Publikation Gesellschaftliche Alternativen - Sozialökologischer Umbau - Klimagerechtigkeit Energiedemokratie

Grundlage und Perspektive einer kritischen Energieforschung

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Reihe

Studien

Autor/innen

Matthias Naumann, Laura Weis, Sören Becker,

Erschienen

März 2015

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Spätestens seit der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 ist die Energiewende in der Bundesrepublik beschlossene Sache. Von der CDU bis zur Partei DIE LINKE befürworten alle im Bundestag vertretenen Parteien das Projekt. Neben der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energieträger beinhaltet die Energiewende dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zufolge den Ausstieg aus der Atomenergie sowie die Steigerung der Energieeffizienz (BMWi 2014). Das Ministerium begreift die Energiewende als «Weg in eine sichere und saubere Zukunft». Trotzdem ist die Umsetzung der Energiewende alles andere als unumstritten: Soll die Energieversorgung der Zukunft weiterhin durch die großen Energiekonzerne erfolgen, oder sollen dezentrale Akteure wie Genossenschaften und Stadtwerke diese langfristig ersetzen? Brauchen wir neue Hochspannungsleitungen, oder erzeugt in Zukunft jeder Haushalt seinen eigenen Strom? Sollten wir auf den Feldern Biodiesel anbauen oder lieber ganz aufs Autofahren verzichten? Kann und soll der Klimawandel im Rahmen eines kapitalistischen Wirtschaftssystems bearbeitet werden, oder brauchen wir grundsätzliche Alternativen?

Hinter jeder dieser Fragen verbergen sich unterschiedliche gesellschaftliche Akteure mit ihren jeweiligen Interessen, Idealvorstellungen und Werten: Während die Energiekonzerne große Offshore-Windparks vor der Küste bauen möchten, setzen Energiegenossenschaften oder Bioenergiedörfer auf die Dezentralisierung der Energieversorgung. Dort, wo neue Stromleitungen oder Windparks gebaut werden sollen, beklagen sich AnwohnerInnen über die «Verschandelung» der Landschaft, und UmweltschützerInnen warnen vor dem Aussterben bedrohter Fledermausarten. Die Gewerkschaften sorgen sich um den Verlust von Arbeitsplätzen, während andernorts Bürgerbegehren die Rekommunalisierung der Stromversorgung erstreiten. Dies verdeutlicht, dass es sich bei der Energiewende nicht um einen rein technischen Umbau der Energieversorgung handelt, sondern dass es im gleichen Maße um eine gesellschaftliche Transformation geht, die neue Konflikte hervorruft. Dadurch werden neben Fragen nach der technischen Machbarkeit und Umsetzung auch Fragen nach Partizipation und Akzeptanz sowie nach grundlegenden Wertvorstellungen aufgeworfen.

Die ganze Studie im PDF.

Inhalt

1 Einleitung
2 Energiedemokratie und Energiegerechtigkeit: Zwei Konzepte zwischen Aktivismus und Wissenschaft
2.1 Die internationale Debatte
2.1.1 USA: Energiegerechtigkeit als Weiterentwicklung
von Umweltgerechtigkeit
2.1.2 Großbritannien: Energiegerechtigkeit und Energiearmut
2.1.3 Die globale Perspektive: Klimagerechtigkeit
2.2 Die Debatte in Deutschland: Dezentralisierung und Demokratisierung
2.3 Zusammenfassung
3 Die Transition managen: Mainstream-Ansätze über einen Wandel zur Nachhaltigkeit
3.1 Von Nischen, Regimes und Leveln: Eine evolutionäre Perspektive auf technologischen Wandel
3.2 Zwischen Macht und Management: Politikwissenschaftliche
Erweiterungen der Transitions-Forschung
3.3 Elitär und technologiefixiert: Grundsätzliche Kritikpunkte an den Transition Studies
4 Die Natur politisieren, die Wirtschaft demokratisieren: Ansatzpunkte für eine kritische Energieforschung
4.1 Analysen: Natur, Stadt, Gesellschaft 
4.1.1 Politische Ökologie: Die politische Natur
4.1.2 Urban Political Ecology: Die Stadt als Teil der Natur
4.1.3 Soziale Ökologie: Die Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen
4.1.4 Synthese: Die Politische Ökologie der Energieversorgung
4.2 Alternativen: Gemeinsam, solidarisch, demokratisch
4.2.1 Commons: Kooperation statt Tragödie
4.2.2 Solidarische Ökonomie: Emanzipation durch Selbsthilfe
4.2.3 Wirtschaftsdemokratie: Mehr Demokratie durch Mitbestimmung
4.2.4 Synthese: Für eine alternative Energieversorgung
5 Fazit: Für eine kritische Energieforschung!
6 Literatur- und Quellenverzeichnis