Publikation Wirtschafts- / Sozialpolitik - Globalisierung - Südliches Afrika - Ernährungssouveränität Bittere Orangen

Der Export von Zitrusfrüchten von Südafrika nach Deutschland

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Reihe

Studien

Autor

Benjamin Luig,

Erschienen

Juni 2021

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Anlässlich der Verabschiedung des Lieferkettengesetzes veröffentlicht die Rosa-Luxemburg-Stiftung gemeinsam mit der südafrikanischen Organisation Khanyisa eine Studie, die belegt, dass Zitrusfrüchte, die in deutschen Supermärkten zu finden sind, unter massiven Arbeitsrechtsverletzungen in Südafrika produziert werden.

Jedes Jahr zwischen Juni und Oktober füllen Orangen, Zitronen und Mandarinen aus Südafrika die Supermarktregale in Deutschland. Mit einem Exportvolumen von 80.400 Tonnen im Jahr 2020 ist Südafrika nach Spanien der zweitwichtigste Lieferant von Zitrusfrüchten für den deutschen Markt. In der Studie «Bittere Orangen» wurden die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf fünf Farmen in der Provinz Ostkap in Südafrika untersucht. Die Farmen produzieren für Packhäuser, die wiederum Supermarktkonzerne wie Edeka, Rewe und Lidl beliefern.

Benjamin Luig arbeitet zu Fragen der Agrarpolitik und lebt in Berlin. Von 2016 bis 2019 leitete er das Dialogprogramm Ernährungssouveränität der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Johannesburg, Südafrika.

Die Marktmacht innerhalb der Lieferkette ist extrem ungleich verteilt. Dies drückt sich in problematischen Handelspraktiken deutscher Supermarktkonzerne aus. Lidl, Rewe und Co. setzen die Zulieferer zum Beispiel durch kurzfristige Lieferverträge und das Nachverhandeln von Preisen zu ihrem eigenen Vorteil unter Druck. Außerdem sind die Preismargen entlang der Lieferkette ungleichmäßig verteilt. Von den knapp zwei Euro, die ein Kilogramm Orangen im Supermarkt in Deutschland kostet, verbleiben etwa 60 Cent auf der Ebene des Einzelhandels in Deutschland. Die Bruttomarge des südafrikanischen Produzenten liegt mit 45 Cent bei weniger als einem Viertel des Endpreises. Der Anteil, den die fest angestellten, ganzjährig beschäftigten südafrikanischen Landarbeiter*innen erhalten, liegt umgerechnet gerade einmal bei sechs Cent.

Darüber hinaus wurden auf den untersuchten Betrieben massive Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt; fehlender Zugang zu Trinkwasser, akute Pestizidvergiftungen sowie die Schikane von Gewerkschaftsvertreter*innen sind eher die Regel als die Ausnahme.

Die Studie zeigt, wie dringend ein effektives Lieferkettengesetz in Deutschland ist. Der südafrikanische Zitrussektor wird ein Prüfstein für das neue Gesetz werden. Werden Lidl, Rewe und Co. Arbeitsrechte in ihrer Lieferkette durchsetzen? Oder wird das Lieferkettengesetz ein zahnloser Tiger?

Die Studie «Bittere Orangen» wird herausgegeben von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der südafrikanischen Organisation Khanyisa. Sie ist Teil einer Publikationsreihe der Rosa-Luxemburg-Stiftung, in der bereits die Lieferketten von Tee und Wein untersucht wurden.