Publikation Parteien / Wahlanalysen - Demokratischer Sozialismus - Gesellschaftstheorie Dietmar Wittich. Gesellschaft begreifen

Soziologie, Klassentheorie, Parteienforschung 1989–2018

Information

Reihe

Manuskripte

Autor

Dietmar Wittich,

Herausgeber/ innen

Thomas Falkner,

Erschienen

Dezember 2021

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«Marxistische Denktradition kann nur bewahrt werden, wenn sie sich immer wieder mit den Realitäten einlässt und sich dabei ‹beschmutzt›, die Gefahr von neuen Irrtümern ist da­bei natürlich gegeben. Aber nur dadurch können realistische Projektionen für gesellschaftliche Gegenentwürfe entwickelt werden. Die Alternative ist letztlich Sozialismus als Retro­spektive, als museale Unfruchtbarkeit, bei der revolutionäre Rhetorik reale Harmlosigkeit nur dürftig bemäntelt.» Dietmar Wittich (2001)

Dietmar Wittich (1943–2018) war ein Soziologe, auf dessen Wirken man achtete, der stets politisch interessant, politisch relevant war. Eines war er dabei nie: angepasst. Das galt schon zu DDR-Zeiten. Mit Anfang 30 war er bereits eine namhafte Figur an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee (ZK) der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Noch in der DDR publizierte er zwei Bücher: «Über soziale Erfahrung» (1983) und «Konservative Gesellschaftsstrategie – soziologisch begründet» (1985). Er war theoretisch wie empirisch gleichermaßen versiert, er war sogar – für einen Intellektuellen eher außergewöhnlich – organisatorisch begabt. Er galt als der beste Max-Weber-Kenner in der DDR, er war eine tragende Säule der DDR-Soziologenkongresse, bereitete sie vor und gab im Nachhinein die Dokumente und Ergebnisse heraus.

Dann kamen die friedliche Revolution von 1989, die deutsche Einheit 1990 und die ostdeutsche Umbruchkrise der 1990er Jahre. Wittich war stets dabei: als theoretischer Kopf im Sinne einer teilnehmenden Sozialforschung, aber immer wieder auch als politischer Akteur, als Impulsgeber für fachliche Debatten und für seine Partei, die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), später DIE LINKE. Er war Aktivist der politischen Bildung, Journalist, Publizist – als der er sich gern sah und als der er sich stark engagierte. Wissenschaft allein im Studierzimmer und am Computer – das war nicht seine Sache. Seine Wissenschaft suchte die Öffentlichkeit – im besten Sinne, ohne sich der Kurzatmigkeit und Effekthascherei der Medienwelt und der aufkommenden Social Networks zu unterwerfen.

Dietmar Wittich hat uns Bleibendes hinterlassen. Aber wir sind ihm manches schuldig geblieben. Manche kräftige Saat, die er gelegt hat, ist zunächst nur spärlich aufgegangen. Aber in der Informationsgesellschaft von heute geht auch nichts verloren und in der Wissensökonomie wächst der Bedarf an solider Erkenntnis. Das Interesse an Dietmar Wittich wird zunehmen. Dieses Buch soll seinen Teil dazu leisten.

Thomas Falkner Berlin, Oktober 2021