spielen, genauer über deren Bedürfnisse und Probleme informiert werden. Und zweitens sollen die «Neuankömmlinge» ihre Bedarfe selbstständig artikulieren können und bei der Entwicklung von Lösungen aktiv beteiligt werden.

Da an dieser Stelle vorrangig das Gesamtbild präsentiert werden soll, sind die Daten der Studie nicht im Detail aufgeführt, können aber einschließlich der Details zur Methode und empirischen Vorgehensweise in der Langfassung eingesehen werden. Die Bedarfsanalyse ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Verein PUDUHEPA e.V. und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. PUDUHEPA e.V. ist aus einer Gruppe Migrantinnen hervorgegangen, die seit 2015 nach Berlin eingewandert sind.[2]

Die neue Diaspora in Berlin: solidarisch und kosmopolitisch

Die autoritäre Politik der türkischen Regierung hat in den vergangenen vier Jahren zu einer neuen Migrationsbewegung aus den türkischen Metropolen nach Europa geführt. Berlin gehört zu den attraktivsten Städten für Menschen, die die Türkei verlassen. In der Hauptstadt suchen sie nach Freiräumen, eine neue Existenz aufzubauen. Doch wer sind diese Neuangekommenen? Aus welchen sozialen Milieus kommen sie? Wie ist ihr Rechtsstatus in Deutschland? Mit welchen Problemen sind sie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei der Suche nach Schulen für ihre Kinder und der Gesundheitsversorgung konfrontiert? Vor welchen Barrieren stehen sie, weil sie noch nicht so gut oder kein Deutsch sprechen? Und: Wie könnten die Inklusionsansätze auf städtischer Ebene verbessert werden?

Die neu gegründete türkeistämmige Fraueninitiative PUDUHEPA e.V. hat in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf der Grundlage einer statistischen Erhebung und zahlreicher Interviews mit Neuankömmlingen aus der Türkei eine Bedarfsanalyse durchgeführt, um Antworten auf diese Fragen zu finden, Problembereiche zu definieren und Lösungsansätze vorzuschlagen.

Im Rahmen der öffentlichen Podiumsdiskussion«Die neue Diaspora in Berlin» stellen die beiden Mitbegründerinnen von PUDUHEPA und Autorinnen der Studie, Tuğba Kıratlı-Spriewald und Belma Bağdat, die Ergebnisse der Studie am Mittwoch, den 22. Mai ab 19 Uhr in der taz-Kantine in Berlin vor. 


[1] Wir verwenden den Ausdruck „Neuankömmlinge“, weil die für diese Studie befragten Personen sich selbst so bezeichnen.

[2] PUDUHEPA e.V. – Fraueninitiative für Solidarität besteht aus Frauen, die aufgrund der Repressalien in der Türkei nicht mehr dort leben können und nach Deutschland gekommen sind, um sich mit den hier bereits lebenden Frauen aus der Türkei zu solidarisieren. Das Zentrum der Initiative ist in Berlin. Zu der Zielgruppe der Initiative gehören Frauen, Kinder und LGBTI-Menschen. Die Initiative setzt sich für das Recht des Individuums ein, das Leben zu leben, welches er bevorzugt. Zu diesem Zweck gründet die Initiative ein Solidaritätsnetzwerk, beteiligt sich mit kulturellen Veranstaltungen am interkulturellen Dialog, macht auf Probleme ihrer Zielgruppe aufmerksam, um so ein Bewusstsein zu schaffen, arbeitet direkt mit Frauen zusammen und entwickelt Projekte entsprechend ihren Schwerpunkten.