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Sowohl die Partei der Arbeit Belgiens (PTB) als auch die Democratic Socialists of America (DSA) werden häufig als Inspirationsquelle für eine neue linke Partei sowie für die Green Party in Großbritannien herangezogen – und dafür gibt es gute Gründe: Beide sind sozialistische Organisationen und konnten in den letzten Jahren nicht nur enorme Mitgliederzuwächse, sondern auch Erfolge bei Wahlen vorweisen. Dazu gehören die Wahl des DSA-Mitglieds Zohran Mamdani zum Bürgermeister New Yorks und der Einzug von 15 PTB-Mitgliedern ins belgische Parlament bei den Wahlen 2024.
Joe Todd war Leiter der Kommunikationsabteilung bei Momentum und Mitbegründer von The World Transformed, Common Knowledge und Movement Research Unit. Er bloggt auf New Party, Old Problems und ist Co-Moderator des Podcasts Life of the Party.
Besonders bemerkenswert ist, dass sie politische Erfolge erzielen konnten, ohne ihre eigenständige sozialistische Identität und Praxis aufzugeben. Dazu zählen der systematische Aufbau ideologisch gefestigter und engagierter Kader, die Entwicklung von Machtressourcen jenseits von Wahlkämpfen sowie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Perspektive sozialistischer Transformation.
Die beiden Organisationen unterscheiden sich allerdings deutlich in Bezug auf Struktur, politische Kultur und ihren jeweiligen Kontext. Die PTB ist eine marxistische Partei, die sich durch Disziplin und ideologische Einheit auszeichnet. Sie ist um einen Kern hoch motivierter Kader herum aufgebaut, der in engem Austausch mit der Parteiführung steht. Statt auf lockere Organisierungsexperimente im Stil sozialer Bewegungen setzt die Partei auf Kohärenz, Kontinuität und einen hierarchischen Aufbau.
Die DSA sind eine breit aufgestellte, strömungsübergreifende sozialistische Organisation mit autonomen Ortsgruppen, einflussreichen ideologisch ausgerichteten Caucuses und dezentralen Einflusszentren. Ihre Fokussierung auf Offenheit, Pluralität und Transparenz geht mit einer ungleichen Verteilung von Kapazitäten, einer größeren Zersplitterung und einer eingeschränkten Fähigkeit einher, auf nationaler Ebene strategisch und programmatisch voranzugehen.
Trotz dieser Unterschiede neigen viele Linke dazu, PTB und DSA gleichzeitig als Referenzen zu benennen. Das ist problematisch, denn – wie aus dieser Studie hervorgeht – bedeutet eine stärkere Ausrichtung an der PTB gleichzeitig, sich stärker von den DSA abzuwenden, und umgekehrt. Darüber hinaus hängt die Entwicklung der jeweiligen Organisation sehr stark vom jeweiligen, auch historischen, Kontext ab, weshalb es nicht möglich sein wird, ihre Methoden 1:1 auf andere Länder zu übertragen.
In dieser Studie soll es daher darum gehen, einen Schritt zurückzutreten und sich die Details anzuschauen. PTB und DSA werden als echte, lebendige Organisationen mit eigener Geschichte, eigenem Aufbau und eigenen strategischen Herausforderungen betrachtet. Ein besonderer Blick auf die jeweiligen Strukturen soll beleuchten, welche politische Arbeit diese ermöglichen und was davon sich – falls überhaupt – auf ein linkes Parteiprojekt in Großbritannien und anderswo übertragen lässt.

