Publikation Geschlechterverhältnisse Für eine Demokratisierung der Sorgearbeit

Erfahrungen mit feministischen Care-Politiken auf kommunaler Ebene in Barcelona

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Reihe

Online-Publikation

Autor/innen

Sandra Ezquerra, Christel Keller,

Erschienen

Januar 2022

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In einer Sorgenden Stadt stehen die Bedürfnisse ihrer Bewohner*innen im Zentrum. Das ist heute noch Utopie, kann aber Wirklichkeit werden, wenn wir Forderungen und Kämpfe um soziale Reproduktion bündeln. Die Sorgende Stadt kann ein Kompass sein für konkret machbare Veränderungen auf dem Weg in eine sozialistisch-feministische Zukunft. Grafik: Cooperativa de Diseño

Was ist eine «Sorgende Stadt»? Die Idee stammt aus den munizipalistischen Bewegungen im Spanischen Staat. 2015 übernahm mit Barcelona en Comú eine linke Bewegungspartei die Stadtregierung und legte zwei Jahre später als eine Säule ihres «rebellischen Regierens» ein Programm zur völligen Neuorganisation von Care-Arbeit in Barcelona vor: Ein «Maßnahmenpaket für eine Demokratisierung der Sorge in der Stadt Barcelona».

Inspiriert von Ansätzen eines sozialistischen Feminismus liegt darin ein Fokus auf der ökonomischen Bedeutung von Care-Arbeit. Die konkreten Maßnahmen zielen entsprechend darauf, Sorgearbeit ins Zentrum einer kommunalen Wirtschaftspolitik zu stellen, statt sie ins Private zu schieben oder lediglich als Aspekt einer paternalistischen und tendenziell passivierenden Sozialpolitik zu behandeln. Außerdem folgt das Programm einer «Sorgenden Stadt» der Einsicht, dass Care-Arbeit aus feministischer Perspektive nicht nur demokratisch zu organisieren ist, sondern insgesamt in gesellschaftliche Verantwortung zu nehmen. Die kommunalpolitischen Maßnahmen wurden entsprechend auf den gesamten (auch unentlohnten) Care-Sektor ausgedehnt und Ansätze einer Gemeinwohlökonomie, der Selbstorganisierung und Genossenschaften von öffentlicher Seite unterstützt. So sollte nicht nur die Care-Krise behoben, sondern auch einer Feminisierung von Armut entgegentreten werden.

In dieser Studie werden die konzeptionellen Überlegungen und die praktischen Erfahrungen mit dem Ansatz dargestellt, den die Autorinnen als «Präzedenzfall für eine öffentliche Sorgepolitik» bezeichnen. Sie zeigen, dass es möglich ist, Perspektiven einer feministischen Ökonomiekritik auf kommunaler Ebene in konkrete Politiken zu übersetzen. Sie werten die in Barcelona gemachten Erfahrungen aus und stellen Werkzeuge und Überlegungen vor, die die Entwicklung ähnlicher Strategien in anderen Kontexten erleichtern können. Im Kern ging es darum, konkrete Verbesserungen im Alltag mit dem Fernziel einer geschlechtergerechten Sorgeökonomie zu verbinden.

Die Studie wurde durchgeführt vom UNESCO-Lehrstuhl Frauen, Entwicklung und Kulturen und der Forschungsgruppe Gesellschaft, Politik und inklusive Gemeinschaften an der Universität de Vic - Universität Central de Catalunya.